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Kommentar zur türkischen Lira : Erdogans Verhängnis

Wenn es um den Machterhalt des türkischen Präsidenten geht, könnte die Währung bald entscheidender werden als die Opposition. Erdogan selbst hat an das Thema eine sehr persönliche Erinnerung.

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          Schafft die Lira, was die türkische Opposition in 16 Jahren nicht geschafft hat: Recep Tayyip Erdogan zu entmachten? Der Wertverfall der Währung und der Anstieg der Inflation sind besorgniserregend und zwingen Erdogan zum Umdenken.

          Statt die Zinsen auf jetzigem Niveau beizubehalten oder zu senken, wie es der Präsident irrwitzigerweise gefordert hatte, musste die Zentralbank die Sätze in einer Nacht-und-Nebel-Aktion anheben, um den Kapitalabzug einzudämmen. Doch die erratische Geldpolitik, der Ausnahmezustand und die vorgezogenen Wahlen samt Systemwechsel zum präsidialen Autoritarismus haben das Vertrauen der Investoren tief erschüttert.

          Auch die Wähler beginnen zu zweifeln, sie erinnern sich: 2001 geriet die Türkei in eine schwere Finanzkrise, weil das Leistungsbilanzdefizit und die Inflation aus dem Ruder liefen, weil das Kapital fluchtartig abwanderte und die Devisenschulden ins Unermessliche stiegen.

          So weit ist es noch lange nicht, die Banken sind heute viel stabiler als damals. Und doch müsste gerade Erdogan wissen, dass Wirtschafts- und Währungsfragen wahlentscheidend sein können: Ihn selbst und seine AKP haben sie in der Krise vor 16 Jahren an die Macht gespült.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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