https://www.faz.net/-gqe-7lsgi

Lufthansa : Die Chefsuche wird zur Lachnummer

Start einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt Bild: AFP

Die Lufthansa sucht einen Nachfolger für den scheidenden Airline-Chef Christoph Franz. Dabei machen weder der Konzern noch die berichtenden Journalisten eine gute Figur.

          2 Min.

          Die Zeiten, in denen bei der Deutschen Lufthansa die Dinge einfach waren, sind lange vorbei. Muss gespart werden, gibt es Theater. Braucht man einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden – gibt es Theater. Hat man Monate Zeit, einen Nachfolger für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden zu finden: Es gibt Theater. Der einstigen deutschen Vorzeigemarke tut das nicht gut. Für Journalisten aber ist das alles ein Quell großer Freude: Denn in einem Konzern, in dem mancher manchem misstraut, findet sich immer wieder jemand, der „Nachrichten“ durchsticht.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Das kann man dann glauben oder nicht – und nicht immer wird jeder Anruf einer Plausibilitätsprüfung unterzogen, die eine Berichterstattung noch verhindern könnte. Dann wird plötzlich René Obermann, der frühere Vorstandsvorsitzende der Telekom, zu einem Nachfolgekandidaten für den bisherigen Lufthansa-Chef Christoph Franz. Ausgerechnet Obermann, werden sich da alle gedacht haben, die ihn ein wenig kennen: Der Mann wollte doch nur noch raus aus großen, unflexiblen Konzernstrukturen – hinein in eine Welt des technologischen Aufbruchs und dynamischer Teams. Kein Wunder, dass an der „Nachricht“ auch nichts dran ist.

          Auch sein Name wurde fälschlicherweise genannt: Rene Obermann
          Auch sein Name wurde fälschlicherweise genannt: Rene Obermann : Bild: dpa

          Wieso kommt es zu einem solchen Chaos? Der Lufthansa-Chefkontrolleur Wolfgang Mayrhuber hat sich zum Ziel gesetzt, neben dem internen Favoriten Carsten Spohr einen namhaften Manager von draußen für den Chefposten zu präsentieren. Spohrs Gegenkandidat müsse dabei nicht aus der Luftfahrt kommen, aber über internationale Erfahrung sowie einschlägige Sanierungserfahrung in der Industrie verfügen, lauten die Vorgaben für die Headhunter, die mit dem Prestigeauftrag bedacht wurden. Ehemalige Konzernchefs wie René Obermann (Deutsche Telekom), Peter Löscher (Siemens) oder Axel Heitmann (Lanxess) scheinen in dieses Raster tatsächlich auf den ersten Blick gut zu passen. In jedem Fall würden sie ein Kriterium erfüllen, das allerdings gewiss nicht das einzig entscheidende ist: Sie sind kurzfristig verfügbar, wenn Amtsinhaber Franz spätestens im Mai an die Spitze des Verwaltungsrates des Schweizer Pharmakonzerns Roche wechselt.

          Da allerdings enden die Dinge auch schon. Denn die drei Veteranen der deutschen Industrie bürgen wohl kaum für den kreativen Neuanfang, den die Lufthanseaten nach der Verpflichtung eines Branchenneulings erwarten dürften – und auch müssen. Das Dementi aus dem Umfeld Obermanns, den nun das „Handelsblatt“ und die „Rheinische Post“ als möglichen Franz-Nachfolger ins Spiel brachten, kam denn auch prompt. Wegbegleiter Obermanns dürfte es wenig gewundert haben. Danach sehe sich der amtierende Chef des Kabelnetzbetreibers Ziggo auch bis zum Vollzug und Genehmigung der geplanten Übernahme durch den amerikanischen Kabelkonzern Liberty Global bei seinem niederländischen Arbeitgeber verpflichtet, sagte Konzernsprecher Martijn Jonker gegenüber der F.A.Z. Zudem habe sich Obermann fest vorgenommen, neue Herausforderungen mit „mehr Nähe zum Maschinenraum“ eher in wachstumsstarken Branchen zu suchen. Die Lufthansa zählt indessen wahrlich nicht zu einer aufstrebenden Industrie.

          Tagessieger Carsten Spohr
          Tagessieger Carsten Spohr : Bild: dpa

          Angesichts solcher Schlagzeilen wird die Nachfolgesuche zudem zu einer peinlichen Veranstaltung – für die Suchenden, die vermeintlichen Kandidaten und die jeweiligen Berichterstatter gleichermaßen. Das größere Problem: Mit dem Festhalten an einem externen Kandidaten lässt Mayrhuber auch Zweifel an dem Lufthansa-Kronprinzen Spohr aufkommen. Aber der 47 Jahre alte Konzernvorstand, der das Passagiergeschäft führt, kann sich auf die Sympathien der Piloten und des Kabinenpersonals stützen. Und am Tag der Obermann-Ente wird sich Spohr ohnehin als Sieger fühlen dürfen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Impfschutz kann nach einigen Monaten nachlassen.

          Auffrischungsimpfungen : So wollen die Länder den Corona-Booster zünden

          Weil unklar ist, wie lange sich Geimpfte vor Corona in Sicherheit wiegen können, gibt es bald die dritte Spritze. Impfteams schwärmen wieder aus, die Arztpraxen übernehmen den Rest – doch wie genau soll die dritte Impf-Welle anrollen?

          Waldbrände in der Türkei : Erdogan kennt die Schuldigen

          Die Türkei, sagt Staatspräsident Erdogan, kämpfe gegen die schlimmsten Waldbrände ihrer Geschichte. Kritik an seiner Regierung weist er zurück – und greift an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.