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Loveparade : Loveparade 2001 ging mit 1,5 Millionen Defizit zu Ende

  • Aktualisiert am

Blick auf die Paradestrecke der größten Openair-Disco der Welt Bild: dpa

800.000 Raver kamen zur Loveparade, darunter 3.700 Einsatzkräfte von Polizei und BGS. 835 Sanitäter versorgten 3.924 Raver. Zahlen über Zahlen.

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          Die diesjährige Loveparade ist mit einem Millionendefizit zu Ende gegangen. Der monatelange Terminstreit bescherte der größten Techno-Party der Welt nicht nur ein Besuchertief, sondern nach Angaben der Veranstalter vom Sonntag in Berlin auch 1,5 Millionen Mark Unterdeckung, da viele Sponsoren wegen des monatelangen Streits um Termin und Charakter abgesagt hatten.

          Die Polizei zählte am Samstag nur 800.000 Besucher, den Veranstaltern zufolge sollen rund eine Million Menschen im Tiergarten getanzt haben.
          Im vergangenen Jahr hatte die Parade noch 1,3 Millionen Fans an die Spree gelockt, im Rekordjahr 1999 waren es sogar 1,5 Millionen gewesen. Wie Loveparade-Sprecher Enric Nitzsche mitteilte, haben die Veranstalter dieses Jahr Kosten von vier Millionen Mark bei nur 2,5 Millionen Mark Einnahmen zu schultern. Das Defizit werde aus Rücklagen der vergangenen Jahre beglichen.

          So international wie nie zuvor

          Nitzsche lobte dennoch die „tolle Stimmung“ auf der diesjährigen Parade. Auf 45 Trucks legten DJs aus 20 Ländern Musik auf. „Damit war die Parade so international wie nie zuvor“, sagte Nitzsche. „Wir sind optimistisch, dass wir mit dem Senat schnell eine vernünftige Lösung finden werden, die alle Beteiligten zufrieden stellt“, sagte der Sprecher. Am Samstag hatte sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dafür ausgesprochen, die Zukunft des Techno-Events in der Hauptstadt zu sichern. „Es ist eine wichtige Veranstaltung, die auch in Berlin bleiben sollte“, sagte Wowereit dem Sender Freies Berlin.

          Auf der traditionellen Abschlusskundgebung bekräftigte DJ Dr. Motte, der „Erfinder“ der Loveparade, seinen Anspruch, eine politische Demostration und kein reines Spaß-Ereignis zu veranstalten. „Wir sind die größte Demonstration für Frieden in der Welt“, sagte er.

          Für das Techno-Event waren 2.000 Beamte der Landespolizei und 1.700 Mitarbeiter des Bundesgrenzschutzes (BGS) im Einsatz. Polizei und
          BGS sprachen am Sonntag von einem „sehr ruhigen Verlauf“. Die Beamten nahmen 180 Raver fest, davon 88 wegen Drogendelikten. Vor
          einem Jahr hatte die Polizei allein 313 Festnahmen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gezählt.

          835 Sanitäter im Einsatz

          Der Malteser Hilfsdienst organisierte anlässlich der Parade den „größten rettungsdienstlichen Einsatz“ in seiner Geschichte. Insgesamt 835 Sanitäter und 40 Ärzte sowie fünf Seelsorger waren vor Ort. In 28 Sanitätsstationen versorgten die Rettungskräfte 3.924 Raver, von ihnen wurden 466 in Klinken gebracht. Ursache waren meist Erschöpfung und Kreislaufprobleme. „Nur etwa zehn Prozent der Hilfesuchenden standen unter Drogeneinwirkung oder hatten zu viel getrunken“, sagte Malteser-Sprecherin Christine Gomolka.

          Die Techno-Fans hinterließen 200 Tonnen Abfall. Das große Aufräumen begann um Mitternacht. Knapp 200 Mitarbeiter und über 100 Fahrzeuge der Stadtreinigung befreiten den Park im Herzen der Hauptstadt vom Müll. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das der
          Raver-Party den Status einer politischen Demonstration aberkannte und sie als kommerzielle Veranstaltung einstufte, müssen sich die
          Organisatoren in diesem Jahr erstmals an der Reinigung des Geländes beteiligen.

          Für die Beseitigung von 200 Tonnen Müll werden 210.000 Mark veranschlagt, 350.000 Mark kosten die Reparaturen der von Ravern verursachten Schäden und 110.000 Mark werden für Logistik wie etwa Absperrungen berechnet.

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