https://www.faz.net/-gqe-pysc

Logistik : Rekordgewinn beflügelt Expansionspläne der Post

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit Blick auf die Geschäftslage bezeichnete Postchef Zumwinkel das vergangene Jahr als „bestes seit 1990“. In Zukunft soll das Auslandsgeschäft verstärkt zu den Gewinnen beitragen.

          2 Min.

          Mit gut gefüllter Kasse bleibt die Deutsche Post World Net auf Expansionskurs. Trotz der jüngsten Rückschläge im europäischen Ausland hat Postchef Klaus Zumwinkel auf der Bilanzpressekonferenz keinen Zweifel daran gelassen, daß er die Internationalisierungsstrategie fortsetzen werde: „Wir sind finanziell so ausgestattet, daß wir zugreifen können, wenn sich gute Gelegenheiten ergeben.“

          Ende 2004 verfügte der Bonner Konzern über 4,8 Milliarden Euro flüssige Mittel. Zudem ist die Post inzwischen schuldenfrei: Vor allem mit den Einnahmen aus dem Postbank-Börsengang wurden im vorigen Jahr Nettoverbindlichkeiten von mehr als 2 Milliarden Euro abgetragen.

          Blick auf die Vereinigten Staaten

          Für den Ausbau des internationalen Briefgeschäftes blickt der Konzern mangels interessanter Objekte in Europa in die Vereinigten Staaten. Die dänische Regierung hatte den an einer Beteiligung an der Staatspost interessierten Bonnern vor wenigen Tagen abgesagt; in Österreich und Belgien hat Zumwinkel von sich aus einen Rückzieher gemacht.

          Die Post ist in Amerika bereits die Nummer eins unter den privaten Briefanbietern. „Eine Konzentration auf die Vereinigten Staaten macht mehr Sinn, als in europäischen Ländern jeweils Beteiligungen von 20 Prozent zu kaufen“, sagte der zuständige Vorstand Hans-Dieter Petram.

          Zuwächse im Auslandsgeschäft

          Durch die Übernahme von Smart Mail und Quik Pak im Mai 2004 und einen Kooperationsvertrag mit der Staatspost USPS erreicht die Post in Amerika einen Briefumsatz von mehr als 500 Millionen Euro bei einem Marktvolumen von rund 30 Milliarden Euro. Zusammen mit den Akquisitionen in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Spanien hat der Einstieg in den amerikanischen Markt den Rückgang im inländischen Briefgeschäft mehr als aufgefangen.

          Der Umsatz der Sparte stieg um 2 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Das entspricht zwar nur rund 28,5 Prozent des Gesamtumsatzes; mit einem Anteil von knapp 61 Prozent am operativen Ergebnis (Ebita) bleibt das Briefgeschäft aber die mit Abstand wichtigste Säule des Konzerns. Bereits 48,8 Prozent des Briefumsatzes würden außerhalb der voraussichtlich 2008 auslaufenden Exklusivlizenz erzielt, sagte Zumwinkel. Die Umsatzrendite ist im Vergleich zum Vorjahr leicht von 16,7 auf 16,4 Prozent gesunken.

          Fehlbetrag von DHL reduzieren

          Auch in den übrigen Sparten zieht es die Post ins Ausland. In Osteuropa soll die Präsenz der Expreß-Tochtergesellschaft DHL verstärkt werden. Große Wachstumspotentiale für die Expreßsparte verspricht sich Zumwinkel aber vor allem in China und Indien. Er zeigte sich überzeugt, daß der Auslandsanteil am Gesamtumsatz in diesem Jahr 50 Prozent übersteigen werde. Im Berichtsjahr war die Quote von 43 auf beinahe 48 Prozent gestiegen.

          Den Verlust von DHL in Amerika von 495 Millionen Euro hat der Konzern verkraftet. Zumwinkel bestätigte das Ziel, den Fehlbetrag in diesem Jahr auf höchstens 300 Millionen Euro zu reduzieren und Ende 2006 Gewinn zu verbuchen. Mit einem Marktanteil von 6,8 Prozent liegt DHL nach Angaben des neuen Amerika-Chefs John Mullen noch immer weit hinter den Konkurrenten Fedex und UPS.

          Größter Wachstumstreiber im Konzern war die Logistiksparte, deren operativer Gewinn um mehr als ein Drittel zulegte. Die um 0,6 Punkte auf 4,1 Prozent gestiegene Umsatzrendite bezeichnete Zumwinkel als „Spitzenmarge“ in der Branche. Nach dem Kauf großer Teile der Konzernlogistik von Karstadt-Quelle ist die Post auch an den Paketfabriken des Versandhauses in Frankfurt und Leipzig interessiert.

          Steigende Gewinne erwartet

          „Es war das beste Jahr seit 1990“, faßte der Postchef die Bilanz zusammen. Wie berichtet (F.A.Z. vom 2. März) ist der Konzerngewinn - nicht zuletzt dank einer niedrigeren Steuerquote - um mehr als ein Fünftel auf knapp 1,6 Milliarden Euro gestiegen. Die Dividende soll von 0,44 auf 0,50 Euro je Aktie angehoben werden. Für das laufende Jahr sagte Finanzvorstand Edgar Ernst einen Gewinnsprung um rund 500 Millionen Euro voraus.

          Grund sind die neuen internationalen Rechnungslegungsvorschriften nach IFRS, durch die regelmäßige Abschreibungen auf Firmenwerte von etwa 370 Millionen Euro wegfallen, und steuerliche Erleichterungen. Für 2006 rechnet Zumwinkel mit einem operativen Gewinn von wenigstens 3,6 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.