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Lothar Lammers : Der Vater des Lotto-Taumels

  • Aktualisiert am

„6 aus 49” - eine international erfolgreiche Formel Bild: dpa

Der Jackpot ist geknackt, der Lotto-Taumel hat ein Ende. Die richtigen „6 aus 49“, darauf hofften wohl mehr Spieler als je zuvor. „6 aus 49“ - diese alles entscheidende Formel entstand in monatelanger Tüftelei. Lothar Lammers erfand sie vor 52 Jahren - neben dem Studium.

          Der Rekord-Jackpot ist geknackt. Auf mindestens einem Lottoschein sind die 6 Kreuzchen an der richtigen Stelle - inklusive richtiger Superzahl. Ein ganzes Land ist aus dem Häuschen gewesen angesichts des potentiellen Rekordgewinns von 43 Millionen Euro. Die Spieler hatten mehr Geld eingesetzt als je zuvor beim Mittwochslotto. Bereits am Nachmittag kletterte der Einsatz nach Angaben des Deutschen Lotto- und Totoblocks über die 100-Millionen-Euro-Grenze. In den Annahmestellen wurde es zeitweise eng, Spielscheine mussten nachgedruckt werden. Gedanklich hatte schon mancher seine Weltreise gebucht, bevor die Zahlen überhaupt über die Mattscheibe flimmerten.

          Für all die Aufregung zeigt sich Lothar Lammers verantwortlich: Er hat Deutschland den Lotto-Taumel geschenkt. Das ist natürlich nicht ganz richtig, merkt der 81 Jahre alte Geschäftsmann nüchtern an. Genaugenommen hat er zusammen mit dem Mathematiker Peter Weiand, der 1990 gestorben ist, vor 52 Jahren die Spielart „6 aus 49“ erfunden.

          Monatelang tüftelten sie an der Formel

          Dabei lautet die klassische Lottoformel seit knapp 500 Jahren „5 aus 90“, seitdem im Jahr 1519 in Genua aus 90 Wahlfähigen fünf Personen für einen Sitz im Senat ausgelost wurden und auf diese Wahl Wetten liefen. Dass die beiden jungen Männer daraus die berühmten sechs Kreuzchen in den 49 roten Kästchen machten, hatte allein mathematische Gründe: Die Trefferquote aus der Urformel war zu gering, um das Spiel attraktiv zu machen. Schließlich brauchten sie eine Formel, die zur Not auch nur in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 18 Millionen Einwohnern funktionierte. In seinem Studium schrieb Lammers Arbeiten über das finanzielle Aufkommen aus Lotterien und über die Organisation von Lotto-Toto-Gesellschaften.

          Neben dem Studium arbeitete er mit Weiand im Westdeutschen Fußball-Toto. Das gab den Impuls für die Geschäftsidee: Monatelang tüftelten sie an einer Formel, untersuchten Wettsysteme in anderen Ländern. Sie suchten nach einer Kombination, die nicht nur hohe Gewinne bei einem Volltreffer, sondern in den unteren Rängen eine niedrige, aber breite Gewinnstreuung versprach. Gleichzeitig sollten die Spielregeln so einfach sein, dass jeder mitspielen konnte - in einer Zeit, in der alle nur an Fußballwetten dachten.

          „Mit Geld umgehen kann nicht jeder“

          „Die Einfachheit hat viel zum Erfolg beigetragen“, sagt Lammers, der mehr als 30 Jahre Chef der Westdeutschen Lotterie war und inzwischen in Münster und St. Tropez lebt. Der Erfolg war beachtlich: Schon ein Jahr nach der ersten Ziehung am 9. Oktober 1955 knackten sie die Umsatzmarke von einer Million Mark. Der bisherige Rekord lag im September 1994 bei einem Spieleinsatz von rund 176,6 Millionen Euro.

          Die Spielidee funktionierte auch in anderen Ländern: in Asien, Australien, Kanada, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Die Welt Lotto Gesellschaft ehrte ihn 2004 für sein Lebenswerk. Mit den Umsätzen stiegen auch die Gewinne - und die Gefahr abzustürzen. „Mit Geld umgehen“, sagt Lammers trocken, „kann nicht jeder.“ Er entwickelte deshalb eine Beratung für Gewinner. Er selbst macht jedenfalls nur von Zeit zu Zeit seine Kreuzchen. „Ich laufe nicht irgendwelchen Träumen hinterher.“

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