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Logistik : Poker um Milliardenauftrag der Bahn

  • Aktualisiert am

Fernverkehr bleibt Problemsparte Bild: dpa

Die Deutsche Bahn wird Anfang 2004 einen der größten Einzelaufträge ihrer Geschichte vergeben. Der bundeseigene Schienenkonzern will insgesamt 466 Lokomotiven mit einem geschätzten Gesamtwert von knapp einer Milliarde Euro bestellen.

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          Die Deutsche Bahn wird Anfang 2004 einen der größten Einzelaufträge ihrer Geschichte vergeben. Der bundeseigene Schienenkonzern will insgesamt 466 Lokomotiven mit einem geschätzten Gesamtwert von knapp einer Milliarde Euro bestellen. Nach Informationen dieser Zeitung kämpfen alle großen Bahntechnikhersteller um diesen Großauftrag, den die Bahn Mitte Juni ausgeschrieben hat.

          Zu den fast zehn Interessenten zählen die deutschen Unternehmen Siemens und Vossloh sowie die kanadische Bombardier Transportation, die französische Alstom, die italienische Ansaldo und ein osteuropäischer Anbieter. Außerdem sind zwei außereuropäische Unternehmen im Rennen: General Motors (GM) aus Amerika und Kawasaki aus Japan.

          Die Frist für die Abgabe verbindlicher Angebote läuft Anfang Oktober ab. Danach will sich die Bahn zwei Monate Zeit lassen für die Bewertung der Angebote. Anschließend sollen Verhandlungen mit den Bietern aufgenommen werden, die die attraktivsten Offerten abgegeben haben. Der Kaufvertrag soll Ende des ersten Quartals 2004 abgeschlossen werden, heißt es bei der Bahn. Der Auftrag ist aufgeteilt in 203 Festbestellungen und 263 Optionen auf Nachbestellungen. Die mehrheitlich für den Frachttransport benötigten Lokomotiven sollen nach den Vorstellungen der Bahn von Ende 2005 an oder Anfang 2006 geliefert werden.

          Modernisierung bis 2007

          Im Herbst wird die DB AG einen weiteren Großauftrag ausschreiben. Dabei geht es um die Nachfolgegeneration der IC- und EC-Züge, die Schritt für Schritt ausgetauscht werden sollen. Insgesamt braucht die Bahn rund 1000 neue Waggons. Beide Aufträge sind Teil eines großen Modernisierungsprogramms: Bis 2007 will die Bahn 46,2 Milliarden Euro investieren. Davon sind 8,3 Milliarden Euro für neue Fahrzeuge und 33,3 Milliarden Euro für die Sanierung von Fahrweg und Bahnhöfen vorgesehen. Die Finanzierung dieser Investitionen erfolgt aus dem Mittelzufluß (Cash-flow), aus öffentlichen Investitionszuschüssen und zinslosen Darlehen sowie aus der Aufnahme von Fremdkapital.

          Unterdessen hat die Siemens AG mitgeteilt, daß sie mit dem Zuschlag für einen Auftrag in Nordengland rechnet: Der Bereich Transportation Systems sei zum bevorzugten Bieter gewählt worden für die Lieferung von 56 Diesel-Triebzügen im Wert von rund 360 Millionen Euro.

          Im ersten Halbjahr deutlich unter Plan

          Die Deutsche Bahn liegt nach dem ersten Halbjahr 2003 zwar über dem Niveau des Vorjahres, aber deutlich unter ihren eigenen Planzahlen. Trotz ihrer Schwierigkeiten im Fernverkehr steigerte die Bahn den Konzernumsatz leicht von 7,69 auf 7,9 Milliarden Euro. Erhofft hatte sie 280 Millionen Umsatz mehr. Der betriebliche Verlust verringerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 235 Millionen auf 143 Millionen Euro. Bahnchef Hartmut Mehdorn nannte den Geschäftsverlauf "zufriedenstellend". Die Bahn liege "trotz der nach wie vor schwachen Konjunktur insgesamt auf Kurs". Er wollte keine Prognose für das zweite Halbjahr abgeben, dessen Verlauf als bedeutend für einen möglichen Börsengang angesehen wird.

          "Wir liegen trotz der nach wie vor schwachen Konjunktur insgesamt auf Kurs"

          Bahnchef Hartmut Mehdorn

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