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Lockdown-Light-Widersprüche : Ist Shoppen wichtiger als Wandern?

Mitte November im Lockdown Light: eine gut besuchte Einkaufsstraße in Dortmund Bild: dpa

Die Doppelmoral des „Lockdown Light“ ist für viele schwer nachzuvollziehen. Warum soll der Städter nicht ins einsame Umland fahren und sich stattdessen in überfüllten Parks erholen? Es ginge viel einfacher – und vielleicht sogar ökonomischer.

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          Ein „Lockdown light“ soll es sein, was wir seit drei Wochen in Deutschland erleben. Und das heißt im Unterschied zum Frühjahr vor allem eines: Die Politik hat das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens so organisiert, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit so wenig wie möglich leidet. Die Kultur, die hierzulande großteils von staatlichen Zuschüssen lebt, wird geschlossen, die Gastronomie mit ihren prekären Jobs ebenfalls. Die Shoppingmalls bleiben dagegen offen, damit die Leute mit ihren Lust- und Frustkäufen den Geldkreislauf in Bewegung halten. Mittlerweile entschuldigt sich die Bundeskanzlerin sogar dafür, dass sie im Frühjahr die Autohäuser schloss; damals musste sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident fürs Öffnen von Möbelhäusern beschimpfen lassen.

          Das ist in der Theorie gut gedacht, schließlich müssen all die großzügigen Corona-Hilfen, die der Staat jetzt ausschüttet, am Ende auch von irgendjemandem bezahlt werden. Das Problem ist nur, dass die strikte Trennung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft in der Praxis nicht funktioniert. Nicht nur, weil das Virus nicht nach Wertschöpfung unterscheidet, nicht die Fleißigen verschont und die Vergnügungssüchtigen bestraft, indem es etwa in der U-Bahn nur das Freizeitpublikum befällt. Eine solche künstliche Unterscheidung untergräbt auch die Akzeptanz der Corona-Beschränkungen im Alltag, weil sie die Vorgaben unverständlich und schwer handhabbar macht.

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