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LetsBuyIt.com : Rettung in letzter Sekunde

  • Aktualisiert am

Vorstand John Palmer: LetsbuyIt.com gerettet? Bild: dpa

Der Powershoppinganbieter LetsBuyIt.com konnte den Konkurs zumindest vorläufig abwenden. Der Ex-Hacker Kim Schmithz will die nötigen Millionen aufbringen.

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          Kim Schmitz als Retter in der Not: Bis zu 50 Millionen Euro will der Ex-Hacker via seiner Risikokapitalgesellschaft Kimvestor in LetsBuyIt.com stecken. Der Internet-Powershopper kann das Geld gut gebrauchen - kreist doch seit Wochen schon der Pleitegeier. Schmitz ist überzeugt, dass seine Millionen bei LetsBuyIt gut aufgehoben sein werden.

          „Ich habe mehr Hintergrundinformationen als sonst jemand“, brüstete sich der ehedem als „Mr. Kimble“ bekannte Computer-Experte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. So zeigt er sich zuversichtlich, dass LetsBuyIt im vierten Quartal 2002 die Gewinnzone erreichen wird. Das Konzept sei brilliant. Die Geschäftsidee ist die Nutzung von Großabnehmerrabatten durch Co-Shopping - viele Kunden schließen sich zusammen und drücken so den Preis für einen Artikel. Das Interesse ist jedenfalls da: Über eine Millionen registrierte Nutzer sorgten im vergangenen Jahr für einen Umsatz von 38,5 Millionen Euro.

          Knapp am Konkurs vorbei geschrammt

          Vorerst hat Kimvestor zusammen mit weiteren Investoren vier Millionen Euro in das verluststrächtige Unternehmen gepumpt. Die Finanzspritze reicht aus, um LetsBuyIt eine Weile über Wasser und somit am Leben zu halten - die Vergleichsverwalter zeigten sich jedenfalls erstmal besänftigt, ein Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens wurde zurückgezogen. Anfang Januar hatte ein Amsterdamer Gericht dem Unternehmen ein vorläufiges Schuldenmoratorium gewährt - die Gnadenfrist ist am Donnerstag abgelaufen.

          Unternehmenschef John Palmer zeigte sich verständlicherweise sehr erfreut über den neuen Dreh in der Entwicklung. Obwohl sich das Unternehmen eindeutig in einer schwierigen Phase befinde, blicke man vor dem Hintergrund der fortlaufenden Unterstützung durch Investoren zuversichtlich in die Zukunft. LetsBuyIt benötige lediglich 40 Millionen Euro, um die Gewinnzone im vierten Quartal 2002 zu erreichen. Das wären immerhin zehn Millionen Euro weniger als Schmitz zur Verfügung stellen will. Dabei sei LetsBuyIt nicht einmal ausschließlich auf die Münchener Kapitalgeber angewiesen. „Kimvestor ist nicht die einzige Option, wir haben viele Optionen", betonte Palmer.

          Wer die weiteren Investoren sind, ist noch nicht ganz klar. „Die norwegische Firma CoShopper ließ immerhin verlauten, dass sie weiter daran interessiert sei, Teile von LetsBuyIt zu übernehmen. Nähere Angaben wollte der CoShopper-Chef Frode Lervik jedoch nicht machen. ProSieben, mit knapp 17 Prozent immer noch der größte Anteilseigner, bestritt dagegen eine Behauptung von Kim Schmitz, demzufolge der Medienkonzern weiteres Geld in LetsBuyIt stecken wolle. „ProSieben wird kein Cash mehr in LetsBuyIt investieren,“ sagte ein Sprecher.

          Händler und Analysten bleiben skeptisch

          Die Aktie - ja, es gibt sie noch - schoss am Vormittag in der Spitze um mehr als 130 Prozent in die Höhe. Allerdings gilt der Titel aufgrund der Schwierigkeiten von LetsBuyIt als Penny-Stock, sprich: selbst nach einer Verdopplung des Kurses liegt dieser noch deutlich unter einem Euro. Doch Börsianer winken nach wie vor ab. „Es glaubt kein Mensch an eine Rettung", sagte ein Händler. Derzeit seien reine Zocker am Markt. Mit mehr als 24 Millionen umgesetzten Stücken war die Aktie das meist gehandelte Papier im Xetra-Handel. „Totgesagte leben länger", kommentierte ein anderer Börsianer. Wenn sich die Meldung über einen Investor bewahrheite, könne die Aktie weiter steigen.

          Analysten wollten dem Braten auch noch nicht so richtig trauen. So stuft Independent Research die Aktie nach wie vor mit “Verkaufen“ ein. Die Finanzspritze über vier Millionen Euro sei kein Grund in Euphorie auszubrechen - an der grundlegenden Situation des Unternehmens habe sich nichts geändert. Eine Anlage in die Aktie halten die Analysten daher weiterhin für „hochspekulativ“. So darf spekuliert werden, welche besonderen Informationen Kim Schmitz in der Hinterhand hält.







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