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Luftfahrt in der Pandemie : Die letzten Flieger

Leere Hallen: Deutschlands größter Flughafen drosselt den Betrieb. Bild: EPA

Der Luftverkehr ist eingebrochen. Dennoch zählt der Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt noch fast 120.000 Passagiere in einer Woche. Wer fliegt noch in Coronazeiten?

          2 Min.

          Die großen Hallen wirken nahezu verwaist. Doch 118.965 Passagiere zählte der Flughafenbetreiber Fraport in der vergangenen Woche noch am Frankfurter Flughafen, wie der Konzern nun mitteilte. Innerhalb von sieben Tagen waren das deutlich weniger als im Vorjahr an nur einem Tag. Im März 2019 hatte Fraport noch fast 5,6 Millionen Reisende in seinen Frankfurter Terminals registriert – das waren im Durchschnitt rund 180.000 am Tag. Doch zum Erliegen gekommen ist der Verkehr nicht – noch nicht.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          118.965, die auch in Zeiten der Corona-Krise noch von und nach Frankfurt fliegen. Auf Nachfrage erläutert Fraport, dass die laufenden Rückholaktionen für Urlauber und Geschäftsleute im Ausland für Betrieb sorgen. Zehntausende sind also auf ihrer letzten Reise, bevor ihre persönliche Corona-Flugpause beginnt. Als es in der vergangenen Woche Meldungen über zeitweises Gedränge in Flughafengebäuden kursierten, ging es nur um den Bereich für Ankommende. Auf der Abflugetage ist es leer.

          Wie sich die knapp 119.000 Passagiere auf landende und startende Flüge verteilen, wird Fraport erst veröffentlichen, wenn der März komplett ausgewertet ist. Doch die meisten deutschen Unternehmen haben Geschäftsreisen seit Wochen gestoppt. Vor zwei Wochen sprach das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für alle Urlaubstouren ins Ausland aus. Wer nun in Frankfurt noch startet, dürfte ein sehr dringendes Anliegen haben.

          Zahlen werden sich wohl nochmal halbieren

          Dazu kommen laut Fraport Rückkehrer, die von Deutschland aus in ihre Heimat aufbrechen. Bundesbürger dürften in zahlreiche andere Staaten ohnehin nicht einreisen, weil Behörden dort vorübergehend Verbote ausgesprochen haben. Die Lufthansa hält für diese Reisenden drei Interkontinentalflüge am Tag aufrecht. Außerdem heben an diesem Dienstag laut Abflugtafel unter anderem Air Canada nach Montreal, Cathay Pacific nach Hongkong und Air India nach Mumbai ab.

          Die große Ruhe steht erst noch bevor, wenn alle Rückkehrer am Ziel angekommen sind. Der Flughafenverband ADV meldete am Dienstag, „dass es im Monat April zum größten Einbruch der Passagierzahlen seit Beginn der zivilen Luftfahrt kommt“. Auch der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte hatte im Interview mit der F.A.Z. einen Passagierrückgang um mindestens 95 Prozent und mehr angekündigt. Das bedeutet, dass aktuelle Aufkommen wird sich nochmal mehr als halbieren.

          Flugzeuge auf ungewohnten Kursen

          Schon jetzt meldet das Auswärtige Amt, dass für zahlreiche Urlaubsländer die Rückholungen weitgehend abgeschlossen sind. Von Zielen wie Hurghada in Ägypten oder den Kanarischen Insel waren zwar Zehntausende abzuholen, dort verfügen Reiseunternehmen aber über Service-Büros vor Ort, um die Heimkehr der vielen zu organisieren. Nun geht es um die in aller Welt versprengten Deutschen. Condor fliegt deshalb beispielsweise für das Auswärtige Amt nun Orte an, die in normalen Zeiten gar nicht im Flugplan der deutschen Gesellschaft stehen – darunter Bali in Indonesien, Nicaragua und Australien. 

          Deutsche Flughäfen werden offen gehalten für diese Sonder- und Notflüge. Anders als in anderen Ländern hat hierzulande noch kein Flughafen komplett geschlossen, damit Deutsche heimkehren können. Angesichts der Kosten dafür, denen kaum Einnahmen gegenüberstehen, spricht der Flughafenverband ADV von  „betriebswirtschaftlichen Desaster“.

          Fraport will zwar versuchen, ohne Staatshilfe auszukommen, auf die eingeführten Hilfsprogramme könnte der Konzern mit dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt als Großaktionären nicht zurückgreifen. Überbrückungshilfen der KfW-Bank stehen nur Unternehmen zur Verfügung, die sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden. „Hier muss die Politik dringend nachjustieren“, fordert der Flughafenverband. Während in Frankfurt der Verkehr mit Frachtflügen nur um ein Viertel eingebrochen ist, fehlt dieses Geschäft anderswo komplett.

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