https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/literaturnobelpreistraeger-pablo-neruda-in-chile-wegen-mordverdachts-exhumiert-12142159.html

Literaturnobelpreisträger : Pablo Neruda in Chile wegen Mordverdachts exhumiert

  • Aktualisiert am

Es gibt den Verdacht, dass der kommunistische Nobelpreisträger unter dem Pinochet-Regime in Chile vergiftet wurde. Bild: reuters

Ein internationales Expertenteam soll untersuchen, ob der Literaturnobelpreisträger 1973 von Agenten der Pinochet-Diktatur vergiftet worden sein könnte. Bislang galt Krebs als Todesursache.

          1 Min.

          Der Leichnam des chilenischen Dichters Pablo Neruda (1904-1973) ist exhumiert worden. In Anwesenheit des Richters Mario Carroza wurde am Montag in Isla Negra, 120 Kilometer westlich von Santiago de Chile, die Urne mit den Überresten des Literaturnobelpreisträgers ausgehoben, wie der Rundfunksender Bío Bío berichtete. Ein internationales Expertenteam soll klären, ob Neruda von Agenten der Pinochet-Diktatur vergiftet worden sein könnte.

          Das Grab in der Nähe von Nerudas langjähriger Wohnung an der Pazifikküste sei nicht vom Meersalz angegriffen worden, erklärte der Leiter des gerichtsmedizinischen Dienstes SML, Patricio Bustos, am Montag dem Sender TV Chile. Die Zementkammer, in der sich die Urne befand, habe die gute Konservierung der Überreste ermöglicht.

          Neruda wurde nach Santiago de Chile transportiert, wo die Leiche im Laboratorium des SML untersucht werden soll. Beobachter des Internationalen Roten Kreuzes nehmen an der Untersuchung teil. In den nächsten Tagen soll entschieden werden, ob Proben zur Prüfung der Todesursache ins Ausland gebracht werden, wie Bustos erklärte.

          Neruda war nach seinem Tod auf einem Friedhof von Santiago de Chile beigesetzt worden. Erst 1992, nach dem Ende der Diktatur, wurde er nach seinem Wunsch in Isla Negra begraben, neben seiner dritten Frau Matilde Urrutia. Der Poet starb in der Klinik Santa María in Santiago de Chile wenige Tage nach dem Militärputsch, der die Regierung Salvador Allendes am 11. September 1973 stürzte.

          Bislang galt als Todesursache der Prostatakrebs, an dem Neruda erkrankt war. Der letzte Chauffeur und Sekretär des Dichters, Manuel Araya, hat seit Jahrzehnten jedoch die These der Ermordung vertreten. Neruda sei wenige Stunden nach der Verabreichung einer Spritze mit einem verdächtigen Schmerzmittel gestorben.

          In der selben Klinik starb 1982 der ehemalige christdemokratische Staatschef Eduardo Frei Montalva, angeblich an den Folgen einer Operation. Die Exhumierung seiner Überreste erwies 2006, dass er mit dem Gas Sarin vergiftet worden war. Drei Jahre später wurden sechs frühere Mitarbeiter des Geheimdienstes von Augusto Pinochet verhaftet, unter ihnen vier Ärzte. Sie wurden wegen des Mordes an Frei angeklagt.

          Weitere Themen

          Versager oder Gangster

          FAZ Plus Artikel: Vor dem Wirecard-Prozess : Versager oder Gangster

          Vorwurf des Bandenbetrugs, Bilanzfälschung und Untreue – Markus Braun, der frühere Chef von Wirecard, war entweder ein Idiot oder ein Gangster. In der kommenden Woche wird ihm und zwei Mitangeklagten der Prozess gemacht.

          Topmeldungen

          Geht’s voran?

          Hohe Hauspreise : Wohnen müsste nicht so teuer sein

          Die Zinsen steigen, doch die Immobilienpreise bleiben hoch. Dieses Jahr zeigt: Nicht die Spekulation ist schuld, sondern übertriebene Regeln.
          Eine Kryptowährung gerät ins Wanken: Bitcoin-Tokens unter Wasser

          Nach dem Kursrutsch : Warum der Bitcoin weiter fallen wird

          Es wäre verwegen, vom Bitcoin bald einen Anstieg zu erwarten. Niveaus im mittleren vierstelligen Bereich sind alles andere als ausgeschlossen. Wer ganz am Anfang dabei war, den wird das wenig schmerzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.