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Nach Sexskandal : London stoppt die Finanzierung von Oxfam

Eine Oxfam-Malerei auf Haiti. Bild: Reuters

Nachdem Oxfam-Mitarbeiter im Erdbeben-geplagten Haiti Sexpartys mit Prostituierten hatten, streicht die britische Regierung Oxfam vorerst das Geld. Die Partys an sich - die schon Jahre zurückliegen - sind nicht der Hauptgrund.

          Die britische Regierung vergibt vorerst keine neuen Gelder an die von einem Sexskandal erschütterte Hilfsorganisation Oxfam. Diese werde sich nicht mehr um weitere staatliche Finanzmittel bewerben, bis ihr Ministerium sicher sei, dass die Organisation „die hohen Standards, die wir erwarten, erfüllen kann“, sagte Penny Mordaunt, Großbritanniens Entwicklungsministerin.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Berichte über Sexorgien von Oxfam-Mitarbeitern in Haiti und im Tschad haben in der vorigen Woche international Schlagzeilen gemacht. Oxfam wird vorgeworfen, die Fehltritte vertuscht zu haben. Ihr sei bewusst, dass bei Oxfam „Hunderte von guten, mutigen und mitfühlenden Leuten“ arbeiteten, sagte die Ministerin. Doch habe die Hilfsorganisation „einen langen Weg vor sich, bevor sie das Vertrauen der britischen Öffentlichkeit zurückgewinnen kann“.

          Großbritannien zahlte 32 Millionen Pfund im Jahr

          Die britische Sparte von Oxfam hat von der Regierung in London im vergangenen Jahr Mittel von 32 Millionen Pfund für Projekte erhalten. Der auch persönlich in die Kritik geratene Chef der britischen Sparte Oxfam GB, Mark Goldring, bezeichnete unterdessen die Reaktion der Öffentlichkeit auf den Skandal als überzogen. Oxfam habe nicht „Kinder in ihren Krippen ermordet“, sagte er.

          Die britische Regierung ist die erste, die Oxfam nicht mehr finanziert. Insgesamt erhielt die Dachorganisation Oxfam International 2016 von nationalen Regierungen Mittel von 258 Millionen Euro. Der Geschäftsbericht führt außerdem 68 Millionen Euro von der EU und 64 Millionen Euro von den Vereinten Nationen auf. Die EU-Kommission hat von Oxfam umfassende Aufklärung gefordert.

          Die deutsche Regierung, die bisher ebenfalls mit der Organisation zusammenarbeitet, zeigte sich beunruhigt. Auch Geldgeber aus der Wirtschaft überdenken ihre Zusammenarbeit. Darunter sind die britischen Einzelhändler John Lewis und Marks & Spencer. Die Organisation hat am Freitag einen Aktionsplan vorgestellt, der sexuelle Ausbeutung durch Mitarbeiter verhindern soll. Künftig werde eine unabhängige Untersuchungskommission Vorwürfen nachgehen. Die frühere britische Entwicklungshilfeministerin Priti Patel warnte, es handle sich nur um „die Spitze des Eisbergs“.

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