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Luftfahrt : Air France mit Kratzern durch die Krise

  • -Aktualisiert am

Air France nicht am Boden Bild: AP

Während andere Fluggesellschaften entlassen und rote Zahlen schreiben, steht Air France erstaunlich gut da.

          2 Min.

          Wenn Jean-Cyril Spinetta aus seinem Bürofenster im Pariser Flughafen Charles-de-Gaulles schaut, sieht er Flugzeuge von Air France. Bald könnten es mehr sein. Denn die halbstaatliche französische Linie profitiert mittelfristig von der Krise, die die Luftfahrt seit den Attentaten vom 11. September durchmacht. Das zeigen auch die gerade veröffentlichten Zahlen.

          Spinetta konnte für die Zeit von Juli bis September diesen Jahres ein positives Ergebnis verkünden. Wieviel genau, wird er am 27. November verraten. Immerhin haben die Franzosen jetzt schon veröffentlicht, dass ihr Umsatz um 2,4 Prozent auf 3,21 Milliarden Euro gestiegen ist.

          Kratzer am Lack

          Dennoch ärgert sich Spinetta. "Die Verluste aufgrund des Attentats können auf 150 Millionen Euro geschätzt werden", heißt es in einer Mitteilung. Auch der Frachtverkehr hat zehn Prozent verloren und der Kurs ist seit Jahresbeginn um 44 Prozent gefallen - aber was ist das schon im Vergleich zu anderen?

          Sabena trudelte direkt nach Partner Swissair in die Insolvenz, die portugiesische TAP, polnische Lot oder irische Air Lingus erscheinen als nächste auf der Liste der Sterbenden, während LTU noch verhandelt. Und selbst British Airways, die mit Air France und Lufthansa als Dritte des überlebensfähigen Trios in Europa gilt, hat Probleme. Bei den Briten war allein der Verlust von Frachtflügen - Indikator par excellence - mehr als doppelt so hoch wie auf der anderen Seite des Ärmelkanals.

          Stärkung der eigenen Allianz

          Für die Franzosen teilt sich das Leben ein in die Zeit vor und nach dem Attentat. Vor dem 11. September machten sie dickere Gewinne, genehmigten im März den Piloten die 35-Stunden-Woche und kauften zehn Großflugzeuge A 380 mit einer Kaufoption auf vier Super-Airbusse für bis zu 800 Passagiere. Gleichzeitig bauten die Franzosen das Sky-Team weiter aus, um der Star-Alliance der Lufthansa und British Airways One World ein starkes Bündnis entgegen zu setzen.

          Die Wahl Spinettas fiel dabei zwar auf verschuldete Linien wie Air Italia oder Korean Air. Dennoch gelang es ihm, geschützte Märkte an sich zu binden. Gleichzeitig profitierte der Börsenkurs von den Ausbaumöglichkeiten am Flughafen Charles-de-Gaulles. Mehr noch: Im Kabinett wird laut über einen dritten Flughafen bei Paris nachgedacht.

          Stilllegungen und Modernisierung

          Dann kamen die Anschläge. Drei Tage später nahm die Linie als erste in Europa Flüge in die USA wieder auf. Der Kurs befand sich wie bei vielen Blue Chips im Sinkflug. Doch während andere Airline Tausende entließen, verhängten die Franzosen lediglich einen Einstellungsstopp. Außerdem überprüften sie ihre Investitionen und genehmigten nur noch Sicherheitsinvestitionen. Und sie legten 17 Flugzeuge still. Die Regierung versprach der Linie 360 Millionen Euro Hilfe.

          Derweil spekulierten Analysten, dass am Ende nur Lufthansa, British Airways und eben Air France auf dem europäischen Markt übrig bleiben werden. Das Trio übernimmt Linien und Passagiere und profitiert so von den Insolvenzen. Angeblich interessiert sich Air France schon für die Afrika-Strecken von Sabena.

          Vielleicht bleiben langfristig sogar nur zwei übrig. Diese Woche gab British Airways erstmals seit der Privatisierung 1987 rote Zahlen bekannt - und überraschte damit die Branche. Air France reagierte auf die Krise anders: Die Franzosen ersetzten einige Boeing 747 durch neue Airbus 310 - eine vorgezogene Modernisierung - und nahmen die Linienflüge der Concorde nach New York wieder auf.

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