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Luftfahrtgipfel in Leipzig : Wie gelingt klimaneutrales Fliegen?

Emissionen sollen sinken: Branche und Politik diskutieren die Zukunft des Fliegens. Bild: dpa

Politik und Branche beraten am Mittwoch in Leipzig über Emissionen und Klimafolgen. Doch helfen höhere Steuern auf Inlandsflüge? Und warum ist synthetischer Kraftstoff auf einmal so populär?

          Für die deutsche Luftfahrt geht es um viel auf der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz, zu der sich Bundesregierung und Branche in Leipzig treffen. In Zeiten der Klimadebatte kursieren Forderungen nach hohen Zusatzsteuern und nach Verboten für Kurzstreckenflüge. Beides wäre geeignet, die hiesigen Unternehmen zu weniger Emissionen zu bringen, aber auch ihr Geschäft und ihre Gewinne – sofern diese vorhanden sind – empfindlich zu beschneiden. Dabei war die Konferenz, die nun alle zwei Jahre stattfinden soll, ersonnen worden, als noch keine „Friday for Future“-Protestierer auf die Straße gingen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Luftfahrt beklagte Engpässe bei staatlichen Sicherheitskontrollen, in der staatlichen Flugsicherung und erzwungene Umwegflüge, die wegen geringer europäischer Abstimmung für Kosten und Emissionen sorgten. Zudem wurden belastbare Aussagen vermisst, wo sich die Politik denn wie viel Flugbetrieb wünscht, wenn große Drehkreuze an Kapazitätsgrenzen stoßen und kleine Regionalflughäfen leer sind. Weniger Schadstoffe und weniger Lärm durch Flüge werden schon länger gefordert.

          „Leipziger Statement“

          Der großen Koalition dämmerte, dass diese Fragen zu diskutieren sind. Sie spielen in Leipzig eine Rolle, vor allem die bessere Abstimmung der Luftfahrt in Europa will der Bund während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 vorantreiben. Doch über allem thront zur ersten Luftfahrtkonferenz die Klimadebatte.

          Wie schon vor Tagungsbeginn durchsickerte, wollen sich Politik und Branche in einem „Leipziger Statement“ zur Entwicklung neuer Technologien und Maßnahmen für Umwelt- und Klimaschutz verpflichten – „mit dem Ziel eines CO2-neutralen Fliegens“. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hatte sich das vorausschauend schon im Vorfeld der Konferenz als Ziel gesetzt, statt sich wie bislang lediglich einem CO2-neutralen Wachstum verpflichtet zu sehen.

          Auch die Forderung nach einem Aus der deutschen Luftverkehrssteuer, die als Verzerrung des internationalen Wettbewerbs zulasten der hiesigen Unternehmen empfunden wurde, gab die Branche auf. Das Steueraufkommen solle für den Klimaschutz genutzt werden. Minister Scheuer will das übernehmen: „Wir setzen uns dafür ein, dass die Einnahmen der Luftverkehrssteuer für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden“, sagte er.

          Synthetisches Kerosin?

          Zur Emissionsvermeidung sollen alternative Kraftstoffe eine zentrale Rolle bekommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte zum Auftakt der Konferenz: „Unser Ministerium will fördern statt verbieten, saubere und synthetische Kraftstoffe billiger machen.“ Flugzeugbetreiber stehen vor der Herausforderung, dass sie anders als Auto- und Lastwagenfahrer und Bahngesellschaften auf absehbare Zeit nicht auf Batterien und Strom ausweichen können. Zu groß ist der Energiebedarf großer Passagierjets. Zum schwer wäre die nötigen Batterien, um zu fliegen.

          „Der letzte Tropfen Benzin wird durch ein Flugzeugtriebwerk fließen“, hatte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr noch zu Wochenbeginn gesagt. Das klang wie ein Dämpfer für hochfliegende Klimaschutz-Hoffnungen. Allerdings äußerte er die Erwartung, dass der letzte Tropfen Kerosin in einem Triebwerk kein fossiler Brennstoff mehr sein werde, sondern ein synthetischer, der aus Wasserstoff und CO2, das technisch der Luft entzogen wird, hergestellt wird.

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