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Literaturempfehlungen : Geldpolitisches Denken seit 1945

Dieser Reader bringt im Internet zugängliche Literaturempfehlungen zur Theorie und Praxis der Geldpolitik der vergangenen Jahrzehnte, chronologisch nach Themen geordnet. Die Papiere sind englischsprachige Originalarbeiten und enthalten überwiegend keine mathematischen Modelle.

          3 Min.

          1. Der Monetarismus

          Eine Historie des Monetarismus sowie eine Schilderung seiner wichtigsten Elemente beschreibt David Laidler:
          http://economics.uwo.ca/faculty/laidler/workingpapers/monetarypolicy.pdf

          Eine Zusammenfassung der geldpolitischen Gedanken Milton Friedmans bietet dessen Vorlesung anlässlich der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1976:

          http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/1976/friedman-lecture.pdf

          Häufig als eine Weiterentwicklung des Monetarismus Friedmans wurde die These der Neutralität des Geldes in der Formulierung durch Robert Lucas aufgefasst, die für die Weiterentwicklung der modernen Makroökoomik eine bedeutende Rolle spielte.

          http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/1995/lucas-lecture.pdf

          2. Direkte Inflationssteuerung (“Inflation Targeting“) und die Taylor-Regel

          Nach dem Untergang des alten Monetarismus wurde die direkte Inflationssteuerung seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts die in der Wissenschaft dominierende Theorie der Geldpolitik. Bis zur Finanzkrise galt sie bei vielen Ökonomen als ein Konsensmodell.

          Den Weg vom alten Monetarismus der fünfziger Jahre bis zum Konsens der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts sowie dessen Eigenschaften fasst Marvin Goodfriend zusammen:

          http://www.powellcenter.org/apconference/2008/Goodfriend.pdft

          Eine umfassende Beschreibung der direkten Inflationssteuerung durch einen ihrer „Gurus“, Lars Svensson:

          http://people.su.se/~leosven/papers/HandbookIT.pdf

          Eine in der Wissenschaft einflussreiche Lehre zur Bestimmung des richtigen Notenbankzinses stammt von John Taylor und heißt „Taylor-Regel“. Ihren Auftritt feierte sie auf einer Konferenz im Jahre 1992:

          http://www.stanford.edu/~johntayl/Papers/Discretion.PDF

          Eingehende Analysen der Taylor-Regel bieten:

          http://www.federalreserve.gov/pubs/feds/2003/200336/200336pap.pdf

          http://www.kc.frb.org/PUBLICAT/RESWKPAP/PDF/rwp10-05.pdf

          John Taylor und Ben Bernanke sind sich uneins darüber, ob die Anwendung einer Taylor-Regel durch die Fed die Spekulationsblase am amerikanischen Hypothekenmarkt verhindert hätte:

          http://www.kc.frb.org/PUBLICAT/SYMPOS/2007/PDF/Taylor_0415.pdf

          http://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/bernanke20100103a.htm

          3. Geldpolitik an der Nullzins-Grenze und die Politik der quantitativen Lockerung

          In der jüngsten Finanzkrise haben mehrere Zentralbanken ihre Leitzinsen bis auf fast null Prozent zurückgenommen, womit die Möglichkeit weiterer geldpolitischer Stimulierungen durch Zinspolitik fast unmöglich wird. Mit den Herausforderungen einer Geldpolitik an der Nullzins-Grenze hat sich im Herbst 2010 eine wissenschaftliche Konferenz bei der Federal Reserve Bank of Boston befasst:

          http://www.bostonfed.org/RevisitingMP/agenda.htm

          Des Zinsinstruments beraubt, haben sich Zentralbanken wie die Fed oder die Bank of Englang in der Krise darauf verlegt, durch Käufe von Wertpapieren, und hier vor allem Staatsanleihen, die Wirtschaft zu stimulieren. Dieses Instrument heißt quantitative Lockerung (“quantitative easing“).

          Eine Beschreibung und Bewertung der Politik der Fed:

          http://www.ifw-kiel.de/wirtschaftspolitik/politikberatung/kiel-policy-brief/kiel-policy-brief-23

          http://www.ijcb.org/journal/ijcb11q1a1.htm

          Ein Zwischenresultat mit Blick auf die Europäische Zentralbank:

          http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/scpwps/ecbwp1290.pdf

          4. Geldpolitik und Vermögensmärkte

          Die herrschende Lehre der vergangenen 20 Jahre befand, dass die Geldpolitik nicht in der Lage sei, Spekulationsblasen an Vermögensmärkten wie Immobilien oder Aktien zuverlässig zu identifizieren. Unter Führung der Fed und mit Billigung vieler Ökonomen entstand der sogenannte „Jackson-Hole-Konsens“: Eine Zentralbank lässt eine Hausse an den Finanzmärkten laufen und greift stützend ein, wenn aus einer schweren Baisse Rezessions- und Deflationsgefahren entstehen. Damit wurde die Geldpolitik asymmetrisch.

          Eine Beschreibung und Begründung des „Jackson-Hole-Konsenses“ liefern Donald Kohn sowie Alan Blinder und Ricardo Reis:

          http://www.federalreserve.gov/newsevents/speech/kohn20060316a.htm

          http://www.kc.frb.org/PUBLICAT/SYMPOS/2005/PDF/BlinderReis.paper.0914.pdf

          Zu frühen Kritikern des „Jackson-Hole-Konsenses“ zählten Raghuram Rajan und William White:

          http://www.kc.frb.org/publicat/sympos/2005/pdf/Rajan2005.pdf

          http://www.dallasfed.org/institute/wpapers/2009/0034.pdf

          Distanziert äußerte sich auch die EZB in ihrem Beitrag „Asset Price Bubbles and Monetary Policy“:

          http://www.ecb.int/pub/pdf/mobu/mb200504en.pdf

          Auch Kohn ist mittlerweile skeptischer geworden:

          http://www.bis.org/review/r081125e.pdf

          5. Die Renaissance der monetären Analyse

          Der ehemalige Chef-Volkswirt der EZB, Otmar Issing, kritisiert das Konsensmodell der neunziger Jahre und ruft zur Beachtung der monetären Analyse auf:

          http://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2011/wp1197.pdf

          Ein historischer Rückblick ebenfalls durch Issing:

          http://www.imf.org/external/np/seminars/eng/2011/res/pdf/oi2.pdf

          Eine Beschreibung der monetären Analyse durch die EZB:

          http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/enhancingmonetaryanalysis2010en.pdf

          Die Renaissance der monetären Analyse wird nicht zuletzt vorangetrieben durch Arbeiten von Hyun Song Shin (zum Teil mit Tobias Adrian):

          http://www.newyorkfed.org/research/staff_reports/sr398.pdf

          http://www.kc.frb.org/publicat/sympos/2008/Shin.08.06.08.pdf

          http://www.newyorkfed.org/research/staff_reports/sr421.pdf

          http://www.princeton.edu/~hsshin/www/BOK2010.pdf

          Mit der Krise hat auch die Untersuchung historischer Finanzkrisen zugenommen. Ein häufig zitiertes Papier von Schularick/Taylor stellt die im Zeitablauf gewachsene Rolle des Kredits heraus:

          http://www.econ.ucdavis.edu/faculty/amtaylor/papers/w15512.pdf

          Eine Untersuchung der Geschichte des Euroraums:

          http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/scpwps/ecbwp1336.pdf




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