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Letzte Draghi-Pressekonferenz : „Niemals aufgeben!“

Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi zu Beginn seiner letzten Pressekonferenz. Bild: Reuters

Mario Draghi erklärt der Öffentlichkeit noch ein letztes Mal die Entscheidung der EZB-Führung. Mit derselben Ruhe, mit der er das all die Jahre getan hat.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Mario Draghi verlässt in wenigen Tagen die Europäische Zentralbank. Zum 1. November übergibt der Notenbank-Präsident die Geschäfte an seine Nachfolgerin Christine Lagarde. Anzumerken ist ihm das während der letzten Pressekonferenz nicht, die er an diesem Donnerstag am Sitz der EZB in Frankfurt gibt. Draghi kommt wie immer in dunklem Anzug (mit blauer Krawatte), sortiert seine Dokumente, begrüßt mit derselben Formel, mit der er das all die Jahre getan hat.

          Er erwähnt, dass auch an dieser Ratssitzung neben den Währungshütern der EU-Kommissar Valdis Dombrovskis teilgenommen hat, wie er das immer tut. Dann sagt er, und daran lässt sich erkennen, dass das ein Schlussakt ist, dass auch die nächste Präsidentin Lagarde nun teilgenommen hat.

          Und dann liest er, ebenfalls wie immer, die Entscheidung der Notenbanker vor. Er erklärt in der ihm eigenen monotonen Stimmlage, dass die Zinsen auf Tiefständen bleiben, erläutert dann den Wirtschaftsausblick und nennt Daten, die wichtig für die Währungshüter sind. Draghi bekräftigte, dass die Zinsen lange Zeit niedrig bleiben werden. Und er betonte, dass die Netto-Anleihekäufe am 1. November wieder aufgenommen werden – so wie das die Notenbanker schon im September beschlossen hatte, im Volumen von 20 Milliarden Euro monatlich.

          Persönlich wird der EZB-Präsident in der anschließenden Fragerunde. Auf die Frage, ob er einen Rat an seine Nachfolgerin habe, antwortete er schmunzelnd, dies sei nicht nötig, weil sich Lagarde sehr gut auskenne. Als Fazit zog er an mehreren Stellen, dass die EZB unter seiner Führung stets mit Bestimmtheit versucht habe, das Mandat der Währungshüter zu erfüllen. „Ich bin stolz darauf, wie der EZB-Rat und ich das Mandat verfolgt haben“, sagte Draghi konkret auf seine Rede in London im Sommer 2012 angesprochen, während der er die berühmt gewordenen Worte „whatever it takes“ sagte. Und dann fügte er doch noch mit Nachdruck an: „Teil unseres Vermächtnisses ist: Niemals aufgeben!“

          Die Europäische Währungsunion wiederum befinde sich gegenwärtig in einem viel besseren Zustand als noch vor Jahren. Draghi mahnte, Länder wie Griechenland müssten den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Gefragt, was er für den Euroraum empfehlen würde, sagte er: Eine Fiskalkapazität sei nötig für eine funktionierende Währungsunion – sei es ein gemeinsames ausreichend großes Budget oder ein Versicherungssystem für Krisenzeiten. Dann dankte er den Journalisten und betonte, wie wichtig die Kommunikation als Mittel der Geldpolitik geworden sei und wie wichtig darum auch die Medien seien. Und dann geht er. Mit einem Lächeln. Und ruhig.

          Anleihekäufe und Negativzinsen

          Bankenvertreter und Fachleute würdigten derweil die Leistung Draghis und zogen Bilanz unter seine Amtszeit. „Die Leistungen von Mario Draghi als EZB-Präsident insbesondere in der ersten Hälfte seiner Amtszeit sind unbestritten. Mit einer klaren Kommunikation ist es der europäischen Notenbank ab Sommer 2012 gelungen, das Vertrauen in die Währungsunion wieder zu stärken“, befand der Präsident des Bankenverbandes, Hans-Walter Peters: „In der Folgezeit hat sich die EZB mit dem von ihr eingeschlagenen Krisenmodus jedoch festgefahren. Trotz eines kräftigen Wirtschaftswachstums im gesamten Euroraum ist es ihr nicht gelungen, aus der Krisenpolitik herauszukommen. Noch schlimmer, sie hat die Zinsen immer weiter in den Minusbereich gedrückt – zum Leid der Sparer und des gesamten Finanzwesens.“

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