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Lieferengpässe : EU und USA wollen Chip-Subventionswettlauf verhindern

Halbleiterproduktion des niederländischen Unternehmens ASML in Veldhoven Bild: via REUTERS

Die Versorgung mit Halbleitern stockt nach wie vor. Europäer und Amerikaner stecken deshalb Milliardensubventionen in den Aufbau eigener Werke. Zumindest wollen sie sich dabei künftig nicht mehr gegenseitig überbieten.

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          Die EU und die USA reagieren auf die fortdauernden Lieferengpässe in der Versorgung mit Halbleitern mit Milliardeninvestitionen in den Aufbau eigener Produktionskapazitäten. Für Werke wie das geplante Intel-Werk in Magdeburg fließen Staatshilfen in Milliardenhöhe. Der „EU Chips Act“ soll bis 2030 rund 45 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln mobilisieren. Die Amerikaner diskutieren einen eigenen „Chips Act“ in ähnlicher Höhe.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Umso mehr wollen beide Seiten nun zumindest verhindern, dass der transatlantische Subventionswettlauf weiter Fahrt aufnimmt. „Ein Subventionswettlauf muss verhindert werden“, heißt es in den Abschlussdokumenten des zweiten Treffens des im vergangenen Sommer ins Leben gerufenen US-EU-Handels- und Technologierats (TTC) am Montag in Paris. Dafür wollen die EU und die USA fortan Höhe, Ziel und Art der Subventionen und, soweit möglich, auch den Empfänger offenlegen.

          Darüber hinaus wollen Europäer und Amerikaner einen Frühwarnmechanismus schaffen, um drohende Engpässe in der Halbleiterversorgung frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können. Die zuständigen Behörden sollen sich dafür mindestens alle zwei Wochen treffen, um Informationen über die Versorgungslage auszutauschen. Der transatlantische Frühwarnmechanismus soll zwei Monate lang getestet werden und dann eventuell in ein dauerhaftes Ins­trument umgewandelt werden.

          Mit einer Entspannung der Lage bei der Chipversorgung rechnen beide Seiten trotz des Anstiegs der Chiplieferungen zum Ende des vergangenen Jahres nicht. „Wir rechnen damit, dass das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in naher Zukunft nicht zurückgehen wird“, heißt es in der Erklärung.

          Nachfrage nach seltenen Erden steigt

          Die Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen und Produkten hat in den vergangenen Monaten auch ansonsten eine zentrale Rolle in dem Gremium und den zehn Arbeitsgruppen gespielt, mit denen die EU und die Vereinigten Staaten ihre Handelspolitik nach den Konflikten der vergangenen Jahre besser abstimmen wollen.

          Dabei geht es allem voran um die Versorgung mit den sogenannten seltenen Erden, die für die Herstellung von Windturbinen, Elektroautos, Festplatten, Motoren oder Werkzeugen benötigt werden, und von Solarpaneelen. Für beides werde die Nachfrage bis 2050 rapide ansteigen, weil sie für die Dekarbonisierung von Industrie und Energieversorgung benötigt würden, hält das Abschlussdokument des Treffens fest.

          Zugleich sind die Förderung und Verwertung von seltenen Erden ebenso stark in China konzentriert wie die Fertigung von Solarpaneelen. Europäer und Amerikaner wollen deshalb auch mit staatlichen finanziellen Anreizen die Wiederverwertung von Rohstoffen fördern, die eigene Produktion ankurbeln und in den vergangenen Jahren stillgelegte Werke zum Bau von Solarpaneelen wieder in Betrieb nehmen.

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