https://www.faz.net/-gqe-72kfu

Lufthansa-Flugbegleiter : Ausweitung der Streiks

  • Aktualisiert am

Wohl schon am Dienstag würden die Lufthansa-Flugbegleiter abermals in den Ausstand treten, so Mitglieder der UFO. Als favorisierte Streikstandorte wurden München, Düsseldorf und Berlin genannt Bild: REUTERS

Der Streik der Flugbegleiter der Lufthansa am Dienstag soll länger dauern als der Ausstand am Freitag. Auch sollen mehrere Flughäfen betroffen sein. Einzelheiten will die Gewerkschaft Ufo aber erst wieder sechs Stunden vor Beginn bekanntgeben.

          2 Min.

          Die Flugbegleiter der Lufthansa wollen ihre Streiks am Dienstag ausweiten. Es werde länger und an mehr Orten gestreikt als am Freitag, kündigte der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Montag in Frankfurt an. Zum Ende vergangener Woche hatten die Stewards und Stewardessen für acht Stunden am Drehkreuz Frankfurt die Arbeit niedergelegt und damit Deutschlands größten Flughafen teilweise lahmgelegt.

          Hotline der Lufthansa: 01805/805805

          Lufthansa musste 190 Verbindungen streichen und rund 26.000 Passagiere anderweitig ans Ziel bringen. Mit einer so umfassenden Beteiligung an dem Streik habe man nicht gerechnet, sagte Baublies. „Das hat es noch nicht einmal beim Pilotenstreik gegeben.“ Auch aus anderen Abteilungen habe man viel Zustimmung erhalten. Die Loyalität zum Spitzenmanagement und insbesondere zum Vorstandschef Christoph Franz habe spürbar nachgelassen. „Das ist eine Kraftprobe von Herrn Franz gegen die Belegschaft.“ Über das Wochenende habe es keine Kontakte zwischen den Tarifparteien gegeben.

          Baublies lehnte das Ansinnen der Lufthansa ab, die Passagiere schon 24 Stunden vor der nächsten Streikwelle zu warnen. „Dann müssten wir den Streik ausweiten und 24 Stunden bundesweit in den Ausstand gehen.“ Das wolle man bislang noch vermeiden. Ufo will nach wie vor erst sechs Stunden vor Beginn sagen, wo und wann gestreikt wird. In der Diskussion sind München, Düsseldorf und Berlin sowie abermals Frankfurt, wo die stärkste Auswirkung auf den Flugplan erzielt werden kann.

          Millionenschaden beim Streik am Freitag

          Der am Freitag ausgelöste Rückstau hatte weit über Frankfurt hinaus Folgen. Der Flughafenbetreiber Fraport musste für anderthalb Stunden alle Starts von einem deutschen und europäischen Flughafen mit Zielort Frankfurt stoppen, weil alle Parkpositionen von bestreikten Lufthansa-Maschinen besetzt waren. Auch am Samstag fielen im Nachgang der Streikaktionen weitere 19 innerdeutsche und europäische Flüge aus. Der Flugbetrieb am Sonntag verlief indes störungsfrei.

          „Da wir am Freitag erlebt haben, dass die Lufthansa ihre Möglichkeiten über- und die Streikbeteiligung unterschätzt hat und überhaupt nicht in der Lage war, den Sonderflugplan aufrecht zu erhalten, bleibt zu vermuten, dass dies am Dienstag auch nicht klappen dürfte“, verkündete UFO auf ihrer Internetseite.

          Aktuelle Fluginformationen der Lufthansa

          Der UFO-Streik am Freitag schlage mit einem Millionenschaden zu Buche, sagte ein Sprecher der Lufthansa, ohne den Betrag konkret zu beziffern. Setzten sich die Aktionen auf den großen Stützpunkten in Deutschland wie angedroht in bisherigem Umfang fort, dürfte der Schaden eine zweistellige Millionenhöhe erreichen, sagt ein Kenner der Branche mit Verweis auf ähnliche Arbeitskämpfe der Lufthansa-Piloten oder der Vorfeld-Lotsen in Frankfurt.

          Trotz solcher Aussichten sieht die Lufthansa keinen Anlass, ihr bestehendes Angebot nachzubessern. UFO hatte in den rund einjährigen Tarifverhandlungen im Kern 5 Prozent mehr Lohn sowie den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und den Einsatz von Leiharbeitern gefordert. Die Fluggesellschaft bietet dagegen im Wesentlichen einen Gehaltszuwachs von 3,5 Prozent und garantiert einen Bestandsschutz von drei Jahren.

          Um die hohen Millionenverluste im Europaverkehr zu beseitigen, will die Lufthansa in Teilen ihres Passagierverkehrs die Personalkosten deutlich reduzieren und die Produktivität ihrer Flotte erhöhen, indem die Maschinen länger als bisher in der Luft gehalten werden.

          „Wir sind noch sehr weit von Streiks entfernt“

          Die streikenden Flugbegleiter der Lufthansa werden kurzfristig allerdings keine Unterstützung der Piloten erhalten. Deren Tarifverhandlungen werden erst im Oktober fortgesetzt, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Jörg Handwerg, der Nachrichtenagentur dpa am Montag in Frankfurt. Mit der Lufthansa stehe man in Verhandlungen. „Wir sind noch sehr weit von irgendwelchen Streiks entfernt. Es wäre total unseriös, jetzt darüber zu spekulieren.“

          Weitere Themen

          „Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen Video-Seite öffnen

          Finanzminister Scholz : „Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen

          Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben die beschlossene Verschärfung der Corona-Maßnahmen als notwendig verteidigt. Sie betonten außerdem die massive staatliche Unterstützung für die von Schließungen betroffenen Branchen.

          Topmeldungen

          Terror in Nizza : Rausch des islamistischen Nihilismus

          Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten wurde die Stimmung aufgeheizt. Auch durch Boykottaufrufe gegen Frankreich in islamischen Ländern. Doch ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch.

          Der Papst und die Satire : Mit der Faust zuschlagen

          Der Muslimische Ältestenrat will das Magazin „Charlie Hebdo“ wegen der Mohammed-Karikaturen verklagen. Zeichnungen wie diese gefallen auch Papst Franziskus nicht. Da gibt es einen gefährlichen Schulterschluss.
          Die Parteizentrale der CDU in Berlin

          Streit über CDU-Parteitag : Tricksereien und spaltende Entgleisungen

          Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz müssen einen gemeinsamen Vorschlag für Wahlformat und Wahltermin vorlegen. Nur so wird der Sieger die Partei zusammenzuhalten können. Ein Gastbeitrag des Vorsitzenden der Jungen Union.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.