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Logistik : Deutsche Post wappnet sich gegen private Briefdienste

  • Aktualisiert am

Hier läuft die Post außer Konkurrenz Bild: AP

Rabatte nicht nur für Großkunden: Die Deutsche Post entwickelt eine neue Abwehrstrategie gegen die privaten Briefdienste. Der Logistikkonzern will auch kleineren Kunden eine günstigere Briefzustellung anbieten.

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          Die Deutsche Post AG entwickelt eine neue Abwehrstrategie gegen die auf dem Vormarsch befindlichen privaten Briefdienste. Nach Informationen dieser Zeitung will der Bonner Logistikkonzern auch kleineren Kunden eine günstigere Briefzustellung anbieten, die bislang nur den Großkunden über Rabatte vorbehalten waren. Für diese Dienstleistungen wird offenbar eine Tochtergesellschaft gegründet. In rund sechs deutschen Ballungszentren sollen Geschäftsstellen aufgebaut werden. Die Post würde damit in eine Domäne vordringen, in der sich konkurrierende Briefdienste mit günstigen Preisen und Zusatzdienstleistungen immer mehr ausbreiten.

          Zwar erklärte ein Post-Sprecher: "Derzeit sind solche Angebote nicht geplant." Die Betonung liegt jedoch auf dem Wort "derzeit". Denn die Vorbereitungen für einen Start seien getroffen, hieß es in Branchenkreisen. Die Post habe sogar bereits an einigen Standorten die erforderlichen Sortiermaschinen aufgestellt - wie in Stuttgart und Düsseldorf. Das "Billigangebot" wird voraussichtlich auch in den Ballungsräumen München, Berlin, Frankfurt und Hamburg gestartet.

          Der gelbe Riese, der bis Ende des Jahres 2007 über das Monopol auf die Zustellung von Briefen bis 100 Gramm Gewicht verfügt und damit im ersten Halbjahr 62 Prozent des Betriebsergebnisses erzielt hat, will das Produkt mittelständischen Unternehmen und Kleinbetrieben wie Handwerkern, Arztpraxen oder Rechtsanwaltskanzleien anbieten. Zur Zielgruppe gehören auch öffentliche Auftraggeber wie Kommunen oder Arbeitsämter, die aus Kostengründen verstärkt zur Konkurrenz abwandern und rund 70 Prozent der Aufträge privater Briefdienste liefern. Bisher hat die Post nur großen Unternehmen bei der Anlieferung von umfangreichen Briefmengen bis zu 21 Prozent Rabatt gewährt.

          Ungünstiger Rechtsstreit

          Der für die Post ungünstige Verlauf der juristischen Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt dürfte nach Meinung von Beobachtern Einfluß auf den Vorstoß haben. Die Wettbewerbshüter verlangten, den privaten Anbietern (genannt "Konsolidierer") die gleichen Großkunden-Rabatte für deren eingesammelte, sortierte und zur Zustellung an die Post weitergereichte Briefe einzuräumen. Die Deutsche Post pochte auf ihre Exklusivlizenz und klagte gegen die Auflage des Kartellamtes. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte in einem Eilverfahren die Klage abgewiesen und an den Europäischen Gerichtshof weitergeleitet. Ein Urteil in der Hauptsache kann nach Ansicht von Experten so lange dauern, daß bis dahin das Briefmonopol bereits gefallen ist.

          Ein neuer, eleganter Weg

          Für die Post könnte sich mit dem neuen Produktkonzept ein neuer, eleganter Weg ergeben, der Konkurrenz das Leben schwerzumachen. Denn Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), hat weitere Portosenkungen der Deutschen Post, wie es sie Anfang des Jahres gegeben hatte, ausgeschlossen. Begründung: Diese würden den Wettbewerb abwürgen.

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