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Leitartikel Wirtschaft : Energiesparen im Heizungskeller

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Staubsauger und Waschmaschinen haben mit Heizungskesseln und Automobilen eines gemeinsam. Sollen sie die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen, benötigen sie Energie - in Form von elektrischem Strom, Heizöl und Benzin.

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          Das größte Potential bieten nicht Glühlämpchen, sondern Heizen und Warmwasser.

          Staubsauger und Waschmaschinen haben mit Heizungskesseln und Automobilen eines gemeinsam. Sollen sie die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen, benötigen sie Energie - in Form von elektrischem Strom, Heizöl und Benzin. Doch bei aller prinzipiellen Ähnlichkeit gibt es einen eklatanten Unterschied: Während sich Elektrogeräte wie selbstverständlich ihr Lebenselixier, den elektrischen Strom, aus dem Netz ziehen, müssen Ölheizungen und Autos regelmäßig betankt werden.

          Bis auf zwei Stellen hinter dem Komma bekommen Autofahrer an den Zapfsäulen gezeigt, wie viel Liter sie gerade gekauft haben. Eine simple Dreisatzrechnung genügt, den Durchschnittsverbrauch zu ermitteln: für die Bordcomputer moderner Fahrzeuge eine leichte Übung. Diesen Service bieten moderne Hausgeräte nicht. Nur wer sich im Baumarkt für einige Euros einen Strommesser holt und ihn zwischen Wäschetrockner und Steckdose klemmt, erfährt, welche Strommenge (und damit wie viel Euros) ihn der Luxus kuschelweicher Handtücher kostet.

          Verbrauchsmesser im Haushalt sind heute die Ausnahme. Dabei wäre die Kenntnis über den Stromhunger der Geräte für die Nutzer die entscheidende Information, um "datenbasiert" entscheiden zu können, ob man tatsächlich die alte, gerade gegen eine neue getauschte Gefriertruhe als "Reserve" in den Keller stellt.

          Trotz der in den zurückliegenden Tagen intensiv geführten Debatte, ob ein Verbot althergebrachter Glühlampen, die wegen ihrer schlechten Energieausbeute besser Glühöfen heißen würden, der richtige Schritt hin zu der sicherlich notwendigen Neuausrichtung unserer Energiepolitik ist, liegen die Vorstellungen über die in Haushalten und Büros vergeudeten Energiemengen weiter im Dunkeln. Umfragen bestätigen diese Unkenntnis immer wieder. Allein durch die stromschluckenden sogenannten Leerlaufverluste (durch "Bereitschaftshaltung" und unnötigen Dauerbetrieb von Elektrogeräten) kommen rund 22 Milliarden Kilowattstunden zusammen. Eine Menge, die ausreicht, ein Jahr lang die Bundeshauptstadt Berlin mit Strom zu versorgen. 4,1 Milliarden Euro werden auf diese Weise verschwendet. Jeder deutsche Haushalt zahlt rund 85 Euro im Jahr mehr an die Stromversorger als nötig. Und die Elektrizitätserzeuger müssen dafür Kraftwerke mit einer Leistung von 2500 Megawatt betreiben.

          Jeder Haushalt kann also Stromkosten vermeiden, wenn er nach dem Gebrauch seine Geräte stets komplett vom Netz trennt. Doch Vorsicht: Wer etwa seinen PC nebst Peripheriegeräten über eine schaltbare Steckdose mit Strom versorgt, der handelt zwar energiebewusst. Doch sein Budget entlastet er damit nicht unbedingt. So werden die Düsen von Tintenstrahldruckern bei jedem Neustart "durchgepustet", was mehr Tinte kostet, als durch den geringeren Stromverbrauch gespart werden kann.

          Es will also genau überlegt sein, wie man den häuslichen Energieverbrauch am effektivsten reduzieren kann. Dabei spielen das Vermeiden von Stand-by-Verlusten und das Tauschen stromhungriger Elektrogeräte gegen Sparapparate eine wichtige Rolle. Doch nicht die entscheidende. Denn lediglich 13 Prozent der in den Haushalten eingesetzten Energie entfallen auf Elektrogeräte und Beleuchtung. Der große Rest wird fürs Heizen und für das Erwärmen von Duschwasser benötigt.

          Hier bringen Veränderungen deutlich größere Erfolge. Doch wo anfangen? Pauschale Antworten sind nicht möglich. Vor jeder Investition muss in Abhängigkeit von Art und Zustand der Immobilie genau geklärt werden, ob man das Geld besser für eine umfassende Dämmung des Hauses oder für die Anschaffung einer neuen Heizungsanlage ausgibt. Fällt die Entscheidung zugunsten der Heizung, steht man erneut vor der Qual der Wahl. Rund ein halbes Dutzend unterschiedlicher Systeme werden angeboten, wobei bei Gas- und Ölheizkesseln mit der Brennwerttechnik das Ende der Effizienzskala erreicht ist. 96 Prozent der mit dem Brennstoff eingefüllten Energie werden in Raumwärme umgewandelt. Mehr geht nicht.

          Trotz dieses mustergültigen Ergebnisses bleibt derzeit die Bereitschaft, diese Spargeräte zu kaufen, hinter den Erwartungen der Hersteller zurück. Schuld ist das schlechte Image der fossilen Energieträger Öl und Gas. Sie gelten als rückständig - als nicht modern. Modern sind die erneuerbaren Energien. Allen voran Holzscheit- und Holzpelletöfen, deren boomende Nachfrage die Preise für den Brennstoff Holz nahe an die des Heizöls herangeführt hat. Durchaus nennenswerte Zuwächse gibt es auch bei den Wärmepumpen. Sie bieten den großen Vorteil, dass sich mit ihnen im Vergleich zu einer konventionellen Heizung die Betriebskosten auf rund ein Drittel senken lassen. Nachteilig ist nur der recht hohe Anschaffungspreis.

          Fast euphorisch wird momentan diskutiert, die aus ölhaltigen Früchten und stärkehaltigen Pflanzen gewonnenen "Ackerbrennstoffe" Biodiesel und Bioethanol für die Wärmeerzeugung zu nutzen. Zwar sind noch nicht alle Details geklärt, doch aus technischer Sicht dürfte das kein Problem sein. Dass es aber in größerem Umfang erfolgen wird, ist eher unwahrscheinlich. Dafür sorgt das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Denn nur wer diese Biobrennstoffe verstromt, bekommt üppige Erlöse garantiert. Wer damit Heizwärme erzeugt, geht leer aus.

          Die Wahl der richtigen Sanierungsstrategie für den Heizungskeller ist nicht leicht zu treffen. Entscheidend ist, dass dennoch (rasch) gehandelt wird. Denn immerhin entfallen auf den Wärmemarkt knapp 40 Prozent des gesamten deutschen Energiebedarfs. Durch den Einsatz moderner Anlagentechnik ließe sich der ohne Schwierigkeiten um zehn Prozentpunkte senken.

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