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Die Union und die K-Frage : Bienen-Söder gegen Kohle-Laschet? So einfach ist das nicht!

Und wer wird nun Kanzlerkandidat? Bild: dpa

Wer führt die Union als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf? Wichtig ist mit Blick auf eine künftige Koalition: Wie halten es die beiden Parteichefs wirklich mit der Klimapolitik?

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          Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet das Klima-Thema suchte sich der sonst so zurückhaltende Armin Laschet für seine erste Attacke gegen den Kontrahenten Markus Söder aus. Grüner als die Grünen sei der Bayer, schimpfte der Aachener vorigen Dienstag, als sich die Bewerber um die Kanzlerkandidatur von CDU und CSU vor der gemeinsamen Bundestagsfraktion duellierten. Mehr eigene Handschrift in der Klimapolitik verlangte Laschet, mehr Marktwirtschaft. Man dürfe keine Allianzen mit einem grünen Ministerpräsidenten schmieden, wie Söder es getan habe, und auch nicht einen früheren Kohleausstieg fordern. All das nutze nicht der Union, es treibe nur den Grünen weitere Wähler zu.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Haltung zur Klimapolitik, das Verhältnis zu den Grünen: Damit hatte der CDU-Vorsitzende die zentralen Punkte angesprochen, um die es im Kandidatenduell der Union geht. Ob sich die Union auf einen Bewerber einigen kann, bevor am Montag die Grünen ihren Favoriten oder ihre Favoritin fürs Kanzleramt präsentieren, ist dabei nur auf der Oberfläche das Thema. Viel wichtiger für die Zukunft von CDU und CSU erscheint, wie sich die jeweiligen Sieger des Wettstreits Laschet/Söder und Baerbock/Habeck hinterher zueinander verhalten.

          Was die beiden Unionisten betrifft, schienen die Verhältnisse früher ganz klar zu sein: Armin Laschet, das war der Mann, der sich schon als junger Abgeordneter mit Grünen-Kollegen beim Italiener traf und vor allem über gesellschaftspolitische Fragen debattierte - in der Einwanderungspolitik steht er der Baerbock/Habeck-Partei bis heute nahe, während er in der Inneren Sicherheit eher auf klare Kante setzt.

          Söder indes gab schon als Generalsekretär unter dem Parteivorsitzenden Edmund Stoiber den Scharfmacher. Das stimmte schon früher nur halb, weil sich Laschet für Umweltpolitik nie sonderlich interessierte und Söder als bayerischer Ressortminister der Jahre 2008 bis 2011 tief in die Materie eingrub. Schon als Generalsekretär forderte er ein Verbot des Verbrennungsmotors, und zwar ab 2020.

          „Wir müssen Industrieland bleiben“

          Inzwischen stimmt es weniger denn je, zumindest wenn man auf die öffentlichen Bekenntnisse der beiden schaut. Spätestens seit dem bayerischen Bienen-Volksbegehren gibt Söder den 150-prozentigen Umweltpolitiker, der sich an Liebe zur Natur von keinem Grünen überholen lässt. Sogar in der Einwanderungspolitik schlägt er seit der Niederlage im Asylstreit des Sommers 2018, die ihn fast das Amt kostete, sanftere Töne an.

          Umgekehrt gibt Laschet, seit er im Jahr 2017 überraschend zum Ministerpräsidenten aufstieg, den Hüter von Betrieben und Jobs. „Wir müssen Industrieland bleiben“, spricht er in jedes Mikrofon, dem er im Laufe eines Arbeitstags begegnet; in seiner Bewerbungsrede auf dem CDU-Parteitag inszenierte er sich als Sohn eines Bergarbeiters. Er sorgt dafür, so die Botschaft, dass die Schornsteine im Stammland von Kohle und Stahl weiter qualmen - wenn auch nicht mehr so schmutzig wie zuvor. Dass ihn jugendliche Klima-Aktivisten dafür hart angingen, kam ihm insofern entgegen.

          Es erstaunt von daher nicht sonderlich, dass sich Teile des Wirtschaftsflügels auf Laschets Seite geschlagen haben, allen voran Friedrich Merz, der unterlegene Kontrahent im Streit um den CDU-Vorsitz. Erklärungsbedürftiger erscheint da schon, wieso sich ausgerechnet in jenen Ost-Landesverbänden die größte Unterstützung für Söder regt, die Klimapolitik noch immer für eine Flause verwöhnter westdeutscher Großstädter halten. Offenbar zählt dort vor allem der Habitus der Entschlossenheit, den inhaltlichen Positionierungen des Bayern misst man eine geringere Halbwertszeit zu. „Die nehmen nicht ernst, was er da sagt“, urteilt ein Spitzengrüner.

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