https://www.faz.net/-gqe-7m5st

Leitungen : Friedrich für streckenweise unterirdische Stromtrassen

  • Aktualisiert am

Erdkabel zur Stromübertragung Bild: dapd

Die Kritik am Kurs Bayerns beim Netzausbau reißt nicht ab. Minister Friedrich macht sich für unterirdische Leitungen stark. Die Waldbesitzer fordern Entschädigungen. CSU-Chef Seehofer keilt zurück.

          2 Min.

          Im Streit um Höchstspannungs-Leitungen quer durch Deutschland regt Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich an, die Trassen teilweise in die Erde zu legen. Erdkabel sollten „dort ermöglicht werden, wo Bevölkerung und Landschaftsbild besonders beeinträchtigt werden“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Das wäre zwar deutlich teurer. Aber die Kosten sollten tragbar sein, wenn man die Kabel lediglich in der Nähe von Siedlungsgebieten unter der Erde verlegen würde.“

          Gegen die geplante Nord-Süd-Stromtrasse, die in Bayern durch Franken nach Augsburg verläuft, gibt es vielerorts heftigen Widerstand. Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer fordert vor der bayerischen Kommunalwahl im März deshalb einen Planungsstopp.

          Friedrich sagte: „Man kann den Leitungsbau nicht gegen, sondern nur gemeinsam mit den Bürgern und Kommunalpolitikern organisieren. Niemand hat so eine Leitung gerne direkt vor der Haustür.“ Die CSU stehe zur Energiewende, kämpfe aber für eine bürger- und umweltfreundliche Umsetzung.

          Seehofer: „Wir Bayern brauchen keine Belehrung von irgendjemand“

          Kritik an Seehofer kam aus Mecklenburg-Vorpommern. „Die großen Unternehmen, die ihm in Bayern mit ihren Steuern die Landeskasse füllen, brauchen künftig auch Windstrom aus dem Norden“, sagte Energieminister Christian Pegel (SPD) in Schwerin. Bei der angestrebten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gehe es um ein Gesamtpaket, bei dem die Interessen einzelner Bundesländer und des Bundes in Einklang gebracht werden müssten. Mecklenburg-Vorpommern will schon in wenigen Jahren den eigenen Energiebedarf mit Ökostrom decken und darüber hinaus auch andere Bundesländer beliefern.

          Der zuletzt viel gescholtene Seehofer hält aber an seinem Kurs fest. „Wir Bayern brauchen keine Belehrung von irgendjemand“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Bild“-Zeitung (Samstag). Keiner könne „sich mit uns messen, der selber seine Hausaufgaben bei der Energiewende noch nicht gemacht hat.“ Er dringe darauf, dass die großen Stromtrassen nach Bayern noch einmal auf ihre Notwendigkeit und auf ihre Machbarkeit hin überprüft würden. „Das Geschwätz, das dazu eingesetzt hat von EU-Kommissar (Günther) Oettinger und anderen Ortsunkundigen, wird an dieser bayerischen Forderung nichts ändern“, sagte Seehofer weiter.

          In Bayern regt sich großer Widerstand gegen die Trassenführung. Oettinger hatte einen schnellen Bau der Leitungen angemahnt und Seehofer zum Einlenken aufgerufen.

          Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp zu Guttenberg, fordert derweil höhere Entschädigungen für die Bereitstellung von Flächen für den Netzausbau. Wo neue Schneisen durch den Wald geschlagen werden müssten, würden Waldbesitzer ihre „Produktionsgrundlage“ verlieren, sagte er der Zeitung „Die Welt“ (Samstag). „Wir wehren uns nicht gegen die Energiewende“, es gehe um eine angemessene Entschädigung, die jährlich gezahlt werden sollte.

          Weitere Themen

          Tirol sperrt nun auch im Winter seine Straßen

          Fahrverbote : Tirol sperrt nun auch im Winter seine Straßen

          Deutsche Skitouristen müssen sich auf Verkehrsbeeinträchtigungen gefasst machen. Im Sommer hatten ähnliche Verbote zu einem heftigen Streit zwischen den Nachbarländern geführt.

          Reich werden im Casino Video-Seite öffnen

          Macau : Reich werden im Casino

          Macau, einst eine vergessene portugiesische Kolonie, ist jetzt der zweitreichste Ort der Erde und das größte Zockerparadies der Welt. Aber dieser Wohlstand kostet.

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.