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Lehman-Pleite vor zehn Jahren : Ein Drama in fünf Zahlen

  • Aktualisiert am

Ein Schriftzug zeigt das Datum "15. September" an der Zentrale von Lehman Brothers an. Bild: dpa

Am 15. September jährt sich die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers und damit der Auftakt zur Finanzkrise zum zehnten Mal. Was dann geschah, zeigen Zahlen besser als Worte.

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          Der September und der Oktober 2008 waren Monaten höchster Anspannung, nur mit Mühe konnte eine Kernschmelze des globalen Finanzsystems vermieden werden. Fünf Zahlen zeigen, welche dramatischen Folgen der Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hatte.

          Rund 800 Milliarden Euro: Soviel Geld haben die sechs größten EU-Staaten und Amerika in den Monaten nach dem Lehman-Crash im September 2008 aufgewendet, um die Finanzbranche zu stützen. Nach Berechnungen der Finanzbranche entfielen auf die Vereinigten Staaten 471,5 Milliarden Euro, gefolgt von Großbritannien (129,2 Mrd), den Niederlanden (80,4 Mrd), Deutschland (74,3 Mrd), Frankreich (30,0 Mrd), Spanien (19,0 Mrd) und Italien (10 Mrd).

          Run 50.000: So viele Anleger waren aus Deutschland betroffen. Viele von ihnen hatten die Zertifikate der niederländischen Lehman-Tochterfirma gekauft. Da die Zertifikate nicht der Einlagensicherung unterlagen, waren sie nach der Insolvenz wertlos. Nach Schätzungen von Verbraucherschützern hatten die Anleger bis zu einer Milliarde Euro investiert. In komplizierten Prozessen konnte ein Teil Vergleiche schließen, Teilentschädigungen oder Abschlagzahlungen aus der niederländischen Insolvenzmasse bekommen.

          17 Milliarden Euro: So groß war am Ende die Insolvenzmasse im Verfahren um den deutschen Ableger, das Frankfurter Lehman Brothers Bankhaus AG. Nach neun Jahren wurden damit die 750 Gläubiger, entschädigt sowie Steuern und Honorare der Insolvenzverwaltung bezahlt.

          2500 Euro: So hoch war die Abwrackprämie, die im Zuge des dramatischen Konjunktureinbruchs 2009 für das Verschrotten alter Autos gezahlt wurde. Insgesamt gingen binnen eines Jahres knapp zwei Millionen Anträge ein, der Fördertopf wurde auf fünf Milliarden Euro erhöht. Mit weiteren Milliardenspritzen wurde versucht, die tiefe Rezession abzufedern – und Hunderttausende Arbeitsplätze konnten durch Kurzarbeitsregelungen und Beitragsentlastungen der Arbeitgeber gerettet werden.

          50: So viele Gesetze und Verordnungen listet allein das deutsche Bundesfinanzministerium als Folge des Lehman-Zusammenbruchs und der Finanzkrise auf. Schon einen Monat nach der Lehman-Pleite wurde im Eilverfahren das Finanzmarktstabilisierungsgesetz beschlossen, von besonderer Bedeutung war das vom Namen her längste Gesetz: „Gesetz zur Abschirmung von Risiken und zur Planung der Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten und Finanzgruppen“.

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