https://www.faz.net/-gqe-2szp

Luftfahrt : Eine Branche im Sinkflug

  • -Aktualisiert am

Viele bleiben am Boden Bild: dpa

28.000 Entlassungen innerhalb von einer Woche und sinkende Nachfrage in Sicht: die Fluggesellschaften stehen vor schwierigen Zeiten.

          2 Min.

          Innerhalb von einer Woche haben zwei Fluglinien den Betrieb aufgegeben, eine weitere stellt den Konkurs bis Ende des Jahres in Aussicht. Lange vor den Terroranschlägen am vergangenen Dienstag hatten deren harte Zeiten bereits begonnen.

          Die hoch verschuldete australische Ansett genügte den Sicherheitsanforderungen nicht. Unter dem Eindruck der Terroranschlägen gelang des dem Verwalter noch weniger, einen Käufer für Ansett zu finden, als es ohnehin der Fall gewesen wäre. Midways, die zweite Gesellschaft, die am Boden blieb, hatte ihren Konkurs bereits Mitte August angemeldet. Zu schnelle Expansion und die sinkende Nachfrage bei Geschäftsreisenden im Raum Raleigh/Durham, der vor allem von Technologiefirmen dominiert wird, ließen Midways in Trudeln geraten. Auch der für Ende des Jahres drohende Konkurs der belgischen Sabena lässt die Mitarbeiter schon seit längerem um ihre Jobs bangen. Bereits im August protestierten die Beschäftigten gegen die Streichung von 1.600 der 13.000 Stellen.

          Sicherheit gewinnt an Bedeutung

          Die Terroranschläge in den USA verschlechterten für diese Gesellschaften lediglich die Rahmenbedingungen in einer ohnehin schon bedrohten Lage. Weit bedrohlicher für die Luftfahrt ist die absehbare Flugmüdigkeit bei Geschäftsreisenden wie Urlaubern. Auf rund zehn Milliarden Dollar schätzt die IATA (International Airport Transportation Association) die unmittelbaren Belastungen durch die Umsatzausfälle. In welchem Maße auf längere Sicht die Nachfrage zurückgeht, lässt sich noch nicht abschätzen. Die Sicherheit am Flughafen wird zum Kriterium bei der Flugbuchung. Die Kosten dafür werden auf die Fluggesellschaften abgewälzt. Besonders betroffen sind neben den Shuttle-Spezialisten also die Discount-Gesellschaften.

          Fusionsdruck nimmt zu

          28.200 Stellen wollen die amerikanischen Fluglinien nach den Anschlägen abbauen. Allein 11.000 Mitarbeiter müssen bei US Airways gehen - der Gesellschaft, die die Shuttle-Verbindung New York - Washington bedient. Die Strecke ist vorübergehend stillgelegt, die Konkurrenz durch die Schnellzüge der Armtrak ist groß. Der Fusionsdruck bei kleineren Unternehmen nimmt zu. Weitere Entlassungen etwa bei der viertgrößten amerikanischen Fluggesellschaft, Northwestern Airlines, oder bei United Airlines werden erwartet.

          Zu den Stellenkürzungen in diesem Jahr in der Telekommunikationsbranche - Motorola allein kündigte den Abbau von 30.000 Stellen an - oder im IT-Sektor von Cisco bis Intel reihen sich nun die Fluggesellschaften ein. Den Verlust in der Branche prognostizieren die Analysten von Merrill Lynch sie in diesem Jahr auf 6,5 Milliarden Dollar. Damit würde er dreimal so hoch ausfallen wie sie zuvor erwartet hatten.

          Der amerikanischen Wirtschaft wird damit ein enormer Schlag verpasst. Denn nicht nur einer der Schlüsselbranchen sondern die gesamte vertikale Leistungskette ist getroffen. Ein Sprecher von General Electric geht von einem 25-prozentigen Rückgang im Bereich Motoren aus. In den Sog der sinkenden Nachfrage geraten auch die europäischen Fluggesellschaften. Die Gewinnwarnung der niederländischen KLM hat den Auftakt geben. „Die Zukunft der Luftfahrt hat sich am vergangenen Dienstag weltweit geändert“, sagt Keith C. Murphy von Morgan Stanley Dean Witter.

          Weitere Themen

          Russland will wieder zurück nach oben

          FAZ Plus Artikel: Raumfahrt : Russland will wieder zurück nach oben

          Während die Amerikaner privat ins All reisen können, ist von der ruhmreichen russischen Raumfahrt nicht mehr viel übrig – auch hier bekommen sie Sanktionen zu spüren. Um wieder groß zu werden, braucht es Unterstützung vom Nachbarn China.

          Der Promi-Pleitier

          Alfons Schuhbeck : Der Promi-Pleitier

          Starkoch Alfons Schuhbeck muss für sein Imperium Insolvenz anmelden. Corona sei schuld. Doch es ist nicht der erste wirtschaftliche Fehltritt des Unternehmers.

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.