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Luftfahrt : Der A 380 sichert bis zu 40.000 Arbeitsplätze

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das größte Passagierflugzeug der Welt hat nicht nur erstaunliche Ausmaße. Neue Werkstoffe, Verfahren und Techniken wurden entwickelt oder von der Militärtechnik übernommen. Und, Arbeitsplätze wurden geschaffen.

          3 Min.

          Der neue Airbus sichert in Deutschland bis zu 40 000 Arbeitsplätze. Davon ist der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Hans-Joachim Gante, überzeugt.

          Das größte Passagierflugzeug der Welt hat nicht nur erstaunliche Ausmaße. Neue Werkstoffe, Verfahren und Techniken wurden entwickelt oder von der Militärtechnik übernommen, wie beispielsweise der Werkstoff "Glare", aus dem die obere Rumpfschale des A 380 gefertigt ist - ein Sandwich aus drei hauchdünnen Aluminiumlagen, verbunden mit einem glasfaserverstärkten Metallkleber. Leitwerkkasten, Ruder und Höhenflosse bestehen aus äußerst leichten, aber extrem festen Kohlefaser-Verbundwerkstoffen.

          Neue Wege auch bei der Innenausstattung

          Der neue Riesenvogel ist zudem mit Hochdruckaggregaten ausgestattet, wie sie bisher nur in Militärjets eingebaut wurden. Doch auch bei der Innenausstattung sind die Airbus-Bauer neue Wege gegangen. Ob es sich dabei nun um Fluggastinformationen, Lautsprechersysteme oder die Rohrleitungen für die 17 an Bord befindlichen Toiletten handelt. Die Dasell GmbH beispielsweise, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und der englischen Britax, hat in Hamburg die Zufluß- und Abflußsysteme für die Toiletten in Originalgröße nachgebaut, mit denen die Bewegungen des Riesenvogels, seine Kurven- und Sinkflüge, simuliert werden. Fast 700 Mitarbeiter beschäftigt Dasell bereits in Hamburg. Weitere werden dringend benötigt.

          Einen großen Wachstumsschub für sein Unternehmen erwartet Wolfgang Rücker für seine Rücker AG. Die börsennotierte Wiesbadener Gesellschaft ist eines der führenden Konstruktionsbüros für Automobile. Vor zehn Jahren ist man auch in die Flugzeugkonstruktion eingestiegen. Seit der Entscheidung für den Bau des A 380 hat sich Rücker intensiv um Aufträge für seine Tochtergesellschaft Rücker Aerospace GmbH bemüht. In diesen Tagen konnte mit der Airbus Deutschland GmbH, Hamburg, ein Rahmenvertrag abgeschlossen werden, der umfangreiche Entwicklungsarbeiten umfaßt und auch für den Bau des neuen Großraumflugzeuges Airbus A 380 gilt.

          500 Ingenieure auf mehrere Jahre hinaus beschäftigt

          Danach wird Rücker die Kabineninnenausstattungen planen und die Verkabelung im Airbus. "Mit diesen Airbus-Aufträgen sind wir unserem Ziel, uns mit unseren Design- und Konstruktionsleistungen in der internationalen Luftfahrtindustrie nachhaltig zu profilieren und damit in diesem Geschäftsfeld deutlich zu wachsen, einen großen Schritt näher gekommen", sagt Mehrheitsgesellschafter Rücker.

          Die Airbusaufträge beschäftigen bei Rücker auf mehrere jahre hinaus 500 Ingenieure, von denen 200 noch bis Jahresende eingestellt werden sollen. Hier werden also neue Dauerarbeitsplätze geschaffen. Rücker beschäftigt insgesamt 2000 Ingenieure und hat im Geschäftsjahr 2003 knapp 150 Millionen Euro umgesetzt.

          Zulieferer aus aller Herren Länder

          Zum Kern der Zulieferanten zählt Airbus 44 Unternehmen. Aus Frankreich kommen Ober- und Hauptdeck des vorderen Rumpfes sowie das Cockpit, aus Deutschland der hintere und vordere Teil des Rumpfes sowie wesentliche Teile der Innenausstattung. Aus Großbritannien die Flügel, aus Spanien Höhenruder und Ruderteile für das Höhenleitwerk sowie die Metallteile der hinteren Rumpfsektion. Kleinere Einheiten kommen aus anderen Ländern bis hin zu Australien, das die Flügelspitzen liefert. Die "Glare"-Rumpfhautfelder kommen aus den Niederlanden, die Querträger aus Kohlefaser-Verbundstoffen aus Deutschland, die vier mächtigen Triebwerke werden entweder von Rolls-Royce aus England oder von GP (General Electric/Pratt & Whitney) zugeliefert.

          In Hamburg rund 100 Zulieferer zusammengeschlossen

          Weitere Lieferanten tragen zur Verfeinerung der Systemarchitektur bei. Sie wurden auf Grundlage freier Ausschreibungen für die globale Beschaffung ausgewählt. Dazu zählen Anlagen zur Sauerstoff- und Stromerzeugung, zur Kühlung, zur Wasserzu- und -ableitung, ebenso wie Räder, Bremsen, Bugfahrwerke.

          In Hamburg, nach Toulouse zweitwichtigster Standort für die A 380-Fertigung, haben sich 100 kleinere und mittlere Zulieferanten aus Norddeutschland zur Hanse Aerospace zusammengeschlossen. Die Firmen beschäftigen rund 40.000 Mitarbeiter, davon sind 7.000 für den Flugzeugbau und 1.800 unmittelbar für den A 380 tätig. Deren Zahl steige ständig, sagt Uwe Gröning, Geschäftsführender Vorstand dieser Vereinigung und mit seiner Innovint GmbH selbst als Zulieferant tätig.

          Gröning, ein ehemaliger Airbus-Ingenieur, der sich 1980 selbständig gemacht hatte, liefert Teile der Notausrüstung, Rollstühle und Kindersitze und vieles, "was die Kabine hübscher macht". Auch die Albert Mühlenberg Apparatebau wächst mit der A 380. Derzeit werden 150 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 40 werden benötigt, weil man hofft, viele der Riesenvögel mit Trennwänden und Bordküchen auszustatten.

          Ein eigener „Airbus Technologie Park“ bei Hamburg

          Auf der Rüsch-Halbinsel, die sich unmittelbar an das Airbus-Werk im Hamburger Stadtteil Finkenwerder anschließt, ist ein "Airbus Technologie Park" entstanden, wo bereits jetzt 700 Mitarbeiter unterschiedlicher Firmen tätig sind. Hier und an anderen norddeutschen Standorten sind allein 30 Ingenieurfirmen tätig, neben Rücker auch die in Buxtehude ansässige Lühmann Ingenieur AG oder das Kieler Designbüro Müller/Romca, das bereits für das ungleich kleinere Modell A 340 den gesamten Waschraum von der Toilette bis zum Kleiderhaken neu gestaltet hatte.

          Der Nürnberger Rüstungs- und Industriekonzern Diehl ist mit Ausrüstungen im Wert von 1,3 Millionen Dollar an jedem Airbus A 380 beteiligt. Das Unternehmen liefert unter anderem Systeme mit Computern, die über Sensoren und Stellelementen Daten aufnehmen und weitergeben, zum Beispiel an Motoren. Damit werden unter anderem Klappen in den Flügeln gesteuert, um beim Start den Auftrieb für das Flugzeug zu erhöhen, wie ein Sprecher von Diehl berichtet.

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