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Landwirtschaft : "Unsere Tiere sind glücklicher und schmecken besser"

  • Aktualisiert am

Biobauer Erich Etzel aus Wehrheim Bild: Wolfgang Eilmes

Bio-Bauer Paul Erich Etzel aus Wehrheim im Taunus hat frühzeitig seinen Betrieb umgestellt und Erfolg mit einer eigenen Marke. Im Interview äußert er sich über die falschen Mythen des Öko-Landbaus, Effizienz im Schweinestall und die Konkurrenz aus Rumänien.

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          Bio-Bauer Paul Erich Etzel aus Wehrheim im Taunus hat frühzeitig seinen Betrieb umgestellt und Erfolg mit einer eigenen Marke. Im Interview äußert er sich über die falschen Mythen des Öko-Landbaus, Effizienz im Schweinestall und die Konkurrenz aus Rumänien.


          Herr Etzel, beweisen Sie uns, dass Brot aus Ihrem Ökogetreide besser ist als ganz normales Brot.

          Unser Brot besteht nur aus Mehl, Salz und Wasser.

          Das reicht nicht als Beweis.

          Hier sind keine Konservierungsstoffe und keine Backhilfsmittel drin.

          Na und?

          Dieses Brot ist wochenlang geschmacklich stabil. Wir sind in allen wichtigen Feinkostgeschäften der Region vertreten. Im Berliner KaDeWe gehörte es lange zum Sortiment. Und ihnen scheint es auch zu schmecken. Das wäre nicht so, wenn es nicht gut wäre.

          Beweisen Sie uns, dass das Brot gesünder ist.

          Ich hatte früher Probleme mit dem Magen. Seitdem ich unser Sauerteigbrot esse, nicht mehr.

          Wir kennen keine Studie, die belegt, dass Brot mit Konservierungsstoffen gesundheitsschädlich ist.

          Jetzt drehen Sie den Spieß um. Von der Schädlichkeit der normalen Brote rede ich nicht. Wir wollen Lebensmittel verkaufen, die ursprünglich erzeugt sind und dem Verbraucher einen Hochgenuss bescheren.

          Sie erzeugen also nicht unbedingt für die Müsli-Fraktion, sondern für Gourmets.

          Wir bedienen anspruchsvolle Gaumen. Unser Marketing zielt tatsächlich auf jene 20 Prozent, die Geist, Geld und Geschmack verbinden.

          Deshalb funktioniert Ihr Geschäftsmodell im Hochtaunuskreis, wo mehr reiche Menschen leben als in anderen Teilen der Republik. Denn Bauer Etzel ist nicht billig.

          Der Preisunterschied ist nicht so dramatisch. Natürlich ist Bioware nicht billig. Doch das ist nur eine Frage der Zeit.

          Warum?

          In osteuropäischen Ländern wie Rumänien gibt es riesige Landwirtschaftsbetriebe, deren Getreide inzwischen nach Ökorichtlinien zertifiziert ist und gelegentlich zu Spottpreisen auf den deutschen Markt drängt. Dagegen sind die Getreidemengen, die westdeutsche Ökobauern ernten, Peanuts.

          Wir bekommen also auch im Ökolandbau eine Massenproduktion?

          Ja, selbstverständlich. Und das bedeutet auch, dass immer mehr Ökoprodukte aus Schwellenländern kommen werden und immer weniger aus Deutschland. Im Osten gibt es Betriebe mit riesigen Ländereien, die sehr schnell zertifiziert werden können und dann kaum noch zu bremsen sind.

          Wir hatten uns ganz romantisch vorgestellt, dass kleine Betriebe die Zukunft des Ökolandbaus sind.

          Ach, um Gottes willen, nein! Wir haben mit rund 130 Hektar mittelfristig viel zu wenig, um zu überleben. Und wir haben noch den Vorteil, nahe am Absatzmarkt zu produzieren. Je weiter Sie von den Ballungsräumen weg sind, desto größer muss Ihr Ökobetrieb sein.

          Werden deutsche Landwirte das Nachsehen haben?

          Ich haben meine Kollegen jahrelang gebeten mitzumachen. Doch sie wollten die Umstellung auf Ökolandbau nicht wagen. Als es ihnen wirtschaftlich schlechtging, war ihnen das Risiko zu groß.

          Aber nach Ihrer Prognose haben es Ökobauern ohnehin schwer gegen ausländische Konkurrenz mit riesigen Ackerflächen.

          Das hängt vom Geschäftsmodell ab und vor allem, ob sie es schaffen, eine Marke zu kreieren. Ich habe ein Vermögen in die Generierung unserer Marken investiert. Da hat kein anderer Bauer gemacht. Darauf bin ich stolz. Denn nur mit einer Marke bekommen Sie Aufmerksamkeit und Vertrauen.

          Das klingt eher nach Nestlé oder Procter & Gamble als nach Öko.

          Sie sagen es. Mich hat ein Werbemanager inspiriert, der auch große Konzerne beraten hatte. Unsere Marke Bauer Etzel-Blütenkranz Naturkorn ist auf einem guten Weg. Wir bieten den Kunden Authentizität. Der Roggen auf unseren Feldern wird zum Brot, das wir in unseren Geschäften verkaufen. Das Fleisch in unseren Geschäften ist von den 1000 Schweinen, die wir selbst mästen mit unserem Ökogetreide. Das ist unsere Kreislaufwirtschaft. Das können die osteuropäischen Kollegen nie bieten.

          Ihre 1000 Schweine stehen auf einem Aussiedlerhof. Hier haben Sie eine paar Tiere zum Streicheln und sonst herausgeputzte Fachwerkgebäude. Das sieht ein bisschen wie die romantische Fassade eines Hofs aus, um Großstädtern etwas vorzugaukeln.

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