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Leitungsbau : Noch 50 Milliarden Euro für das Stromnetz?

Die Kosten für den Ausbau von regionalen Stromnetzen sind enorm. Bild: dpa

Der Bundeswirtschaftsminister hat rechnen lassen. Die Zahlen haben es in sich: Auf die Verbraucher kommen für den Leitungsbau Preisaufschläge von bis zu zwanzig Prozent zu.

          Die Energiewende wird wohl noch etwas teurer. Jüngster Kostentreiber ist der Ausbau der regionalen Stromnetze. Die müssen verstärkt werden, um die schnell wachsenden Mengen dezentral erzeugten Ökostroms aus Biogasanlagen, Windstromkraftwerken und Photovoltaikanlagen an die großen Netzknotenpunkte zu transportieren, von wo aus sie zügig und in großen Mengen in die Verbrauchszentren geleitet werden können.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das Wirtschaftsministerium hat unlängst Fachleuten erstmals ein Konzept präsentiert, nach dem bis zum Jahre 2032 „je nach Szenario zusätzliche Gesamtinvestitionen in Höhe von 23 bis 49 Milliarden Euro erforderlich“ werden. Die jährlichen Kosten der Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze, die die Verbraucher tragen, „erhöhen sich um 10 bis 20 Prozent in den nächsten 20 Jahren“, heißt es in dem Gutachten, das das Ministerium auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Kalkuliert wird mit jährlichen Mehrkosten von 1,8 bis 3,8 Milliarden Euro – die für den Neubau von „Stromautobahnen“ im Höchstspannungsnetz sind dabei nicht eingerechnet.

          Ökostrom-Ausbauplan hat einen hohen Preis

          Die gute Nachricht lautet: Bis zu einem Drittel billiger ginge es allerdings dann, wenn nicht jede Kilowattstunde Ökostrom ins Netz eingespeist werden müsste, wenn der Netzbetreiber Anlagen – anders als heute – großzügiger abregeln dürfte, die Netze und Transformatoren elektronisch besser gesteuert würden.

          Laut der Untersuchung, die externe Experten angestellt haben, müssen ansonsten bis zum Jahr 2032 mindestens 130.000 Kilometer neue Leitungen gelegt werden, viele davon als teure Erdkabel. Sollten sich die Bundesländer mit ihren sehr weitreichenden Ökostrom-Ausbauplänen durchsetzen, wachse der Netzausbaubedarf sogar auf 280.000 Kilometer.

          Zwar umfasst die betrachtete Zeitspanne für den Netzausbau 18 Jahre, doch müssten 70 Prozent der Investitionen bis 2022 abgearbeitet sein. Deshalb wüchsen die Kosten für die Verbraucher bis dahin überproportional. Bliebe es bei dem von der Regierung verfolgten Ökostrom-Ausbauplan, „steigen die jährlichen Kosten viermal schneller als in der darauffolgenden Dekade“.

          Unterschiedliche Notwendigkeiten

          Da die neuen Leitungen dort gebraucht werden, wo der Ökostrom erzeugt wird, ergeben sich regional unterschiedliche Notwendigkeiten: Im Süden, wo es viele kleine Photovoltaikanlagen gibt, müsse vor allem das Niedrigspannungsnetz verstärkt werden. Im teuren Hochspannungsnetz entfielen dagegen mehr als zwei Drittel der Ausgaben auf den Norden und den Osten, „weil in diesen Regionen die Windenergie die entscheidende Rolle spielt und sich ein großflächiger Transport zu den Lastschwerpunkten ergibt“.

          Claudia Stöhr kann davon ein Lied singen. Sie ist Geschäftsführerin der Hochspannungsnetz Magdeburg GmbH und damit für den Betrieb des Hochspannungsnetzes in Sachsen-Anhalt verantwortlich. Im Land wird erheblich mehr Strom erzeugt als verbraucht. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Netzausbau dem Ausbau vor allem der Windräder nicht hinterherhinken würde.

          Dabei haben die Stromversorger in den vergangenen Jahren viel getan, um das bestehende Netz zu erweitern, zu verstärken und zu ertüchtigen. Neue Leitungen wurden gezogen, Umspannwerke gebaut, Freileitungen höher gelegt, um den Seilen bei größerem Stromfluss und damit steigender Temperatur ein tieferes Durchhängen zu gestatten, berichtet Herbert Freitag, Netztechnikchef der Eon-Tochtergesellschaft Avacon. Er betreibt das Geschäft schon ein paar Jahre und weiß: Ende der 80er Jahre war das Netz auf 1.100 Megawatt ausgelegt, in den 90er Jahren betrug die Last 750 Megawatt. Aktuell belaufe sich die installierte Leistung von Ökostromerzeugern im Norden Sachsen-Anhalts auf 3.000 Megawatt.

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