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Mehr Bio-Artikel : Lidl will größeres Stück vom Bio-Kuchen

  • Aktualisiert am

Lidl-Werbung für die Kooperation mit Bioland Bild: dpa

Der Discounter erkennt einen Wandel im Kunden-Verhalten und will sein Bio-Angebot ausbauen. Das planen auch Aldi, Rewe und Co. Die Strategien der Konkurrenten unterscheiden sich allerdings.

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          Der Discounter Lidl will wegen steigender Nachfrage sein Bio-Sortiment rasch erweitern. „Der Bio-Anteil im Gesamtmarkt liegt bei etwa fünf Prozent, da sind wir bei Lidl noch nicht, aber da wollen wir kurzfristig hin“, sagte Lidl-Einkaufs-Geschäftsführer Christof Mross der „Augsburger Allgemeinen“ vom Samstag. Die Nachfrage der Kunden verändere sich, „darauf müssen wir reagieren, um langfristig erfolgreich zu bleiben“.

          Die Nachfrage nach Bio-Artikeln explodiere zwar nicht, „aber es ist ein stetiger Wandel, den wir beobachten“, sagte Mross der Zeitung. „Die Zahl der Menschen, die wirklich bereit sind, an der Kasse mehr zu zahlen, nimmt zu.“ Das hat auch Konkurrent Aldi erkannt, der mit 14,6 Prozent Marktanteil im Bereich Bio-Lebensmittel Marktführer in Deutschland ist. Rund 330 Produkte mit Bio-Siegel gibt es bei Aldi zu kaufen. Seit kurzem gehören dazu auch Produkte der Marke Schneekoppe und deren Mehrheitseigentümer, der ehemalige Fußballprofi Philipp Lahm, wirbt nur zu gerne für „Bio zum Discounterpreis“.

          Der Umsatz mit Bio-Produkten steigt in Deutschland beständig an: 2018 gaben die Konsumenten 5,5 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus als 2017, insgesamt 10,91 Milliarden Euro. 2008 waren es noch 5,85 Milliarden Euro.

          Bio boomt nicht nur bei Lidl

          Im Gegensatz zu Aldi stellt Lidl seit vergangenen Herbst sein Bio-Sortiment allerdings um und setzt zunehmend auf Produkte, die die Bedingungen des Anbauverbandes Bioland erfüllen. Diese übersteigen etwa in Punkto Tierhaltung oder Düngereinsatz den Mindeststandard nach der EU-Ökoverordnung teilweise erheblich.

          Einen ähnlichen Weg gehen auch andere Händler: Rewe etwa arbeitet bei seiner Eigenmarke mit dem Anbauverband Naturland zusammen, während Real mit Demeter, dem ältesten Bio-Anbauverband, der zugleich die strengsten Standards anlegt, kooperiert.

          Innerhalb der Bio-Szene wird dieser Trend freilich nicht nur positiv gesehen, da vor allem kleinere Fachhändler darunter leiden, dass Bio-Produkte in den großen Supermärkten immer mehr Platz im Regal einnehmen. Der Marktanteil der Naturkostfachgeschäfte sinkt seit Jahren, während der konventionellen Supermärkte und Biokettten wie Alnatura oder Denns zunimmt. Umsatzsteigerungen kann freilich auch der Fachhandel für sich verbuchen.

          „Brauchen mehr Bio“

          Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Bundes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW), der Dachorganisation der deutschen Bio-Erzeuger und -Händler und als Landwirt selbst im Naturland-Verband organisiert, sagte zu der aktuellen Entwicklung in der F.A.Z. einmal ganz pragmatisch: „Wenn es ums Ganze geht – und das tut es – dann brauchen wir noch sehr viel mehr Bio auf dem Acker und in den Regalen.“ Ähnlich argumentiert man auch bei Lidl-Partner Bioland: „Unsere Werte und unser Qualitätsanspruch werden sich durch die Kooperation mit dem Discount nicht verändern.“

          Lidl-Manager Mross sprach sich unterdessen auch für ein gesetzlich verpflichtendes Tierwohl-Label statt der geplanten freiwilligen Lösung aus. „Grundsätzlich begrüßen wir, dass ein staatliches Tierwohl-Label kommen soll“, sagte der Einkaufs-Geschäftsführer der „Augsburger Allgemeinen“. „Aber wir würden uns wünschen, dass es verpflichtend kommt“ - nicht nur für den Handel, sondern auch für die Gastronomie und die verarbeitende Industrie. „Es hätte eine ganz andere Wirkung, wenn sich alle beteiligen würden.“

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