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Auf Grund gelaufen : Stau im Suezkanal lässt Wirtschaft bangen

  • Aktualisiert am

Auf Grund gelaufen: Containerschiff „Ever Green“ im Suezkanal Bild: EPA

In der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge vor einer Unterbrechung der Lieferketten durch den blockierten Suezkanal. Auf Versicherer kommen Millionenkosten zu.

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          Der deutschen Wirtschaft kommt der Schiffsstau durch den blockierten Suezkanal teuer zu stehen. Chemieindustrie und Maschinenbauer warnen vor einer Störung der Lieferketten, die durch die Corona-Pandemie ohnehin unter Druck stehen. Selbst wenn das am Dienstag auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Green“ bald wieder flottgemacht und die wichtige Wasserstraße wieder befahrbar wird, rechnen Logistiker mit wochenlangen Problemen an den deutschen Häfen. Besonders das Geschäft mit Deutschlands wichtigem Handelspartner China dürfte leiden.

          „Die Störung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt“, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag auf Nachfrage. „Die Kapazitätsauslastung in der Chemie ist hoch. Entsprechend stark ist der Bedarf an Lieferungen aus Asien.“ Auch die Maschinen- und Anlagenbauer blicken mit Sorge auf die Havarie im Kanal. „Die asiatischen Märkte sind aktuell die Wachstumstreiber für den Maschinen- und Anlagenbau“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbands VDMA, Ralph Wiechers.

          Das rund 400 Meter lange Containerschiff „Ever Green“ blockiert seit Dienstag eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Dort dürften sich die Bergungsarbeiten noch hinziehen. „Wir können nicht ausschließen, dass es noch Wochen dauern könnte“, sagte der Chef der an den Bergungsarbeiten beteiligten Firma Bos, Peter Berdowski, dem niederländischen Fernsehsender „Nieuwsuur“.  

          Bild: dpa

          Zehn Schlepper bemühten sich bislang vergeblich, das etwa 400 Meter lange Schiff aus seiner Querlage in einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu befreien. Auf Fotos war zu sehen, wie Bagger Erde und Gestein von Rande des Kanals am Bug des Schiffs herausrissen. Der Ölpreis legte auch wegen des Unglücks um etwa sechs Prozent zu.

          Der 224.000 Tonnen schwere und 59 Meter breite Frachter gehört zu den größten Containerschiffen der Welt. Laut der Hafenbehörde war er im Zuge eines Sandsturms bei starkem Wind manövrierunfähig geworden, vom Kurs abgekommen und in der Nähe der Hafenstadt Suez auf Grund gelaufen. In beiden Richtungen stauten sich Schiffe.

          Der Verband Deutscher Reeder warnte vor den Auswirkungen einer längeren Blockade. „Das ist wie die Vollsperrung einer großen deutschen Autobahn. Je länger das dauert, desto deutlicher werden die Auswirkungen zu sehen sein“, sagte ein Sprecher. Auch nach der Blockade des Suezkanals komme vermutlich auf die Häfen eine weitere Ballung zu. Dann kämen alle Frachter auf einmal zur Abfertigung.

          Dieses Satellitenbild zeigt das Frachtschiff MV Ever Given, das im Suezkanal auf Grund gelaufen ist und seither die wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa blockiert
          Dieses Satellitenbild zeigt das Frachtschiff MV Ever Given, das im Suezkanal auf Grund gelaufen ist und seither die wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa blockiert : Bild: dpa / Planet Labs Inc.

          Während die Blockade auch die übrige deutsche Wirtschaft zunehmend beunruhigt, hat der Rückstau bisher kaum Auswirkungen auf den Hamburger Hafen. Von der Vorstandsvorsitzenden des Hafenkonzerns HHLA, Angela Titzerath, hieß es aber, dass eine langfristige Störung im Suezkanal „zu wirklich dramatischen Verzögerungen im Fahrplan“ führen würden.

          Im Schnitt fahren rund 50 Schiffe am Tag durch den Kanal

          Nach Angaben von Experten und aus Schifffahrtskreisen dürfte auf den japanischen Eigner Shoei Kisen und die Versicherer Forderungen in Millionenhöhe zukommen. „Alles fällt auf das Schiff zurück“, sagte David Smith, zuständig für die Seefahrt beim Versicherungsbroker McGill and Partners. Zwei Insidern zufolge ist die „Ever Given“ bei japanischen Firmen versichert. In Branchenkreisen war von 100 bis 140 Millionen Dollar an Versicherungssumme allein für Schäden am Rumpf und den Maschinen die Rede. Zudem dürften die Besitzer der gestauten Schiffe einen Ausgleich fordern. Ein Anwalt, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Das ist möglicherweise das größte Desaster mit einem Containerschiff, bei dem es keinen Knall gab.“ Eine Stellungnahme von Shoei Kisen lag nicht vor.

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          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Alle Wege führen nach Asien Bild: Jens Giesel

          Durch den Suezkanal fließen rund zwölf Prozent des globalen Frachtvolumens und etwa 30 Prozent des Containervolumens. Im vergangenen Jahr passierten der Kanalbehörde zufolge fast 19.000 Schiffe und damit durchschnittlich fast 52 Schiffe pro Tag die Wasserstraße. Die alternative Route um die Südspitze Afrikas dauert gut eine Woche länger. Für Ägypten ist der Kanal eine wichtige Quelle von harten Währungen: Die Summe betrug 2020 etwa 5,6 Milliarden Dollar.

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