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Luftfahrt : Wachstum ohne Schnickschnack

  • -Aktualisiert am

Easyjet obenauf Bild: dpa

Wie die Billigflieger den kriselnden Großfluggesellschaften den Rang ablaufen. Eine Analyse.

          3 Min.

          In den drei Monaten bis Ende September stürzten die Gewinne von British Airways um 98 Prozent nach unten. Wenige Tage zuvor verkündete EasyJet einen Gewinnsprung nach oben um 82 Prozent für das gesamte Geschäftsjahr. Krise in der Luftfahrtindustrie?

          Nicht jedenfalls für die Billigflieger. Während die traditionellen Gesellschaften mit Schwierigkeiten bis zum Konkurs kämpfen, sehen die „Ohne Schnickschnack“ („No frills“)-Anbieter ungeahnte Chancen. Das Konzept existiert mittlerweile seit über fünfzehn Jahren. 1985 gründete der Ire Tony Ryan die nach ihm benannte Ryanair. Seine erste Maschine hatte 15 Sitze und flog zwischen dem irischen Waterford und London Gatwick. Die Idee: Flüge zu Billigstpreisen anzubieten, wenn die Passagiere bereit wären, auf die üblichen Luxusattribute des Fliegens wie ein Dreigängemenü, Drinks oder kostenlose Zeitschriften zu verzichten.

          Billigflieger im Aufwind

          Das Vorbild war die amerikanische Southwest, wo Piloten nach beendetem Flug sogar die Flugzeuge zu putzen hatten, um Personal zu sparen. So weit gehen die mittlerweile drei britischen Billigflieger, Ryanair, EasyJet und Go nicht. Doch gegenüber den alteingesessenen Gesellschaften haben sie manches Sparpotential entdeckt. Da ist zunächst das Personal. „Fluggesellschaften wie British Airways haben im Laufe ihrer Geschichte eine ganze Reihe von Funktionen eingerichtet, die nicht unbedingt immer nötig sind“, erläutert Chris Tarry, Analyst bei der Commerzbank in London. Die Billiggesellschaften wurden dagegen von vornherein mit knappstem Personalbedarf gegründet. Auf jeden Fall kann das Crewmitglied eingespart werden, das Drinks und Speisen serviert. Billigflieger verkaufen zudem ihre Tickets ohne den Umweg über Reiseagenturen, oft auch über das Internet.

          Weniger Personal, mehr Online

          Bei Easyjet laufen mittlerweile rund 90 Prozent der Buchungen online. Zudem gibt es weder Platzreservierungen noch Vielflieger-Punkte. Kosten sparen EasyJet, Ryanair und Go zudem bei den Flughafengebühren. Vor allem Ryanair fliegt bislang nur abseits gelegene Flughägfen mit geringen Landegebühren an. In Einzelfällen wird die Fluggesellschaft sogar ihrerseits dafür bezahlt, dass sie einen Flughafen in ihr Programm mit aufnimmt und damit den Tourismus der Region fördert. Zwischen den Flügen schließlich verbringen die Maschinen der Billigflieger nur rund 25 Minuten auf dem Asphalt. Bei den großen Gesellschaften wie British Airways oder Lufthansa vergeht dagegen oft eine Stunde, bevor das Flugzeug wieder startet. Hinzu kommt, dass die Billiganbieter wirtschaftlicher fliegen können, weil ihre Flugzeuge besser ausgelastet sind. Bei EasyJet und Ryanair lag die Auslastung zuletzt über 80 Prozent. Bei British Airways dagegen nur etwas über 60 Prozent.

          Bessere Auslastung

          Nach Branchenschätzungen erreicht die Nettogewinnmarge bei den großen Fluglinien nur rund ein Prozent, während sie bei den „No frills“-Fliegern auf etwa zehn Prozent klettern kann. Die zeit der Billiggesellschaften scheint zudem gerade erst gbegonnen zu haben. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Auf Grund seiner Dumpingangebote - manche Flüge wurden für gerade mal ein Pfund (3,18 DM) angeboten - konnte Ryanair in den sechs Monaten bis zum 30. September 37 Prozent mehr Passagiere begrüßen. Bei EasyJet stieg die Passagierzahl im Geschäftsjahr 2001 um 26 Prozent. British Airways dagegen verlor im September 22 Prozent seiner Kunden, im Oktober sogar knapp 25 Prozent. BA wird zudem bis zum kommenden März 7.200 Angestellte entlassen.

          Easy-Jet stellt ein, andere feuern

          EasyJet dagegen stellt ein. Manche der neu angeheuerten Piloten können sogar noch gar nicht eingesetzt werden - einen Luxus, den sich die Gesellschaft leistet, um dem erwarteten Wachstum nicht im Weg zu stehen. EasyJet hat zudem den Ehrgeiz, immer mehr Flughäfen anzufliegen, die auch für Geschäftskunden interessant sind. In dem maße, in dem die großen Gesellschaften ihre Plätze nach dem 11. September aus Kostengründen aufgeben, hofft die in Luton ansässige Gesellschaft, einspringen zu können. Bereits jetzt befördert sie nach eigenen Angaben 60 Prozent sparwillige Geschäftsreisende.

          Der Angriff auf British Airways und Konsorten ist freilich nicht ohne Risiko. „Die Flughafengebühren für attraktive Plätze werden die Kosten auch für EasyJet in die Höhe treiben“, warnt Analyst Tarry. Tatsächlich weist EasyJets glänzende Jahresbilanz auch aus, dass die Kosten rascher gestiegen sund als der Umsatz. Das allerdings, beruhigte der Vorstandsvorsitzende Ray Webster, läge allein an den Sonderausgaben für das rasche Wachstum.

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