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Luftfahrt : „Wer nicht zahlt, bleibt am Boden“

  • -Aktualisiert am

Entschädigungen sind der Lufthansa willkommen Bild: dpa

Die Versicherer wollen sich nun die Belastungen mit höheren Prämien bei den Fluggesellschaften wieder holen.

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          Nach den Terroranschlägen geraten Fluggesellschaften und Versicherungen in Bedrängnis. Die Versicherer wollen sich nun die Belastungen mit höheren Prämien bei den Fluggesellschaften wieder holen. Die EU-Kommission überprüft die „außergewöhnliche Situation“ in der Luftfahrt und kann sich grundsätzlich auch staatliche Entschädigungen wie in den USA vorstellen.

          Die Gewinnwarnungen von Lufthansa und KLM und der angekündigte Abbau von 7.000 statt 1.800 Stellen bei British Airways zeigen, dass auch für die europäischen Fluglinien die Luft immer dünner wird. In der Europäischen Kommission und im Rat gebe es eine Tendenz, die angeschlagenen Fluggesellschaften zu schützen - auch vor subventionierten Konkurrenten aus den USA, sagte ein Sprecher der deutschen Vertretung der Kommission. Man beobachte in der Luftfahrt die Aussetzung des Marktes. Da sich aber die Auswirkungen noch nicht beziffern ließen, sei man bereit, noch abzuwarten. Die EU-Kommission soll zu dem am Freitag beginnenden Treffen der EU-Finanzminister in Lüttich einen ersten Bericht zur Lage der europäischen Fluggesellschaften vorlegen. Mit konkreten Entscheidungen zu werde bei diesem Treffen noch nicht gerechnet

          Aktienkurse weiter auf Talfahrt nach Verlustmeldungen

          Die Swissair ist bisher die einzige Fluggesellschaft, die konkrete Zahlen zu den unmittelbaren Verlusten nach den Terroranschlägen vorgelegt hat. Bei der Schweizer Fluggesellschaft, Mutterkonzern der vor dem Konkurs stehen Sabena, ist es in der Gruppe zu einem Ertragsausfall von 65 Millionen Schweizer Franken gekommen. Die Aktie der Swissair verlor bis zum Nachmittag elf Prozent. Die Lufthansa-Aktie notierte nach der Gewinnwarnung mit minus 13 Prozent auf 9,05 Euro erstmals seit Frühjahr 1995 deutlich unter zehn Euro. Damit büßte der Kurs seit den Anschlägen in den USA rund 40 Prozent und das Unternehmen rein rechnerisch mehr als zwei Milliarden Euro seines Börsenwerts ein.

          Höhere Versicherungsprämien für Fluggesellschaften

          Langsam sehen die Versicherungen klarer, welche finanziellen Auswirkungen die Terroranschläge in den USA haben. Die weltweit größte Rückversicherung Münchener Rück hat eine Woche nach den Anschlägen die Schadensumme von einer auf 2,1 Milliarden Euro erhöht. Ab Montag müssen die Versicherungen nun höhere Versicherungsprämien zahlen. Wer nicht zahle, dürfe nicht mehr fliegen, hieß es am Donnerstag von der EU-Kommission.

          Vorschlag der Fluggesellschaften wird geprüft

          Die EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio jedoch sagte zu, einen Vorschlag des Branchenverbands der europäischen Fluggesellschaften AEA zu prüfen. Die Fluggesellschaften fordern ein auf Gegenseitigkeit beruhendes Versicherungssystem. Die Versicherer wollten die Spielregeln ändern und für das Risiko eines Kriegs einen Aufschlag verlangen, der von den Fluggesellschaften getragen werden müsse, argumentierte die AEA. Allein bei der Air France fielen zehn Mal so hohe Beiträge an, so Unternehmenschef Jean-Cyrill Spinetta.

          Erleichterungen für EU-Gesellschaften denkbar

          Die EU-Kommissarin betonte, dass der EU-Haushalt keine Hilfen für die in Turbulenzen geratenen Fluggesellschaften vorsehe. Die „außergewöhnliche Situation“ mache jedoch bestimmte Erleichterungen für die Fluglinien zulässig. Niemand dürfe diskriminiert werden, zugleich sollten aber auch EU-Gesellschaften gegenüber ihrer amerikanischen Konkurrenz nicht benachteiligt werden. Die Kosten für die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr sollen nach Ansicht der EU-Kommission von den einzelnen EU-Staaten übernommen werden.

          Lufthansa richtet sich gegen Subventionen

          Die Lufthansa hat Subventionen für die angeschlagenen Fluggesellschaften als „Gift für die Industrie“ bezeichnet. Kompensationen für nachweislich entstandene Schäden nach dem 11. September befürworte Lufthansa allerdings, sagte ein Sprecher. „Lufthansa war und ist strikter Gegner staatlicher Beihilfen“ betonte Lufthansa-Vorstand Jürgen Weber.

          Auf die unterschiedliche Situation der Fluglinien in den USA, denen der heimische Mark wegbreche, und in Europa weist Pia-Christina Schulze von Merck Finck & Co. hin. Sinnvoller als Subventionen zu genehmigen, sei es jetzt, Erleichterungen für Fusionen zu schaffen, damit auch für mögliche Kandidaten wie KLM und British Airways der Zusammenschluss rentabel sei. Die staatliche Hilfen in den USA seien vor allem denkbar, um die Verbraucher zu stärken und ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern.

          US-Präsident George W. Bush will den amerikanischen Fluglinien Unterstützung in Höhe von fünf Milliarden Dollar gewähren. Einen entsprechenden Plan hat er führenden Politikern des US-Kongresses vorgelegt. Die Summe decke die direkten Schäden ab, die den Fluggesellschaften nach deren Angaben durch die Anschläge entstanden seien. Über die von den Gesellschaften geforderten Bürgschaften in Höhe von 12,5 Milliarden Dollar solle mit dem Kongress zu einem späteren Zeitpunkt beraten werden.

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