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Lkw-Maut : Streit um Preiserhöhungen durch die Maut

  • Aktualisiert am

Stolpe garantiert lieber nicht für den Starttermin Bild: dpa

Das Verkehrsministerium und Verbraucherschützer haben sich gegen die Ankündigung von Unternehmen gewandt, wegen der Lkw-Maut die Preise zu erhöhen. Der Einzelhandel hält das aber für unvermeidbar.

          Verbraucher müssen sich nach Einschätzung von Verbänden wohl auf Preiserhöhungen als Folge der Lkw-Mauteinstellen. Einige Unternehmen kündigten bereits höhere Preise an. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums warnte die Unternehmen allerdings davor, die Maut als verdeckten Vorwand für Preiserhöhungen zu benutzen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) empfahl den Bundesbürgern, beim Einkauf regionalen Produkten mit kurzen Transportwegen den Vorzug zu geben. Der Einzelhandel nannte Preisserhöhungen durch die Maut dagegen unvermeidbar; nur der Umfang sei noch völlig offen.

          Unabhängig von dem Streit hat Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) vor dem Verkehrsausschuß des Bundestages eine abermalige Verschiebung der Lkw-Maut nicht ausgeschlossen. „Die Maut wird kommen, wenn es die Industrie rechtzeitig schafft, auch zum 2. November“, erklärte Stolpe am Montag in seinem Sachstandsbericht zur Mauterhebung, wie der Bundestag in Berlin mitteilte. Eine eigene Garantie für den bereits einmal verschobenen Termin wollte der Minister demnach nicht abgeben.

          „Die Verteuerung der Transportkosten durch die Maut wird sicherlich weitergegeben", sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Montag. Die Höhe sei aber noch nicht abschätzbar und branchenbezogen. „Eine Waschmaschine zum Beispiel kann aber leicht zehn, 20 oder 30 Euro teurer werden", sagte Pellengahr. Auch Jürgen Hasler, Leiter Logistik und Verkehr beim Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels rechnet mit Preiserhöhungen. „Das hängt aber vom Gut ab. Und es stellt sich die Frage: Wer fängt es auf? Der Großhändler oder der Verbraucher?“ Bei Elektro-Großgeräten werde sich die Maut eher im Preis niederschlagen als bei Schuhen oder Joghurt, fügte er hinzu.

          Vom Markt geregelt

          Die Deutsche Post hatte bereits im Juli angekündigt, wegen der Lkw-Maut einen Zuschlag von acht Cent pro Paket-Sendung erheben zu wollen. Auch der Versandhandelskonzern Otto rechnet mit Preiserhöhungen bei seiner Logistiktochter Hermes. „Die Katalogpreise bleiben aber stabil", sagte eine Sprecherin. Bei künftigen Preiserhöhungen werde die Lkw-Maut eine Rolle spielen, sagte der Sprecher der Holsten-Brauerei, Udo Franke. „Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.“

          Bei Deutschlands viertgrößtem Bierkonzern Brau und Brunnen bleiben die Preise nach Angaben eines Sprechers allerdings stabil. Und auch die Radeberger-Gruppe hat keine Pläne, ihre Produkte zu verteuern. Bei der Metro sei noch keine Entscheidung über mögliche Preiserhöhungen gefallen. „Wir befinden uns in der Probephase. Momentan ist das noch nicht zu entscheiden", sagte Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß. Durch die Maut entstünden den Speditionen Kosten, die diese weitergeben wollten, sagte Beiersdorf-Sprecher Klaus Peter Nebel. Inwieweit sich das auf die Preise niederschlage, werde sich nach der offiziellen Einführung des Mautsystems zeigen und zudem vom Markt geregelt.

          Derzeit befindet sich das Mautsystem in einer Probephase. Die offizielle Einführung der Maut für Lkw auf deutschen Autobahnen war wegen technischer Probleme von August auf November verschoben worden.

          Maut als Vorwand?

          Durch die Maut seien keine Preiserhöhungen zu erwarten, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums und warnte die Unternehmen davor, die Maut als Vorwand für verdeckte Preiserhöhungen zu nutzen. Nach Berechnungen des Ministeriums würde ein paar Schuhe durch die Maut um 1 Cent, ein Fernsehgerät um 16 bis 18 Cent und eine Einbauküche um 12,50 Euro teurer. Daher seien keine steigenden Preise zu erwarten. Nach Ansicht von HDE-Sprecher Pellengahr ist die Maut aber kein Vorwand für Preiserhöhungen. „Für die Unternehmen sind es Kosten, die sie weitergeben müssen, das können sie nicht auffangen.“ Auch wenn die Kosten für die Maut auf die Verbraucher in einzelnen Bereichen umgelegt würden, bedeute das jedoch nicht, daß alles teurer werde, betonte er.

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