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Larry Kudlow : Das ist Trumps Neuer

Larry Kudlow während eines Auftritts in „seinem“ Sender CNBC an der New Yorker Börse. Bild: Reuters

Der neue oberste Wirtschaftsberater des Präsidenten Donald Trump ist ein konservativer Fernsehmoderator. Was denkt Larry Kudlow über die Wirtschaft?

          Meinungsstark, medientauglich, munter – Larry Kudlow kommentiert, was in der Wirtschaft los ist. Tagesaktuell oder auf längere Sicht, Marktbewegungen einerseits, politische Entscheidungen andererseits. Der 70 Jahre alte schillernde Moderator und Zeitungskolumnist ist gut bekannt in den Vereinigten Staaten, bestens vernetzt in der Hauptstadt Washington und zumal der republikanischen Partei. Nun, so hat das Weiße Haus bestätigt, wird er Teil des inneren Zirkels um Donald Trump: Larry Kudlow soll neuer oberster Wirtschaftsberater des Präsidenten werden und damit an die Stelle des früheren Investmentbankers Gary Cohn (ehemalige Nummer zwei von Goldman Sachs) treten.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die neue Personalie wurde mit viel Spannung erwartet, denn gerade spitzen sich die Dinge zu: Trump hat Zölle auf Stahl und Aluminium, zuvor auf Waschmaschinen und Solarzellen, er droht deutschen Autokonzernen, hat die größte Übernahme in der Tech-Branche aller Zeiten verboten und nun China ganz direkt im Visier – die Rede ist von 60 Milliarden Dollar umfassenden Zöllen, pro Jahr. Gary Cohn lehnte einen Handelsstreit oder -krieg ab. Als sein Rücktritt bekannt wurde, wuchsen die Sorgen nochmals, weil sich, so scheint es, nun die Protektionisten im Weißen Haus wohl durchgesetzt hätten. Wie also sieht Larry Kudlow das? Ist er für oder gegen Freihandel?

          Eigentlich findet der konservative Ökonom die Globalisierung gut und mag einen möglichst freien Warenaustausch zwischen den Ländern. Die Zölle auf Stahl und Aluminium kritisierte er öffentlich. Im amerikanischen Finanzmarktfernsehen CNBC, wo er regelmäßig auftritt, sagte er vor wenigen Tagen: „Ich mag keine pauschalen Zölle, die vielleicht unsere Verbündeten treffen und die wirklich Schlimmen davonkommen lassen.“ Er ergänzte aber: „Manchmal können sehr selektive Zölle effektiv sein, wenn sie einen schlechten Akteur treffen oder in einer Auseinandersetzung mit ihm helfen.“ Er meinte damit China – die zweitgrößte Ökonomie der Welt. Gegen Peking hätte Amerika schon früher vorgehen sollen, sagte er da. Das klingt dann, wenn auch deutlich milder, so wie Trump selbst oder dessen Berater Peter Navarro („Death by China“), für den der Präsident eigens einen neuen Posten im Weißen Haus geschaffen hatte.

          Grundsätzlich lehnt Kudlow allerdings Handelsbarrieren ab und empfiehlt stattdessen einen anderen Ansatz: einfach das eigene Land wettbewerbsfähiger und attraktiver zu machen. Die Steuerreform Trumps  lobt er in den höchsten Tönen, zurückgenommene Regulierungen für die Unternehmen ebenfalls. „Das ist wachstumsfreundlich, das zeigt sich schon jetzt, macht die Vereinigten Staaten konkurrenzfähiger.“ In ebenfalls ziemlich klassischer republikanischer Manier sorgt er sich dabei auch weniger um die Frage, ob Amerika deshalb zu viele Schulden anhäufen werde – unter dem Strich werde sich das rechnen.

          Kudlow hat, obwohl in der jüngeren Vergangenheit hauptberuflicher Kommentator, durchaus Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung und der freien Wirtschaft. Er arbeitet unter der Regierung Ronald Reagans, außerdem in der Kapitalmarktabteilung der Federal Reserve in New York. Die mittlerweile untergegangene Investmentbank Bear Stearns verpflichtete ihn in den achtziger Jahren als Chefökonomen. Seine Karriere litt in den Folgejahren unter seiner Abhängigkeit von Drogen und Alkohol – er ging auf eine Entziehungskur, rappelte sich danach wieder auf. Und hat sich nicht unterkriegen lassen. „Er glaubt, weil er seine Dämonen bezwang durch unglaubliche Disziplin und Glauben, er ist bekennender Christ, das er deswegen alles schaffen kann“, sagte der Journalist Charlie Gasparino, ein guter Freund Kudlows, nun dem Fernsehsender Fox.

          Dass Kudlow einmal der konservative Kommentator werden würde, der er heute ist, gehört übrigens ebenfalls zu einer Wende in seinem Leben. In den siebziger Jahren engagierte sich der damalige Demokrat gegen den Vietnam-Krieg für den Senatskandidaten Joseph Duffey - gemeinsam mit Bill Clinton. Noch zuvor während seines Studiums in Rochester gehörte er einer linksgerichteten Studentengruppierung an. Mittlerweile ist er durch und durch Republikaner. Er unterstützte den wirtschaftspolitischen Kurs George W. Bushs und setzte sich im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf für Donald Trump ein.

          Ob Kudlow, der kein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium hat und mit mancher Prognose danebenlag (im Dezember 2007 sagte er goldene Zeiten voraus für Amerikas Wirtschaft), den heutigen Präsidenten wirklich nachhaltig beeinflussen kann, wird sich zeigen, mahnt sein Freund Gasparino gleichwohl. Er selbst fürchtet eher, dass Trump ihn möglicherweise einfach benutzt, quasi als ein Handel befürwortendes Deckblatt für protektionistische eigene Ziele. „Ich habe ihm davon abgeraten, das zu machen, aber Larry wollte zurück im Spiel sein.“ Eine Verbindung für die Ewigkeit wird das aber möglicherweise nicht. Angeblich, so berichtet der Sender, läuft der Vertrag zwischen Kudlow und dem Weißen Haus erst einmal für ein Jahr.

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