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Rainer Neske im Gespräch : LBBW hält Sparkassen-Zentralbank für unrealistisch

Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg Bild: dpa

Der Chef der größten Landesbank will lieber kooperieren als ohne stärkeres Geschäftsmodell mit Deka und anderen Landesbanken zu fusionieren. Die vielen Kredite an den Automobilsektor sollen maßvoll reduziert werden.

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          Der Chef der größten deutschen Landesbank zweifelt daran, dass sich ein Zusammengehen mehrerer Landesbanken und der Deka zu einem von vielen Sparkassen gewünschten Zentralbank rechnet. „Es muss ein Geschäftsmodell herauskommen, dass am Ende besser am Markt besteht und den Eigentümern eine höhere Rendite liefert. Das sehe ich nicht, und da bin ich offenbar nicht der einzige“, sagte Rainer Neske auch mit Blick auf die gescheiterte Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Viele Chefs europäischer Großbanken sprächen derzeit davon, es brauche eigentlich Zusammenschlüsse, aber eben nicht mit ihnen. Ein Grund dafür sei, dass Fusionen zunächst Investitionen verschlängen, die kaum eine Bank derzeit angesichts von Eigenkapitalknappheit und niedriger Profitabilität aufbringen könne. Neske war von 2009 bis 2015 Privatkundenvorstand der Deutschen Bank und führt nun seit 1. November 2016 die Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Schleweis, wünscht sich die LBBW als Teil einer aus allen Landesbanken und der Deka geformten Sparkassen-Zentralbank, die nach dem Vorbild dem Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken – DZ Bank – ganz in den Händen der Sparkassen sein sollte. „Der DZ-Bank-Konzern ist ein gutes Modell, aber unsere Ausgangslage in der Sparkassen-Finanzgruppe ist anders“, sagte Neske am Dienstag im Gespräch mit Frankfurter Journalisten. 7 von 13 Milliarden Euro Eigenkapital der LBBW lägen außerhalb der Sparkassengruppe, schließlich sind das Bundesland Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart neben dem Sparkassenverband Baden-Württemberg Miteigentümer. „Wie soll das gehen?“, fragte Neske in Bezug auf die Wünsche der Sparkassen, Alleineigentümer einer  fusionierten Sparkassen-Zentralbank zu sein. Schließlich litten alle Banken auch wegen der nach der Finanzkrise verschärften Regeln unter Eigenkapitalknappheit.

          „Cross Selling kann man nicht erzwingen.“

          Neske wies noch auf einen anderen Unterschied hin: Die DZ Bank sei anders als etwa die LBBW nicht nur Geschäfts- und Verbundbank, sondern auch Muttergesellschaft von Bausparkassen und Versicherern. Die Fusionsgespräche zwischen den Frankfurter Sparkassen-Instituten Deka und Helaba, die von Schleweis als ersten Schritt hin zu einer Sparkassenzentralbank gewertet werden, beobachtet Neske interessiert. Er sehe keine Vorteile, wolle dies aber aus Respekt vor den Vorstandskollegen, die das gerade prüfen, nicht vertiefen. Und wenn sich doch wider Erwarten Synergien zeigten? „Dann reden wir“, sagte Neske prompt. Schließlich sei er nicht per se gegen Fusionen.

          Jedoch lasse sich die niedrige Profitabilität im deutschen Bankenmarkt nicht durch zwei, drei Fusionen aus der Welt schaffen. Wettbewerber der LBBW seien vor allem die amerikanischen Banken. „Hier müssen wir aufpassen, dass wir Anschluss halten“, mahnte Neske. Bis auf weiteres empfahl er daher statt Fusionen den anderen Landesbanken, enger miteinander zu kooperieren, vor allem in der IT-Entwicklung. Darauf bereite sich die LBBW strategisch vor.

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