https://www.faz.net/-gqe-9xhfr

Corona-Krise : Lufthansa hat 4,3 Milliarden Euro liquide Mittel

Flugzeuge der Lufthansa am Frankfurter Flughafen Bild: Reuters

Der Konzern spricht wegen der Auswirkungen des Coronavirus mit Regierungen über Staatshilfen. Für die schwere Phase hat man aber auch selbst vorgesorgt – und zusätzliche Finanzmittel beschafft.

          2 Min.

          Das Flugangebot wird um bis zu 70 Prozent gekürzt, Mitarbeiter sollen in Kurzarbeit geschickt werden und mit Regierungen laufen Vorgespräche für Staatshilfen: Der Lufthansa-Konzern rüstet sich für eine schwere Phase, da wegen der Auswirkungen des Coronavirus Passagiere ausbleiben und der Flugverkehr immer stärker durch Einreiseverbote anderer Länder beeinträchtigt ist. Um zu bestehen, hat man in der Konzernzentrale aber auch vorgesorgt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Aktuell verfügt der Konzern über liquide Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro“, teilte Lufthansa am späten Freitagabend im Anschluss an eine Vorstandssitzung mit. Damit übertrifft die Summe der flüssigen Mittel deutlich den zuletzt bekannten Stand von Ende September 2019, als der Lufthansa über frei verfügbare Mittel von 3,7 Milliarden Euro verfügte. „Um seine starke finanzielle Position abzusichern, hat der Konzern in den vergangenen Wochen zusätzliche Mittel in Höhe von rund 600 Millionen Euro aufgenommen“, hieß es weiter.

          Mit dieser Finanzausstattung könnte der Konzern sicher sämtliche operative Aufwendungen für anderthalb Monate decken, die nötig für einen vollen Betrieb nötig wären. Zusätzlich verfügt Lufthansa nach eigenen Angaben über ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro und bereitet weitere Mittelaufnahmen unter anderem durch Flugzeugfinanzierungen vor. Aktuell sind 86 Prozent der Flotte im Konzerneigentum, was im Branchenvergleich ein hoher Wert ist.

          Zuletzt waren mehr Stornierungen als Neubuchungen eingegangen. Um das Bestehen auch in einer längeren Phase mit sehr geringer Nachfrage zu sichern, laufen Anfrage für staatliche Hilfen – sowohl in Deutschland, als auch in Österreich, in der Schweiz und Belgien, wo die Tochtergesellschaften Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines beheimatet sind. „Wir haben uns vor dem Hintergrund dieser bisher unbekannten Herausforderung entschieden, mit den Regierungen unserer Heimatländer nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden“, hatte Konzernchef Carsten Spohr Mitarbeiter in einer internen Videobotschaft gesagt.

          Mitarbeiter, Aktionäre und Vorstand sollen verzichten

          Spohr bereitete die Beschäftigten zudem darauf vor, dass weitere Sparbeiträge auch von ihnen nötig werden könnten. Er wünschte „Flexibilität, Verzicht und Solidarität“ vom Personal. Auch der Vorstand werde sich am Verzicht beteiligen. Verzichten sollen auch die Aktionäre – und zwar auf die jährliche Ausschüttung. Ihnen wird vorgeschlagen, für das vergangene Geschäftsjahr keine Dividende zu zahlen.

          Für 2018 gab es eine Dividende von 80 Cent je Aktie. Und eigentlich hatte der Konzern angekündigt, fortan statt 10 bis 25 Prozent sogar 20 bis 40 Prozent seines Nettogewinns an die Anteilseigner auszuschütten. In der Coronakrise gilt das nun nicht, grundsätzlich will Lufthansa aber an der höheren Ausschüttungsquote festhalten, versicherte der Konzern.

          Für 2019 weist Lufthansa einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Adjusted Ebit) von 2,026 Milliarden Euro aus – ein Rückgang von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. 2019 war für den Konzern geprägt durch einen Wettkampf mit anderen Beförderern, der vor allem über niedrige Ticketpreise ausgetragen wurde.
          .
          Der bereinigte operative Gewinn entspricht der Mitteilung zufolge 5,6 Prozent des Umsatzes, der somit über 36 Milliarden Euro gestiegen ist nach 35,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Mit 5,6 Prozent liegt die Marge zwar am unteren Ende, aber doch in der prognostizierten Spanne. 2018 betrug der Umsatz 35,8 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Lufthansa einen bereinigten operativen Gewinn „deutlich unter Vorjahr“. Details zum Jahresabschluss und zum Ausblick will der Konzern am kommenden Donnerstag veröffentlichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.