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Londons Skandale : Die Stadt der bösen Banker

Lange Schatten: der Finanzplatz London Bild: REUTERS

Ausgerechnet zu Olympia ist London zum Brennglas für die Missstände im Finanzsektor geworden. Eine Serie von Bankenskandalen erschüttert die City. Flugs haben die Bankenherrscher auf Demut geschaltet.

          Bauern hüteten ihre Schafe im Olympiastadion, Bergleute marschierten mit rußverschmierten Gesichtern ein, Krankenschwestern tanzten. Mediale Exportschlager wie der ewige Beatle Paul McCartney und James Bond hatten ihre Auftritte. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London vor einer Woche war eine Leistungsschau britischer Errungenschaften, von der industriellen Revolution bis zum einst revolutionären Gesundheitsdienst NHS. Ein Berufsstand aber fehlte in der Olympia-Show. Ausgerechnet jener, der das Bild, das sich die Welt von Großbritannien macht, in den vergangenen Jahren geprägt hat, wie kein anderer: Der der Banker.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Aber die einstige Vorzeigebranche ist nicht mehr vorzeigbar. Im olympischen Jahr ist das zweitgrößte Finanzzentrum der Erde ist zur Welthauptstadt der Bankenskandale geworden. Fast alles, was in den vergangenen zwölf Monaten in der Welt des großen Geldes so richtig schiefgegangen ist, hatte in der einen oder anderen Weise mit London zu tun. Es fing an im vergangenen September in der Londoner Niederlassung der UBS. Die Schweizer Bank gab bekannt, einer ihrer Händler dort habe 2,3 Milliarden Dollar mit nicht autorisierten Geschäften verloren. Im Mai dieses Jahres folgte die amerikanische Großbank JP Morgan, eine der ersten Adressen an der New Yorker Wall Street. Auch dort hatte sich ein Händler verzockt. Bis heute hat das den Finanzriesen 5,8 Milliarden Dollar gekostet - und wieder war der Täter ein Mitarbeiter in London.

          Kein Monat ohne neue Horrorgeschichten

          Im Juni folgte der nächste Schlag: Barclays, die führende britische Investmentbank, sorgte dafür, dass heute sehr viel mehr Menschen wissen, was die London Interbank Offered Rate (Libor) ist. Barclays-Händler hatten über Jahre hinweg versucht, den Zinssatz, der zu den wichtigsten im internationalen Kreditgeschäft zählt, zu manipulieren. 290 Millionen Pfund Strafe musste die Bank dafür in den Vereinigten Staaten und Großbritannien bezahlen. Bob Diamond, der Vorstandschef von Barclays, hatte noch im Frühjahr, entgegen aller Kritik, auf einem Jahressalär von mehr als 20 Millionen Pfund beharrt. Nun trat er erst zurück, als der britische Notenbankchef Mervyn King persönlich die Bank dazu aufforderte. Gegen weitere Finanzhäuser wird ermittelt - auch gegen die Royal Bank of Scotland (RBS).

          Kein Monat ohne neue Horrorgeschichten: Im Juli war die ebenfalls in London börsennotierte HSBC dran. Manager der britischen Großbank wurden vor einen Parlamentsausschuss in Washington zitiert. Der Vorwurf: Mexikanische Drogenhändler und andere Kriminelle sollen im großen Stil Konten bei der HSBC in den Vereinigten Staaten zur Geldwäsche genutzt haben, ohne dass die Bank eingeschritten wäre. Es flossen Milliardenbeträge.

          Barclays-Händler haben über Jahre hinweg versucht, den Zinssatz, der zu den wichtigsten im internationalen Kreditgeschäft zählt, zu manipulieren. Hauptsitz der Bank in London

          Dazu kommen noch zwei Skandale, die international weniger Schlagzeilen machten, in Großbritannien dafür umso mehr. Alle vier großen britischen Kreditinstitute - Barclays, RBS, Lloyds und HSBC - müssen Quartal um Quartal gewaltige Rückstellungen für die Entschädigung falsch beratener Kunden bilden. Zusammen sind es bisher rund 8 Milliarden Pfund. Auf der Jagd nach „Erfolgsboni“ wurden unter anderem zehntausenden von Kleinunternehmen, darunter Metzgereien und Imbissbuden, komplexe Finanzprodukte angedreht.

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