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Luftfahrt : Ryanair macht Wind gegen Lufthansa

  • -Aktualisiert am

Vom Hunsrück aus will Ryanair den deutschen Markt erobern Bild: airport hahn

Wegen „schmutziger Tricks“ beschwert sich der Billigflieger Ryanair in Brüssel über die Lufthansa. Doch dahinter steckt viel heiße Luft.

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          Mit einer Beschwerde bei der Europäischen Kommission rückt der irische Billigflieger Ryanair gegen die Lufthansa vor. Mit „schmutzigen Tricks“ versuche Lufthansa, den fairen Wettbewerb im deutschen Luftfahrtsektor zu unterbinden, beklagt sich Ryanair-Chef Michael O'Leary. Die Europäische Kommission ordnet die Attacke der Iren in erster Linie als Medien-Gag ein.

          Ryanair habe in einem Schreiben an den EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und die EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio um Intervention gebeten, weil sich die Iren vom deutschen Konkurrenten bedrängt fühlten, hieß es von der irischen Fluggesellschaft. In einem offenen Brief beanstandete Ryanair-Chef O'Leary, dass Lufthansa Werbeanzeigen für Angebote des Billigfliegers habe gerichtlich untersagen lassen. Ryanair hatte in Anzeigen die Tarife für Flüge ab dem Flughafen Hahn mit denen der Lufthansa ab Frankfurt/Main verglichen. „Es gibt keinen Zweifel, dass Lufthansa Angst vor Ryanair in Deutschland hat“, schrieb O'Leary. Die Preise der Lufthansa in Deutschland seien lächerlich hoch.

          EU hat ihre Zweifel

          Bei der Europäischen Kommission ist die Beschwerde der irischen Fluggesellschaft jedoch noch nicht offiziell eingegangen. Ob Brüssel ohnehin der richtige Ort sei, um die Zwistigkeiten beizulegen, bezweifelte der zuständige Sprecher der Kommission. „Hier geht es vor allem um vergleichende Werbung, wozu es auf EU-Ebene keine Bestimmungen gibt“, sagte Gilles Gantelet gegenüber FAZ.NET. „Ryanair will damit nur Wind machen. Die Beschwerde ist eher für die Medien gedacht“, so der Sprecher.

          Die Lufthansa hat die Vorwürfe von Ryanair mit Nachdruck zurückgewiesen. Die bereits vor dem Landgericht Köln erwirkte einstweilige Verfügung beweise, dass das Gericht den Standpunkt der Lufthansa teile, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Zudem behalte sich die Lufthansa vor, sich weiterhin gegen irreführende Werbung und falsche Behauptungen des irischen Fluganbieters zu wehren.

          Rüge für Ryanair in Großbritannien

          Die britische Werbeaufsicht hat Ryanair unterdessen wegen irreführender Werbung gerügt. Nach Ansicht der Advertising Standards Authority (ASA) verstieß das Unternehmen sowohl mit einer Zeitungsanzeige als auch mit einer E-Mail-Werbung gegen den verbindlichen Branchenkodex. Ryanair hatte für billige Flüge mit dem Slogan „Jeder Platz auf jedem Flug“ geworben und nur im Kleingedruckten am unteren Rand der Zeitungsseite hinzugefügt, dass die Preise nur an bestimmten Tagen gelten.

          Hohe Ziele auf dem deutschen Markt

          Erst kürzlich hatten die Iren bekannt gegeben, dass sie sich im kommenden Jahr ganz auf den deutschen Markt konzentrieren und der Lufthansa Konkurrenz machen wollen. Ab 2003 will Ryanair nach eigenen Angaben auch innerdeutsche Strecken bedienen und das Streckennetz ausweiten. Derzeit fliegen die Iren in Deutschland ab Hahn im Hunsrück und ab Lübeck. Den Flughafen Hahn erweitert Ryanair momentan zu ihrem zweiten kontinentalen Drehkreuz nach Charleroi. Ab März sollen im Hunsrück täglich 30 Flüge in zehn europäische Städte starten. „Dank Ryanair und dem Flughafen Hahn ist die Ära des Hochpreis-Monopols der Lufthansa auf dem deutschen Markt vorbei“, hatte Ryanair-Chef O'Leary zum Flughafenausbau verkündet.

          Nettogewinn in Sicht

          Seit ihrer Gründung 1985 hat sich die irische Gesellschaft zum erfolgreichsten europäischen Billigflieger entwickelt. Den Abschwung, der Fluggesellschaften weltweit nach den Anschlägen vom 11. September erfasste, nutzte Ryanair für Sonderaktionen und Werbekampagnen. So kostete ein Flug von Hahn nach London-Stansted zeitweise 29 Mark - inklusive Steuern und Gebühren. Die Strategie der Billigheimer scheint sich weiter durchzusetzen: Für das am 31. März endende Geschäftsjahr erwartet Ryanair einen Nettogewinn von 130 Millionen Euro. 9,5 Millionen Passagiere flogen im vergangenen Jahr mit Ryanair und verzichteten dafür auf Mahlzeiten oder Zeitungen an Bord. „No frills“- keine Kinkerlitzchen, heißt das Motto bei den Iren.

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