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Luftfahrt : Deutsche BA setzt auf Ryanair-Konzept

  • -Aktualisiert am

British Airways will beim Kunden besser landen Bild: dpa

British Airways-Chef Eddington will bei der Billigkonkurrenz in die Schule gehen. Die Deutsche BA soll gleich mitlernen.

          Am Ende muss es Rod Eddington nun doch einsehen: „Zwei Dinge machen die Billigflieger richtig gut“, räumte der Vorstandsvorsitzende von British Airways (BA) am Dienstag ein. „Vom Verkauf ihrer Tickets und von ihrer Preisstruktur können wir lernen.“ Beide Punkte wird die einstige Staatsgesellschaft in ihren Umstrukturierungsplan aufnehmen. Davon betroffen ist dann nicht nur die Muttergesellschaft in Großbritannien, sondern auch die Deutsche BA.

          Vor allem der irische Billigflieger Ryanair meldete jüngst große Einsparungen, weil Tickets mittlerweile fast ausschließlich über das Internet an den Mann - und die Frau - gebracht werden. Noch vor zwei Jahren liefen achtzig Prozent der Verkäufe über Reiseagenturen - und Ryanair musste, wie die großen Fluggesellschaften immer noch, dafür Provisionen zahlen.

          BA-Vorbild Ryanair

          Der andere Punkt, den Eddington der Billigkonkurrenz abgucken möchte, ist deren Preismanagement nach Angebot und Nachfrage. Wer wirklich billig fliegen will, muss früh buchen. Wer sich erst wenig Tage vor Abflug entscheidet, zahlt bei Ryanair oder EasyJet etwa so viel wie bei BA - oder sogar mehr. Das heißt: Die Billiggesellschaften ermutigen ihre Kunden, frühzeitig zu buchen. Gleichzeitig ist für die Passagiere mit wenigen Mausklicken zu erfahren, welchen Tarif sie zu erwarten haben. Dagegen online buchen bei BA? „Ja, Sie haben Recht, unsere Website taugt nichts“, gab Eddington am Rande des Buffet-Lunchs zu, zu dem die Gesellschaft ausländische Journalisten in eine noble Londoner Brasserie geladen hatte.

          Erste Gehversuche mit Go

          Drittens will BA unprofitable Strecken streichen, auch darin der Mentalität der „No frills“-Anbieter näher als der der traditionellen Ex-Staatsflieger. „Bald“, so Eddington, werde er Details verraten. Vermutlich, so ist aus dem Unternehmen zu hören, Mitte März. Einen Umbau als Billigfluglinie bedeutet das freilich noch nicht. BA schickt sich lediglich an zu tun, was überfällig ist. Seit gut zwanzig Jahren ist Ryanair auf dem Markt, bereits seit Mitte der Siebziger fliegt in den USA Southwest Airlines das Billigmodell erfolgreich vor. Als Eddington jedoch den Chefsessel bei BA übernahm, verkündete er als erstes, der unter seinem Vorgänger Bob Ayling 1997 ins Leben gerufene Billigzweig Go passe nicht ins Konzept.

          Im vergangenen Sommer verkaufte BA den hauseigenen Billigkonkurrenten - wenige Monate, bevor Go verkündete, dass seine Gewinne um gut fünfzig Prozent auf 17 Millionen Pfund gestiegen waren. „Die Entscheidung sagt wahrscheinlich mehr über ihn selbst als über irgend etwas sonst“, kommentiert Go-Chefin Barbara Cassani heute trocken. „Es zeigt einfach, dass er damals nicht so sehr an Innovationen interessiert war.“ Das scheint sich mittlerweile geändert zu haben. Allein, so recht zugeben mag es Eddington immer noch nicht. Es sei richtig gewesen, Go zu verkaufen, beharrte er bei Gemüsedipp und Wein in der Londoner Brasserie. „Die großen Gesellschaften müssen ihr eigenes Haus in Ordnung bringen. Go war eine Ablenkung.“

          Deutsche BA in Wartestellung

          Auch Cassani ist im übrigen froh über den Lauf der Dinge: „Unter BA hätten wir niemals so wachsen können, wie wir gewachsen sind.“ Bei der Deutschen BA dürfte man mit mehr als wachem Interesse die Entwicklung studieren. Denn wenn die deutsche Tochter erst einmal mit neuer Preisstruktur, Internetverkauf und weniger Strecken zum Start gegen die Billigkonkurrenz neu gerüstet ist, so soll offenbar auch über einen Verkauf neu nachgedacht werden. Im vergangenen Sommer hätten die Gespräche mit der Germania nirgendwohin geführt, der Preis habe einfach nicht gestimmt, heißt es jetzt bei BA. „Vorläufig“, so ein Sprecher weiter, werde auch nicht über einen Verkauf nachgedacht. Das aber heißt: Er ist in Zukunft keineswegs ausgeschlossen.

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