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Flugverkehr : Billiges Kerosin hilft Lufthansa

  • Aktualisiert am

Ein Lufthansa Airbus A 380 landet in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Lufthansa hat mit dem Pilotenstreik und scharfer Konkurrenz zu kämpfen. Weil das Kerosin aber so viel billiger geworden ist, kann das Unternehmen nun sogar seine Gewinnprognose anheben.

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          Die Lufthansa steigt trotz der heftigen Pilotenstreiks in größere Höhen auf. Dank niedriger Treibstoffpreise und eines überraschend guten Sommergeschäfts hob Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag die Gewinnprognose für 2015 an. Doch der eingeleitete Sparkurs geht weiter. Für das kommende Jahr habe er bereits ein Einsparvolumen von rund einer Milliarde Euro ausgemacht, sagte Spohr bei der Vorlage der Zwischenbilanz für das dritte Quartal. „Auf den Rückenwind niedrigerer Ölpreise können wir nicht dauerhaft bauen.“

          Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit einem Kursanstieg auf die Nachrichten. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz legte die Aktie um rund zweieinhalb Prozent zu.

          Im laufenden Jahr will Spohr den um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) nun auf 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro steigern. Bisher hatte der Manager lediglich ein Ebit von mindestens 1,5 Milliarden Euro angepeilt und angekündigt, die seit Januar aufgelaufenen Streikbelastungen zu kompensieren. Mögliche Belastungen durch weitere Pilotenstreiks im Rest des Jahres sind in der neuen Prognose allerdings nicht berücksichtigt.

          Im wichtigen Sommerquartal von Juli bis September erzielte die Lufthansa einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro und damit sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ebit legte um 51 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich kletterte der Überschuss um fast 42 Prozent auf 794 Millionen Euro. Damit verdiente der Konzern mehr als von Analysten erwartet.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr
          Lufthansa-Chef Carsten Spohr : Bild: dpa

          Die Billigtochter Germanwings, deren Flüge künftig unter der neuen Marke Eurowings vermarktet werden, hat den Angaben zufolge den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Das Ziel der schwarzen Null sei deutlich überschritten worden.

          Neben einer guten Ticketnachfrage im Sommer nannte Finanzchefin Simone Menne die gesunkenen Kerosinpreise als wesentlichen Faktor für die Anhebung der Gewinnprognose. So rechnet die Lufthansa für 2015 jetzt nur noch mit Treibstoffkosten von 5,7 Milliarden Euro, rund 300 Millionen Euro weniger als zuletzt gedacht. Für das kommende Jahr wagte Menne noch keine konkrete Vorhersage. Sie erwarte aber weitere positive Effekte beim Treibstoff.

          Abseits des Kerosins sieht es nicht ganz so gut aus. „Ohne die Effekte von Treibstoffkosten und Währungen sind die Stückkosten im dritten Quartal weiter gestiegen“, sagte Menne. „Mit dieser Entwicklung können wir nicht zufrieden sein.“ Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo habe der Vorstand bereits ein Sparprogramm eingeleitet, das kurzfristig 40 Millionen Euro bringen soll

          Die Baustellen der Lufthansa

          Carsten Spohr drückt beim Konzernumbau aufs Tempo. Unterstützung bekommt er dabei von starker Ticketnachfrage und billigem Kerosin. Das dürfte die Gewinne von Europas größtem Luftverkehrskonzern im dritten Quartal nach oben getrieben haben. Doch längst sind noch nicht alle Probleme gelöst.

          Konkurrenz I: Billigairlines. Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billigairlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten - ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

          Konkurrenz II: Expansive arabische Fluggesellschaften. Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel - zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

          Tarifkonflikte: Ein Großteil der Tarifkonflikte ist nach wie vor ungelöst. Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Zudem droht die Kabinengewerkschaft Ufo mit Arbeitsniederlegungen der Flugbegleiter. Die Uhr tickt: Ufo hat die Lufthansa aufgefordert, ihr Angebot bis zum Ende der ursprünglich gesetzten Verhandlungsfrist am 1. November nachzubessern. Für das Bodenpersonal wiederum gibt es noch keine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

          Und damit nicht genug: Ufo will sich mit der Pilotengewerkschaft VC und Verdi abstimmen, um ein gemeinsames Vorgehen zu verabreden. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist derzeit allerdings offen. Bislang verhandeln die drei Gewerkschaften nach Beschäftigtengruppen getrennt über Gehälter und Versorgungsansprüche der Lufthansa-Mitarbeiter in Deutschland. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013
          gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

          Konzernumbau: Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist "Eurowings Europe" mit Sitz in Wien.Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden. Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten.

          Germanwings-Absturz: Der vom Co-Piloten Andreas Lubitz im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50 000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge zuletzt als zu niedrig ab.

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