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LKW-Maut : Spediteure sehen schwarz

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Stabiles System? LKW-Mautstelle auf der A96 Bild: dpa/dpaweb

Die Betreiberfirma „Toll collect“ ist mit dem Beginn der Testphase der LKW-Maut zufrieden, die Spediteure dagegen beklagen massive Probeme und befürchten ein Chaos zum Start.

          Am ersten Tag mit dem neuen Lastwagen-Mautsystem haben Spediteure massive Probleme beklagt. Beim geplanten Start des Gebühreneinzugs am 2. November drohe ein Chaos, erklärten Branchenvertreter am Montag. Dagegen zeigte sich die Betreibergesellschaft Toll Collect nach Auftakt der zweimonatigen Testphase zufrieden.

          Das Verkehrsministerium machte deutlich, daß es nun vor allem auf den pünktlichen Beginn des Normalbetriebs ankomme. Ab 2. November soll die neue kilometerbezogene Streckengebühr von durchschnittlich 12,4 Cent mit dem satelliten-gestützten High-Tech-System eingezogen werden. Die zweimonatige Probephase, die am Sonntag begann, war nötig geworden, weil die Vorbereitung des Mautsystems dem Zeitplan kräftig hinterherhinkte.

          Chaotischer Start absehbar?

          Das System sei noch nicht funktionstüchtig, erklärte der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen. So seien mehr als 40 Prozent der Maut-Erfassungsgeräte - der so genannten On Board Units - defekt gewesen. Der richtige Belastungstest stehe erst im November bevor. Ein chaotischer Start sei absehbar. Der Landesverband bayerischer Transport- und Logistikunternehmen erklärte: „Wenn heute der Echtstart gewesen wäre, hätte es einen Riesen-Reinfall gegeben.“

          LKW-Maut: So will der Bund damit verdienen

          Die „On Board Units“ arbeiteten nicht zuverlässig, der Einbau habe zum Teil nicht geklappt, und bei Inbetriebnahme seien Sicherungen durchgebrannt. Der Verband Güterkraftverkehr und Logistik in Nordrhein betonte, erst zehn Prozent der mautpflichtigen Laster seien mit den Erfassungsgertenausgestattet. Die manuelle Einbuchung sei keine wirkliche Alternative, denn sie koste zu viel Zeit.

          „Sattelfest und voll in Funktion“

          Auch Lkw-Fahrer beklagten nach den ersten Stunden mit dem neuen System, bei einigen Erfassungsgeräten funktioniere die Software nicht. Die Werkstätten, die die Geräte einbauen sollten, seien häufig überlastet. Andere beschwerten sich, daß sie jedes Mal die Daten wieder neu eingeben müssten, sobald einmal die Zündung aus sei.

          Toll-Collect-Geschäftsführer Michael Rummel erklärte hingegen, die 60.000 Erfassungsgeräte, die bereits im Einsatz seien, seien „sattelfest und voll in Funktion“. Insgesamt sei der Test gut angelaufen. Er sei zuversichtlich, daß bis zum 2. November mehr als 400.000 Erfassungsgeräte bereitgestellt werden könnten.

          Schröder angeblich verärgert

          Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Felix Stenschke, sah am Montag keinen Anlaß für eine erste Bilanz. Das Betreiberkonsortium habe „die Dinge angeschaltet, die anschaltbereit sind“. Entscheidend sei die Phase vor Erteilung der Betriebsgenehmigung für das Mautsystem gegen Ende des Probelaufs. Dann werde das Ministerium noch einmal „tief in das System hineinschauen“.

          Angeblich soll Bundeskanzler Gerhard Schröder Zeitungsberichten zufolge Verkehrsminister Manfred Stolpe aufgefordert, bei der Umsetzung des Mautsystems härter durchzugreifen. Der Kanzler sei verärgert, daß die bisherigen Pannen der Regierung angelastet würden. Danach gefragt, wich Regierungssprecher Thomas Steg aus. Er sagte, Schröder und Stolpe hätten mehrfach über das Thema gesprochen. Das Kanzleramt sei über Stolpes Schritte immer informiert gewesen.

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