https://www.faz.net/-gqe-37n3

Luftfahrt : Billig fliegen und mehr verdienen

  • -Aktualisiert am

"Ryanair bringt Bewegung in die Flugpreise" - Ein Beitrag des F.A.Z. Business-Radio Bild: dpa

Die Konkurrenz schaut mit Neid auf den profitablen Billigflieger aus Irland. Was macht Ryanair anders als die Lufthansa und British Airways?

          2 Min.

          Das Rezept von Ryanair-Chef Michael O'Leary für das vergangene Jahr ist aufgegangen. Mit einem schmalen Angebot und wenig Zutaten hat er den bisher dicksten Kuchen gebacken. In Zahlen liest sich das so: Im dritten Quartal (per 31. Dezember) plus 35 Prozent beim Gewinn nach Steuern auf 28,8 Millionen: Erwarteter Nettogewinn für das Gesamtjahr: plus 30 Prozent auf über 135 Millionen Euro. Der Ladefaktor, Messgröße für die Auslastung der Flugzeuge, stieg bei Ryanair im dritten Quartal um drei Prozent auf 79 Prozent.

          Die europäische Konkurrenz sieht unterdessen ihre Gewinne dahinschwinden. Bei British Airways, der größten europäischen Airline, stehen 10.000 Jobs auf der Kippe, nachdem die letzten drei Monate des vergangenen Jahres statt eines Gewinns einen Verlust von 187 Millionen Pfund (rund 307,6 Millionen Euro) bescherten. Die Auslastung der Flugzeuge verschlechterte sich um 3,3 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2000 auf 65,2 Prozent. Das liegt leicht unter dem Niveau der Lufthansa im Dezember mit 67,6 Prozent.

          Das Erfolgsrezept der Iren, aus weniger mehr zu machen, sieht in der Gewinn- und Verlustrechnung folgendermaßen aus: Während die Aufwendungen für Personal bei Ryanair unter dem liegen, was jeweils Kerosin, Flughafen- und Ladegebühren - die Hauptfaktoren für Fluggesellschaften - ausmachen, ist es bei British Airways genau umgekehrt. Die Aufwendungen für die 55.000 Mitarbeiter sind höher als die entsprechenden Posten bei British Airways zusammen gerechnet.

          50 neue Flughäfen will Ryanair dazu gewinnen

          Strikter Sparkurs

          Gespart wird bei Ryanair überall: Wer hungrig in einen Ryanair-Flieger steigt, wird es bis zur Landung auch bleiben. Folglich taucht das Catering bei dem Billigflieger nicht einmal als eigener Posten im Zahlenwerk auf. Bei den Aufwendungen für Reparaturen und beim Marketing hat Ryanair den Rotstift angesetzt und im Vergleich zum Vorjahr kräftig eingespart. Grund für die um 55 Prozent niedrigeren Marketingausgaben sind vor allem die Buchungen über Internet. Sie stiegen bis zum 31. Dezember von 78 auf mehr als 90 Prozent.

          Flaute bringt Ryanair Zulauf

          Während viele Fluggesellschaften sich nach dem 11. September um Subventionen bemühten, nutzte Ryanair für sich die "Gunst der Stunde" und warb mit Sonderangeboten, um den einen oder anderen Vorbehalte gegen die Billigflieger abzulegen. 2,7 Millionen Fluggäste, 30 Prozent mehr, konnte Ryanair in diesem Zeitraum gewinnen. Sie nahmen dafür auch Nachteile in Kauf wie schwankende Tarife, abgelegene Flughäfen und problematisches Umsteigen, falls ein Anschlussflug nötig wird.

          Derzeit managt Ryanair 75 Strecken mit einer Flotte von 44 Flugzeugen. Bis zum Jahr 2010 will O'Leary nach und nach den Flugzeugbestand um 100 neue Boeings vom Typ 737 aufstocken. Eine Option für 50 weitere besteht. Um den Auftrag finanzieren zu können, hat Ryanair jetzt angekündigt, 26 Millionen neue Aktien auszugeben.

          Das Wachstum, das Ryanair nach dem 11. September erfahren hat, ließ im dritten Quartal die Kosten um 15 Prozent steigen. Und O'Leary will weiter wachsen und Lufthansa, British Airways und Co. ihre Führungsrollen streitig machen. Dann kann er zeigen, ob sich sein Geschäftsmodell auch im Großen bewährt - und ob er die Kunden halten kann.

          Weitere Themen

          Richter zweifelt an Glyphosat-Vergleich

          Bayer-Aktie sinkt : Richter zweifelt an Glyphosat-Vergleich

          Verursacht der Unkrautvernichter Roundup Krebs? Das soll ein unabhängiges Gremium entscheiden – doch der zuständige Richter zweifelt, ob das rechtlich möglich ist. Damit wackelt ein wichtiger Teil des Bayer-Vergleichs.

          Topmeldungen

          Premierminister Morrison präsentiert Australiens neue Verteidigungspläne

          Neue Sicherheitspolitik : Australien bietet China die Stirn

          Seit 1945 stand Australien in allen Kriegen treu an der Seite Amerikas. Jetzt, wo für Canberra das Problem China immer dringlicher wird, sucht die Regierung neue, zuverlässige Verbündete und rüstet auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.