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Luftfahrt- und Rüstungskonzern : Frankreich will bei EADS-BAE mitbestimmen

  • Aktualisiert am

François Hollande Bild: AFP

Frankreich und Deutschland wollen bei einer Fusion der Konzerne EADS und BAE Systems ihren Einfluss sichern. Frankreichs Staatspräsident François Hollande prescht nun vor: Gemeinsam mit Deutschland könne man eine Sperrminorität in dem nach einer Fusion weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern aufbauen.

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          Die geplante Fusion der beiden Luftfahrt- und Verteidigungskonzerne EADS und BAE Systems wird weiter vom Machtstreben der beteiligten Regierungen Frankreich und Deutschland überschattet. Sowohl Frankreich als auch Deutschland wollen in dem neuen Unternehmen mitbestimmen. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als der amerikanische Konkurrent Boeing.

          Frankreichs Staatspräsident François Hollande will einem Zeitungsbericht zufolge mit der deutschen Regierung eine Sperrminorität aufbauen. Beide Regierungen sollen dann gemeinsam zwei Verwaltungsratssitze besetzen, berichtet die Financial Times Deutschland und beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

          Mit einem Kapitalanteil von zusammen über 25 Prozent hätten die beiden Staaten in dem von EADS-Chef Thomas Enders geforderten privatisierten Großkonzern eine Blockademöglichkeit. Der Vorschlag stößt laut Zeitung deshalb auf strikte Ablehnung der Briten. Zudem sei offen, ob sich Deutschland überhaupt der Idee anschließt. Das Vorhaben könnte somit die angestrebte Fusion platzen lassen, hieß es aus Industriekreisen.

          Hinter der Idee von Hollande stehe die Überlegung, durch die Aktienstimmen eine latente Drohposition gegenüber dem Vorstand aufzubauen zu können, schreibt die Zeitung. Demgegenüber sollten die Regierungen nach dem bisher vorgeschlagenen Modell nur eine goldene Aktie erhalten. Eine Mitsprache im Unternehmen wäre damit nicht möglich. Die Regierungen könnten lediglich eine feindlichen Übernahme von EADS-BAE Systems verhindern.

          Der Vorschlag von Hollande setze eine Bündelung der Kapital- und Stimmrechte der EADS-Gründungsaktionäre voraus. Deutschland und Frankreich kommen aktuell auf je 22,5 Prozent. Nach einer Fusion mit BAE würden die beiden Länder je 13,5 Prozent oder zusammen eine Sperrminorität von 27 Prozent am neu entstandenen Rüstungskonzern halten. Damit die Anteile in Staatshände kommen, müssten der Medienunternehmer Arnaud Lagardère und Daimler ihre Aktien verkaufen. In Deutschland müsste die staatliche KfW-Bank alle bei Daimler und die beim Bankenkonsortium Dedalus geparkten EADS-Aktien kaufen. Der aktuelle Wert dieser Anteile liege grob bei 4,6 Milliarden Euro.

          Bundesregierung besteht weiter auf einer Machtbalance

          Einen solchen Aktienaufkauf schließt die Bundesregierung offenbar nicht aus. Sollte Frankreich nicht bereit sein, seine EADS-Anteile zu verkaufen, halte die Bundesregierung ihrerseits die Übernahme von Anteilen für denkbar, schreibt die Zeitung Die Welt unter Berufung auf Regierungskreise. Die Idee sei Bestandteil eines Forderungskatalogs, den die Deutschen der französischen Regierung übergeben wollten. Die Bundesregierung bestehe weiter auf einer Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich in dem neuen Unternehmen. Dazu sollten die deutsche und die französische Regierung in gleichem Maße an dem neuen Konzern beteiligt sein.

          Der Aktienaufkauf würde aber mit einer Bedingung kollidieren, die EADS, BAE und die britische Regierung gestellt haben: Sie verlangen, dass der Staatsanteil am fusionierten Konzern auf jeden Fall unter zehn Prozent liegt. Somit stellt der Forderungskatalog der Bundesregierung eine Hürde für die Fusion dar.

          Deutschland verlangt laut der Zeitung zudem, dass es eine Gleichberechtigung der Konzernzentralen geben müsse, um die deutschen Standortinteressen zu wahren. Hauptsitze von EADS waren bisher München und Paris. Allerdings soll die EADS-Zentrale nach Toulouse ziehen, wo das Tochterunternehmen Airbus sitzt. Bei einer Fusion könnte die Militarsparte dann in Großbritannien bei BAE angesiedelt werden. Eine solche britisch-französische Aufteilung lehne man in Berlin aber ab.

          EADS hält sich mit Kommentaren zu den aktuellen Diskussionen in der Politik zurück. „Der Ball ist im Feld der Regierungen. Wir warten jetzt auf deren Vorstellungen. Dann werden wir entscheiden, ob die Vorstellungen der Regierungen eine unternehmerisch sinnvolle Fusion erlauben oder nicht“, sagte ein EADS-Sprecher. Die aktuellen Informationen der Zeitungen wollte er gegenüber Dow Jones Newswires nicht kommentieren. Bei der Bundesregierung und der französischen Regierung war kurzfristig niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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