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„Wir können Luftverkehr“ : Luftfahrt-Gipfel beschließt 25 Maßnahmen gegen Flugchaos

  • Aktualisiert am

Träumt Verkehrsminister Andreas Scheuer hier von einer Lösung für das deutsche Flugchaos? Bild: dpa

Im Sommer herrschte Chaos über den Wolken. Der Luftfahrtgipfel will mit 25 Maßnahmen für Ordnung sorgen. Alle beteiligten Akteure sollen ihren Beitrag leisten – und Fluglotsen freiwillige Überstunden machen.

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          Mehr Fluglotsen, raschere Passagierkontrollen, dazu „Autobahnen der Lüfte“: Auf dem Luftfahrt-Gipfel in Hamburg haben Wirtschaft und Politik am Freitag Maßnahmen beschlossen, um Verspätungen und Flugausfälle zu verringern.

          Eine Situation wie in diesem Sommer dürfe sich nicht wiederholen, betonte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Ich werde es nicht akzeptieren, dass es nochmals zu einer derartigen Anhäufung von technischen Problemen, Verspätungen und Abfertigungsproblemen kommt.“

          Scheuer: „Wir können Luftverkehr“

          Während der Hauptreisezeiten in diesem Jahr gab es im Flugverkehr in Europa ungewöhnlich viele Störungen. Nach Daten der europäischen Luftfahrtbehörde Eurocontrol waren mehr als sechs Prozent aller Flüge über eine Stunde verspätet, die durschschnittliche Verspätung stieg auf ungefähr 17 Minuten. Das lag vor allem an Streiks, Engpässen in der Flugsicherung, aber auch an Planungsfehlern der Airlines. Dazu kommen langfristige Probleme wie steigende Fluggastzahlen insgesamt und Extrem-Wetterlagen, sagte Scheuer in Hamburg.

          In Deutschland war die Lage besonders angespannt in der ersten Urlaubssaison nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin. Denn in sehr kurzer Zeit übernahmen andere Airlines deren Flugzeuge, Personal und Routen. Vor allem die Lufthansa-Billigtochter Eurowings hatte Mühe, ihre Flugpläne einzuhalten, insbesondere auf den Strecken von Düsseldorf und Köln-Bonn zur Ferieninsel Mallorca.

          Die Probleme gestand auch Lufthanse-Chef Carsten Spohr ein: “Wir haben in den vergangenen Monaten als Branche nicht das erbracht, wofür wir stehen wollen.“ Die Engpässe am Himmel und auf den Flughäfen hätten auch wirtschaftlich Spuren bei Deutschlands größter Airline hinterlassen. So seien in den vergangenen Monaten mehr als eine Viertelmilliarde Euro an Kompensationszahlungen an Kunden gezahlt worden. „Wir haben 9000 Tonnen mehr Treibstoff verbraucht, weil wir tiefer fliegen mussten, als es eigentlich technisch optimal gewesen wäre.“

          25 Maßnahmen vereinbart

          Der Luftfahrt-Gipfel habe daher insgesamt 25 Maßnahmen vereinbart. „Wir können Luftverkehr, und das wollen wir unter Beweis stellen“, sagte der Minister. Teilnehmer waren neben Scheuer etwa Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der Chef der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle, sowie der Chef der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte.

          Die Flughäfen sollen laut Abschlusserklärung mehr Flächen für Sicherheitskontrollen bereitstellen, das Personal dafür in Spitzenzeiten verstärken und die „Zuführung der Fluggäste zu allen Kontrollstellen“ optimieren, hieß es.

          Von den Airlines wird erwartet, dass sie ihre Planung verbessern und ihre Maschinen vorausschauend warten. Sie sollen die Möglichkeit mehr nutzen, unbeabsichtigt unbegleitetes Gepäck nicht zu entladen, um das ganze Entladen zu beschleunigen.

          Vor allem aber sollen sie die Passagiere frühzeitig und umfassend über Ausfälle und Verspätungen informieren. Informationen zu Beschwerden, Entschädigung und Schlichtung sollen die Fluggäste übersichtlich online finden können.

          Mehr Fluglotsen und mehr Überstunden

          Die größte Baustelle sind allerdings der mit dem zunehmenden Flugverkehr immer dichtere Luftraum über Europa und die fehlenden Fluglotsen. Eine Reform steht in der Europäischen Union schon lange auf der Agenda. Aufgrund von Uneinigkeiten zwischen den Mitgliedsländern kommt diese Reform nicht voran. Der Bedarf an Lotsen müsste kurzfristiger überprüft werden, die Ausbildung angepasst und auch inhaltlich verändert werden.

          Scheuer sagte dazu: „Wir gehen massiv in die Ausbildung“, wurde alleridngs nicht konkret. Mehr Automatisierung und ein Einsatz der Lotsen über die nationalen Sektoren hinweg sollen zudem Entlastung schaffen. Scheuer will sich für all das auch auf EU-Ebene einsetzen. „Wir brauchen eine gesamteuropäische Lösung“, forderte auch Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

          Bis diese Änderungen greifen, will die Flugsicherung verstärkt niedrige Flughöhen nutzen. Begleiterscheinungen davon sind allerdings höherer Spritverbrauch der Flugzeuge und mehr Lärm. Auch sollen die Fluglotsen mit weniger starren Arbeitszeiten und freiwilligen Überstundenregelungen flexibler eingesetzt werden. Doch darüber müsste eine Einigung mit der Gewerkschaft erzielt werden, wie der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) erklärte.

          Folgetreffen vor März

          Eingeladen zu dem Gipfel hatte Hamburg, das derzeit den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz hat. Der Regierende Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte nach dem Treffen, es werde nicht so sein, „dass wir ab morgen keine Verspätungen mehr haben“. Das Ziel, Verspätungen und Ausfälle zu verringern, könne aber gemeinsam erreicht werden.

          Scheuer kündigte ein Folgetreffen vor dem Sommerflugplan im März kommenden Jahres an. So solle auch das „Monitoring“ verbessert werden – „wir wollen immer wieder nachfragen, wo es hakt, und wo es Verbesserungen gibt“.

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