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Lebensmittel : "Es gab schon viele Übernahmeangebote für Bahlsen"

  • Aktualisiert am

Nicht der Typ, der am liebsten auf dem Golfplatz steht: Werner M. Bahlsen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Im Süßgebäckmarkt ist Bahlsen aus Hannover die Nummer eins. Der Enkel des Kekserfinders über die Zukunft seines Familienunternehmens, einen schwierigen Markt und die Gewichtszunahme seiner Mitarbeiter.

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          Im deutschen Süßgebäckmarkt ist die Bahlsen GmbH & Co. KG aus Hannover die Nummer eins. Mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent liegt Bahlsen klar vor Griesson-de Beukelaer ("Prinzenrolle"), die auf rund 12 Prozent kommen dürfte. Eigentümer und Geschäftsführer Werner Michael Bahlsen, 55 Jahre, ist ein Enkel Hermann Bahlsens, der das Unternehmen 1889 gegründet und den Leibniz-Butterkeks erfunden hat.

          Herr Bahlsen, stimmt es, daß Menschen drei Kilo zunehmen, nachdem sie bei Ihnen angeheuert haben?

          Ja, im Schnitt. Daß die Mitarbeiter unsere Produkte essen, ist quasi Teil der Qualitätssicherung. Der Kollege am Band weiß genau, wie ein "Ohne Gleichen"-Keks schmecken muß - und schlägt sofort Alarm, falls etwas nicht stimmt.

          Der Leibniz-Butterkeks ist, so steht es auf jeder Packung, "nur echt mit 52 Zähnen". Gibt es Fälschungen mit weniger oder mehr Zähnen?

          Ja, es gibt Kopien, die so ähnlich aussehen wie unser Butterkeks. Wir wollen einfach sicherstellen, daß die Konsumenten wissen, was das Original ist.

          Abgeleitet aus dem englischen Wort "Cakes", hat Ihr Großvater Hermann Bahlsen vor 113 Jahren den "Keks" erfunden. Seither ist Ihr Unternehmen in Familienbesitz. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

          Ja, die Firma Bahlsen soll auch künftig im Besitz meiner Familie bleiben. Ein unabhängiges Familienunternehmen zu sein hat viele Vorteile. Daher gibt es keinen Grund, Börsenpläne zu schmieden.

          Wo sind die Vorteile?

          Die größten Vorteile sind: die starke Identifikation unserer Mitarbeiter, die einfachen und schnellen Entscheidungswege, das langfristige Denken. Wir müssen uns nicht kurzatmig an Quartalsberichten orientieren.

          Und die Nachteile?

          Unsere finanziellen Mittel sind begrenzt.

          Ihr großer Wettbewerber Griesson-de Beukelaer hat 1999 Danone als Minderheitsgesellschafter an Bord geholt. Das ist dem Unternehmen nach eigener Aussage gut bekommen. Kein Modell für Bahlsen?

          Nein. Für diesen Einstieg gab es besondere Gründe, die nicht auf Bahlsen übertragbar sind.

          Sind Ihnen schon oft Übernahmeangebote unterbreitet worden?

          Ja, es gab schon eine Menge direkter und indirekter Offerten. Erst gestern hat mich jemand angerufen, der mir ein Gespräch mit einem Finanzinvestor vermitteln wollte. Ich habe abgelehnt.

          Die Bahlsen-Gruppe war einmal doppelt so groß wie heute. Doch als Folge heftiger Streitereien um Nachfolge und Strategie wurde sie mehrfach gespalten: Seither verantworten Sie die Süßgebäck-Sparte, Ihr Bruder Lorenz das Salzgebäck. Geht das jetzt immer so weiter? Was wird nach der Übergabe an die nächste Generation noch von Bahlsen übrigbleiben?

          Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt: In meinem Haus wird es eine klare Nachfolgeregelung geben. Ich weiß, daß dies für ein Familienunternehmen eine Schlüsselfrage ist. Und die ist in der vergangenen Generation unbefriedigend gelöst worden.

          Ist Ihr Unternehmen überhaupt stark genug, um eigenständig zu bleiben? Sie haben früher einmal gesagt, Bahlsen benötige eine Nettoumsatzrendite von mindestens 3 Prozent, um auf Dauer lebensfähig zu sein. Davon sind Sie doch nach wie vor weit entfernt, oder?

          Wir sprechen nicht mehr über unsere Ergebnisse. Aber ich versichere Ihnen: Bahlsen ist ein gesundes Unternehmen. Gleichwohl müssen wir sehr darum kämpfen, die Profitabilität zu erhöhen und unser Eigenkapital zu stärken, um als Familienunternehmen langfristig bestehen zu können.

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