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Geplante Börsenfusion : Ein Coup der chinesischen Führung

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Die Börse Hongkong will den Londoner Börsenplatz übernehmen. Im Westen wird das sicher nicht schulterzuckend hingenommen.

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          Es ist zweifelsohne Phantasie gefragt. Denn eine zentrale Finanzinfrastruktur wie die Börse an einem der wichtigsten Finanzplätze der Welt wie London in chinesischem Eigentum ist schwer vorstellbar. Es trotzdem einmal zu versuchen, wie es nun die Hongkonger Börse tut, ist ein Coup der chinesischen Führung und der ihr ergebenen Stadtregierung in Hongkong. Sie bieten viel Geld für die Londoner Börse – ein Lockmittel, dem so mancher Aktionär verfallen dürfte.

          Es wäre aber ein Wunder, würde das Vorhaben in London, Brüssel und Washington schulterzuckend hingenommen. Zu bedeutsam ist die Börse in ihrer volkswirtschaftlichen Funktion, kapitalhungrige Unternehmen mit dem nötigen Geld für Wachstum zu versorgen. Und zu krude die Vorstellung, ein vom chinesischen Staat gelenkter Eigentümer hätte Einblick in die unzähligen Transaktionen an der Londoner Börse.

          Börsen sind keine normalen Unternehmen. Sie haben strategische Bedeutung für die Staaten. Die Regulatoren in Brüssel und London müssen sich daher nun eine Begründung einfallen lassen, warum sie die Transaktion untersagen könnten. Einfach wird das nicht, denn aus Wettbewerbssicht würden die beiden in sehr unterschiedlichen Märkten aktiven Börsen kaum zu neuen Monopolen führen. Vielleicht ist es für die Vereinigten Staaten und Großbritannien einfacher, auf die überwiegend aus ihren Ländern kommenden Aktionäre der Londoner Börse Druck auszuüben und so die Transaktion zu verhindern.

          Es wäre nun aber auch leichter für eine der amerikanischen Börsen CME oder ICE nach der Londoner Börse zu greifen und ihrerseits ein Angebot abzugeben. Sie sind zwar bei bisherigen Versuchen abgeblockt worden. Vor die Alternative China gestellt, sieht die Lage aber nun anders aus.

          Alle bisherigen Großfusionen unter Börsen sind bisher gescheitert. Es ist daher auch jetzt wieder gut möglich, dass es zu gar keiner Transaktion kommt. Schlimm wäre das nicht. Börsen machen ohnehin schon monopolartige Gewinne. Weitere Größenvorteile zu nutzen, ist zwar effizient, hilft aber dem Kunden am Ende nicht, sondern nur dem Aktionär.

          Europa ist mit seiner eher kleinteiligen Börsenlandschaft bisher nicht schlecht gefahren. Ein Wettbewerb unter mehreren Börsen sorgt für Innovationen. Die Euronext in Paris spielt zwar auf globaler Ebene keine Rolle mehr, zeigt aber mit Initiativen rund um Börsengänge durchaus ihre Lebendigkeit. Die Kapitalversorgung der Unternehmen hat darunter nicht gelitten.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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