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Tarifkonflikt bei Lufthansa : Piloten drohen mit Streikwelle bis zum Jahresende

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Keine langen Schlangen: Die meisten Fluggäste wurden vorab über den Ausfall der Verbindungen informiert. Bild: AP

Die Pilotengewerkschaft will jede Woche bis zum Jahresende streiken. Ausgenommen ist Weihnachten - vielleicht. Der Konzern prüft rechtliche Schritte.

          Bis zum Jahresende müssen sich die Passagiere der Lufthansa noch einmal auf verschärfte Pilotenstreiks einstellen. Zum Auftakt der 13. Streikrunde am Dienstag drohte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) damit, dass ihre Mitglieder bei der Lufthansa bis zum Jahresende wöchentlich die Arbeit niederlegen. „Bis auf weiteres ist es jede Woche möglich, dass es neue Ausstände gibt. Ausgenommen davon ist vielleicht Weihnachten“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Dienstag auf dem Frankfurter Flughafen. Die Lufthansa will nach Aussagen einer Sprecherin nicht nachgeben: „Wir sind entschlossen.“

          Die Lufthansa will das Vorgehen der Pilotengewerkschaft gerichtlich überprüfen lassen. Aus dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main hieß es, das Unternehmen habe eine einstweilige Verfügung beantragt, um den Streik zu stoppen. Das Arbeitsgericht Frankfurt verhandelt ab 14.30 Uhr über den Streik. Auch beim Arbeitsgericht Köln reichte die Lufthansa nach eigenen Angaben einen solchen Antrag ein. Die Kunden würden weit über das erträgliche Maß hinaus von einer kleinen Gruppe der Beschäftigten belastet, sagte Konzernsprecherin Barbara Schädler.

          Die scheibchenweisen Ankündigungen der VC zu den einzelnen Streikmaßnahmen stellten die Lufthansa-Planer zwar vor schwere, aber nicht unlösbare Aufgaben, sagte Schädler: „Wir haben bereits bei dem Streik im März gezeigt, dass wir das operativ hinkriegen.“ Für die Kunden sei aber jeder weitere Flugausfall unzumutbar. Cockpit mute den neuen Streiks viel zu. Eine Lösung des Konflikts sei bislang nicht in Sicht. „Cockpit hat sich verrannt“, so eine Sprecherin.

          Zum Streik der inzwischen 13. Streikrunde war am Frankfurter Flughafen wie an anderen deutschen Flughäfen nur wenig von den zunächst auf die Langstrecke beschränkten Pilotenstreiks zu spüren. Im Terminal kam zwar mehr Service-Personal durch die Lufthansa zum Einsatz, aber die wenigstens Passagiere hatten noch nicht von den Ausfällen erfahren. Die Fluggesellschaft hatte ihre betroffenen Kunden gezielt über SMS und E-Mails informiert. Demnach blieb es ruhig.

          Streik weitet sich auf Stuttgart aus

          Die Pilotengewerkschaft hatte am Montagabend angekündigt, den Streik am Mittwoch auf den viel zahlreicheren Kurz- und Mittelstrecken fortzusetzen. Die Lufthansa wollte auch dafür einen Sonderflugplan erarbeiten, der am frühen Dienstagnachmittag stehen sollte. Man habe am Mittwoch 1520 Flüge mit rund 180.000 gebuchten Passagieren im Programm, hieß es. Nicht betroffen sind Verbindungen der Tochter Germanwings. Deren Maschinen würden nur bestreikt, falls die Lufthansa sie als Ersatz für die eigenen Jets einsetzen sollte, kündigte die Gewerkschaft an.

          Ab Mittwoch müssen sich auch Fluggäste der Lufthansa am Stuttgarter Flughafen auf Streiks einstellen.Von dort aus fliegen jeden Tag sechs Lufthansa-Maschinen von und nach Frankfurt, sowie vier von und nach München. Von den insgesamt 20 für Mittwoch geplanten Verbindungen waren am frühen Dienstagnachmittag bereits 14 Flüge annulliert. Allerdings ließ ein Sprecher des Stuttgarter Flughafens wissen, er rechne nicht mit größeren Problemen, da die Flughäfen in München und Frankfurt auch mit dem Auto oder dem Zug gut zu erreichen seien. Von den Streiks auf Langstrecken am Dienstag war der Flughafen in der baden-württembergischen Hauptstadt nicht betroffen.

          Definitiv gestrichen waren am Dienstag 84 Fernflüge von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf. Demgegenüber sollten 90 Überseeflüge stattfinden, bevor am Mittwoch wieder ein weitgehender Normalbetrieb auf den Interkontinentalstrecken geplant war. Wegen der gestörten Flugzeugumläufe sollten allerdings auch am Mittwoch und am Donnerstag einige Fernverbindungen nicht geflogen werden.

          Es geht nicht um die Renten

          Es ist der 13. Streik in dem laufenden Tarifkonflikt. In bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat sie dem Unternehmen nach dessen Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt. Der Ausstand ist zudem der erste seit März, als ein Kopilot ein Flugzeug der Tochtergesellschaft Germanwings gegen einen Berg gelenkt und sämtliche Passagiere mit in den Tod gerissen hatte. Daher kommt dem Streik eine besondere Symbolkraft zu. Die Tragödie im Frühjahr hatte den Konflikt nur vorübergehend abgekühlt.

          Offizieller Streikgrund bleiben die Übergangsrenten der etwa 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Es geht aber auch um die künftige Unternehmensstrategie mit der geplanten Billigschiene Eurowings. Lufthansa will hier ausschließlich Piloten einsetzen, die deutlich geringere Gehälter erhalten.

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