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Luftfahrt : Staat unterstützt deutsche Flieger

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Versicherer entziehen Schutz Bild: dpa

Den Fluggesellschaften wurden die Haftpflichtdeckungen für Krieg und Terror gekündigt. Die Bundesregierung will für die deutschen Flugzeuge das Risiko übernehmen.

          Die Versicherungen haben den Fluggesellschaften die Haftpflichtdeckungen für Krieg und Terror gekündigt. Nach Ablauf der Kündigungsfrist von einer Woche werden solche Schäden nicht mehr gedeckt. In ganz Europa verhandeln Fluggesellschaften, Versicherungskonzerne und Regierungen, um den kompletten Stopp des internationalen Luftverkehrs abzuwenden. Die Bundesregierung hat jetzt zugesagt, für die deutschen Flugzeuge die Gewährleistung zu übernehmen.

          Bis zum Abschluss neuer Versicherungsverträge will die Bundesregierung für deutsche Flugzeuge bei dem Risiko “Krieg und Terrorismus“ einstehen. Wie das Bundesfinanzministerium am Freitag weiter mitteilte, wird angestrebt, eine gemeinsame Position auf europäischer Ebene zwischen Staats- und Regierungschefs abzustimmen. Über die genauen Modalitäten wie die Entgeltzahlungen würden kurzfristig Gespräche unter anderem mit den betroffenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig hatte zuvor Finanzminister Hans Eichel eine Übernahme der Luftverkehrsrisiken bei Krieg und Terrorismus bis zur Grenze von 20 Milliarden Dollar empfohlen.

          Das Verhalten der Versicherungswirtschaft sei aus Sicht der Luftfahrtindustrie äußerst befremdend, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Lufthansa habe Verständnis dafür, dass die Versicherungswirtschaft vor dramatischen Konsequenzen nach den Terroranschlägen gestellt werde. Es könne jedoch nicht angehen, dass diese Konsequenzen auf die Luftfahrtgesellschaften abgewälzt würden.

          Lufthansa rechnet mit normalem Flugbetrieb

          Die nun zur Diskussion stehenden Klauseln in den Verträgen (Krieg/Terror) seien jedoch mit äußerst kurzer Frist gekündigt worden. Dankenswerter Weise habe die Bundesregierung nun die Dialogführerschaft übernommen, um den Konflikt politisch zu lösen. Lufthansa geht davon aus, dass dies kurzfristig gelingen wird und der Flugbetrieb auch in der kommenden Woche normal laufen wird. Die ersten Verträge laufen, so ist zu hören, am Montag, dem 24. September, ab.

          Sollte es nicht zu einem völligen Flugstopp kommen, geht die Lufthansa davon aus, dass sie als eine der wenigen Fluggesellschaften überhaupt in diesem Jahr ein positives operatives Ergebnis einfliegen wird. Allerdings bezeichnete Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley das laufende Jahr aufgrund der Terroranschläge finanziell als „ein verlorenes Jahr“. Im Gespräch mit der F.A.Z. bezifferte er den durch vier Tage gestörten Flugverkehr entstandenen Ergebnisausfall mit mindestens 125 Millionen Euro (siehe Link: „Lesen Sie dazu aus der Frankfurter Allgemeinen“). Umso wichtiger für die Kranichlinie, dass es jetzt nicht aufgrund von Versicherungsstreitereien zu erneuten Störungen im Flugverkehr kommt.

          Fluglinien überrascht

          Die Absenkung der Deckungssummen für Schadenfälle habe die Branche völlig überrascht und betreffe nicht nur Deutschland, sagte der Generalsekretär des Board of Airline Representatives in Germany e.V. (BARIG), Martin Gaebges. Der in Frankfurt am Main ansässige Verband repräsentiert 106 Linien, Fracht- und Ferienfluggesellschaften im In- und Ausland, darunter die Deutsche Lufthansa AG und alle anderen großen deutschen Linien.

          EU-Finanzminister beraten über Situation der Fluglinien

          Die EU-Finanzminister werden voraussichtlich an diesem Samstag beschließen, für das zusätzliche Risiko Terrorismus und Krieg eine auf einen Monat befristete Staatsgarantie zu geben. Das sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel am Freitag in Lüttich am Rande eines Treffens mit seinen EU-Amtskollegen.

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