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Lufthansa : Der Pilotenstreik und seine Folgen

Bleibt ab Montag auf dem Boden: Die Piloten von Lufthansa und der Tochtergesellschaft Germanwings wollen streiken Bild: dpa

Wer in der kommenden Woche mit der Lufthansa fliegen wollte, muss seine Reisepläne ändern. Die Piloten von Lufthansa und der Tochtergesellschaft Germanwings wollen streiken. Wie soll man sich vorbereiten? Was tut die Lufthansa?

          Vier Tage wollen die Piloten von Lufthansa und der Tochtergesellschaft Germanwings vom kommenden Montag an streiken. Von Montag null Uhr bis Donnerstag 23.59 Uhr will die Pilotenvereinigung Cockpit den Konzern lahmlegen: Das wird zu Verspätungen und Flugausfällen führen. Die Lufthansa befürchtet durch den Streik einen Schaden von rund 100 Millionen Euro. Zwei Drittel der Flüge werden ausfallen, teilte das Unternehmen am Freitagabend mit.

          Carsten Knop

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          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zugleich will die Lufthansa die Folgen des Massenausstands begrenzen - mit einem Sonderflugplan, dem Einsatz von Führungskräften und gemieteten Flugzeugen der Konkurrenz. Zudem sollen Passagiere in größeren Flugzeugen befördert werden, um den Wegfall mehrerer Verbindungen mit kleinerem Fluggerät ausgleichen zu können. Dabei handelt es sich um eine große logistische Herausforderung: Denn im Schnitt zählt die Lufthansa jeden Tag rund 150.000 Fluggäste. Germanwings teilte am Freitag mit, sie werde trotz des Streiks zwei Drittel der geplanten Flüge anbieten können.

          Flugschein gegen Reisegutschein eintauschen

          Lufthansa-Wettbewerber wie Ryanair, Air Berlin oder Tuifly und selbst Mietwagenunternehmen wie Sixt hoffen unterdessen auf verstärktes Interesse für ihre Angebote. Große Konzerne verweisen ihre Mitarbeiter für die kommenden Tage auf die Ankündigungen der Lufthansa und regen die Benutzung der Bahn oder alternativer Flugangebote an. Während des Streiks werden aber auch Lufthansa und Germanwings versuchen, betroffene Passagiere auf andere Flüge umzubuchen.

          Für Ziele in Deutschland können Fluggäste ihren Flugschein am Ticketschalter zudem gegen einen Reisegutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Dafür muss das elektronische Ticket (Etix) an einem Lufthansa Check-In Automaten in einen Reisegutschein umgewandelt werden. Alternativ können Kunden auch eigenständig ein Bahnticket in der gleichen Reiseklasse für die Strecke kaufen, für die ihr Flugticket gültig war. Das Bahnticket kann dann mit dem Flugticket der Lufthansa zur Erstattung eingereicht werden.

          Fluggäste, die einen Lufthansa-Flug in der vom Streik betroffenen Zeitspanne gebucht haben und jetzt schon ihre Reisepläne ändern möchten, können einmalig kostenfrei auf einen anderen Lufthansa-Flug umbuchen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Ticket vor dem 18. Februar ausgestellt worden ist, das neue Reisedatum vor dem 31. Mai 2010 liegt und die Start- und Zielpunkte der Reise nicht verändert werden. Wessen Flug wegen des Streiks gestrichen wird, der kann ihn nach Angaben der Lufthansa am Flughafenschalter oder auch von zu Hause aus stornieren und bekommt dann sein Geld zurück - entweder von der Lufthansa oder vom Reisebüro, das das Ticket verkauft hat. Über ausgefallene und verspätete Flüge können sich Passagiere auf der Internetseite der Lufthansa informieren.

          Rückflüge aus dem Ausland finden statt

          Den Frankfurter Flughafen wird der Streik als Lufthansa-Basis besonders treffen. Lufthansa ist zudem ein führendes Mitglied des internationalen Flugverbunds Star Alliance, zu der auch United Airlines und Singapore Airlines gehören. Der Streik könnte darum die Flugpläne auf der ganzen Welt durcheinanderbringen. Allerdings finden die Rückflüge aus dem Ausland nach Deutschland in jedem Fall auch nach Streikbeginn noch statt. Die betroffenen Piloten werden erst nach der Landung in Deutschland ihren Streik beginnen.

          Grundsätzlich gilt: Ab zwei Stunden Verspätung haben Fluggäste Anspruch auf Betreuungsleistungen, also Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel, wenn der neue Flug am nächsten Tag stattfindet, sowie zwei Telefonate, Telefaxe oder E-Mails auf Kosten der Fluggesellschaft. Diese Wartezeit gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden Warten, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

          Die Lufthansa stellte zugleich klar, dass sie keine weiteren „Ausgleichs- oder Entschädigungsleistungen“ gewähren werde. Annullierungen aufgrund von Streiks seien außergewöhnliche Umstände im Sinne der EU-Verordnung, bei denen die Airlines aus der Verantwortung entlassen werden. Sollten Fluggäste Probleme bekommen, können Sie sich an das Bürger-Service-Center des Luftfahrtbundesamts wenden (LBA). Dort werden Verstöße gegen Fluggastrechte untersucht und gegebenenfalls ordnungsrechtlich verfolgt.

          Streiks durch Grundgesetz geschützt

          Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte, der Ausstand, der auch die Frachtsparte Cargo betrifft, komme zur Unzeit: „Ein Streik träfe das zarte Pflänzchen der wirtschaftlichen Stabilisierung nach der Krise“, sagte Werner Schnappauf, der Hauptgeschäftsführer des BDI. Getroffen werde von der Arbeitsniederlegung nicht nur ein Unternehmen, sondern den gesamte Export und damit ein erheblicher Teil der deutschen Wirtschaft. Ein Lufthansa-Sprecher sagte allerdings, nur wenige Cargo-Flüge am Tag seien betroffen. Diese könnten von Mitarbeitern aus dem Management mit Pilotenschein übernommen werden.

          Die Lufthansa selbst kann sich rechtlich kaum gegen den drohenden Piloten-Streik zur Wehr setzen. „Das wird sehr schwer für die Lufthansa“, sagte Arbeitsrechtlerin Amelie Bernardi von der Frankfurter Kanzlei FPS der Nachrichtenagentur Reuters. Streiks seien durch das Grundgesetz explizit geschützt, und deshalb müsste die Fluggesellschaft schon sehr gute Gründe aufführen, um den Ausstand von gut 4000 Piloten doch noch zu verhindern.

          Die Lufthansa hat eine kostenfreie Nummer geschaltet, unter der Kunden Informationen zu ihren Buchungen (Umbuchungen/Stornierung) erhalten: 0800 / 8 50 60 70

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