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Bild: Pier Marco Tacca/Getty

Wechsel im Finanzministerium : Chefvolkswirt geht zur OECD

Ludger Schuknecht stand im Finanzministerium für die Sparpolitik in Europa – und war deshalb auf Kollisionskurs mit der SPD. Nach F.A.Z.-Informationen ist nun ein neuer Job für den Schäuble-Mann gefunden.

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          De Wege von Finanzminister Olaf Scholz und Ludger Schuknecht trennen sich. Der Ökonom wechselt im Herbst zur Industrieländerorganisation OECD, wo er Stellvertreter von Generalsekretär Angel Gurría wird. Der überzeugte Marktwirtschaftler war von Wolfgang Schäuble von der Europäischen Zentralbank ins Finanzministerium geholt worden, wo er ihm als Chefvolkswirt diente.

          Manfred Schäfers
          (mas.), Wirtschaft

          Viele Sozialdemokraten haben sich daran gestört, dass der Wirtschaftswissenschaftler wie auch die übrigen Abteilungsleiter unter dem SPD-Minister weiterarbeiten durfte. Deswegen war spekuliert worden, ob der Schäuble-Mann in gleicher Funktion zur OECD wechseln würde. Doch diese Aufgabe übernimmt nach Informationen der F.A.Z. eine Französin: Laurence Boone, aktuell Chefvolkswirtin beim Versicherungskonzern Axa, einst Beraterin des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande.

          Schuknecht redet gern über Anreize und moralische Versuchungen, also etwas platter formuliert, dass nicht alles, was gut gemeint ins Werk gesetzt wird, am Ende zu guten Ergebnissen führt. Er rühmt Ronald Reagan und Margret Thatcher, weil sie ihre Länder von Fesseln befreiten, an denen ihre Volkswirtschaften zu ersticken drohten. Seine wissenschaftlichen Leuchttürme sind James Buchanan und Friedrich August von Hayek – beides harte Verfechter individueller Freiheitsrechte. Er selbst steht für einen schlanken Staat. Es ist zudem schwer vorstellbar, dass er einen Eurozonen-Haushalt zur Abfederung asymmetrischer Schocks gutheißt. Wenn europäische Gelder in ein Land fließen, das schlecht dasteht, weil es notwendige Reformen versäumt hat, dämpft das die Motivation, das Notwendige rechtzeitig zu tun.

          Der 55 Jahre alte Ökonom steht somit für vieles, was Sozialdemokraten normalerweise nicht hören wollen. Nach dem Abgang von Staatssekretär Thomas Steffen war er zum angefeindeten Symbol geworden. Er stand für die ungeliebte Austeritätspolitik in Europa, die dem Bundesfinanzministerium unter Schäuble nachgesagt wurde. Dass die Krise im Euroraum nicht eine zu geringe Kreditaufnahme durch die Regierungen, sondern eine zu hohe Staatsschuld ausgelöst hat, wird von den Kritikern ausgeblendet. Schuknechts Vertrag läuft in wenigen Wochen ohnehin aus. Eine Verlängerung war schwer vorstellbar. Der Wechsel auf den gut dotierten Posten in Paris ist somit für alle eine schöne Lösung.

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