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Lebensmittel : Aldi, Lidl und Rewe nehmen holländische Eier aus Sortiment

  • -Aktualisiert am

Steigt das Risiko für Herzerkrankungen durch eine erhöhte Eierzufuhr? Bild: dpa

Bei weiteren Geflügelbetrieben hat sich der Verdacht auf Fipronil-Belastung bestätigt. Die großen Handelsketten reagieren.

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          Die großen Handelsketten haben auf das Bekanntwerden der Lieferungen mit einem Insektizid kontaminierter Eier aus den Niederlanden reagiert. Wie mehrere Ketten mitteilten, so Aldi, Lidl und Rewe, listeten sie diese Eier aus dem Nachbarland vorübergehend aus. Im Fall von Aldi Süd bezieht sich dies vor allem auf die Betriebe, „bei denen der Einsatz von Fipronil bekannt oder der Status unklar ist“ – das sind rund gesperrte 180 Höfe in den Niederlanden und einige in Deutschland und Belgien. Rückrufe gab es derweil nicht.

          Bild: dpa

          Rewe und Penny ließen sogar alle niederländischen Eier aus dem Regal nehmen. Darüber beklagte sich am Donnerstag der Geflügelhalterverband der Niederlande: Die Gefahr sei gebannt, alle jetzt produzierten Eier seien sauber. In den Niederlanden war, wie berichtet, über Reinigungsfirmen für Ställe das Insektizid Fipronil, das nicht in der Nähe von Nutztieren verwendet werden darf, in die Hühnerställe geraten. Millionen Eier enthalten Anteile über den gesetzlichen Grenzwerten. Nach neuer Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind die Werte, obwohl Fipronil als gesundheitsschädlich gilt, so gering, dass für Verbraucher keine gesundheitliche Beeinträchtigung gegeben ist.

          Ein pflanzliches Entmilbungsmittel, das gegen den Parasiten Rote Vogelmilbe wirksam ist, war mit dem Insektizid vermischt worden. Wie das geschah und wo, blieb am Donnerstag unklar. „Chickfriend“, die offenbar als Reinigungsfirma das kontaminierte Mittel bei seinen Kunden versprühte, ließ derweil seine Website sperren. „Wir ersticken die Milbenkontamination schnell im Keim“, lautete sinngemäß ihr Werbespruch. In dieser Branche priesen in den Niederlanden Wettbewerber laut niederländischen Fachmedien ihre Dienstleistungen mit den Worten an, sie hätten „Wundermittel“, welche Hühnerställe für mehr als 6 Monate milbenfrei hielten. Doch andere widersprachen: Mit legalen Produkten gelinge das höchstens für drei 3 Monate.

          August 2017 : Auch Eier aus deutscher Produktion mit Fipronil belastet

          Lebensmittelskandal als Beleg für zu laxe Kontrollen

          Am Donnerstag tauchten in weiteren Ländern belastete Eierlieferungen auf, nachdem die ersten am Wochenbeginn Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erreicht hatten. In insgesamt elf Bundesländer fanden sich betreffende Eierlieferungen – teils im Großhandel, teils im Supermarkt. In Bayern fanden sich noch keine Spuren. Die Organisation Foodwatch sah den Lebensmittelskandal als Beleg für zu laxe Kontrollen der landwirtschaftlichen Betriebe und Lieferketten. Der Lebensmittelsektor sei betrugsanfällig, teilte Foodwatch mit, es hätten „über einen längeren Zeitraum weder Behörden noch Unternehmen den Einsatz einer verbotenen Substanz“ bemerkt.

          Nun müssten die staatlichen Stellen wachsam sein, dass belastete Eier nicht in der Lebensmittelindustrie verwertet würden. Flüssigei wird von der Nudel- oder Backwarenindustrie verwendet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband bemängelte, dass es keine bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen für Verbraucher gebe. Am Abend wollte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) vor die Presse treten.

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