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Landwirtschaft : Italien drohen wegen Wassermangel Milliardenschäden

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Ausgetrocknete Äcker in Norditalien Bild: AP

Die extreme Wasserknappheit trifft vor allem die Landwirtschaft im Norden Italien. Der Po hat den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. Erste Engpässe gibt es auch in der Stromversorgung.

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          Die italienische Landwirtschaft, aber auch die Stromerzeugung leidet unter einer andauernden Dürre, wie sie vor allem für Norditalien ungewöhnlich ist. Zwar sagt der Chef des Katastrophenschutzes, daß das Land die zwei Wochen bis Ende Juli ohne Niederschläge überstehen könne. Wenn es bis dahin aber nicht zu größeren Regenfällen komme, stehe die Landwirtschaft vor einer katastrophalen Mißernte. Schon jetzt klagt die norditalienische Landwirtschaft über große Schäden durch die Trockenheit der vergangenen Wochen.

          In Piemont, wo südlich von Turin Reis angebaut wird, mußten die Landwirte die Bewässerung ihrer Felder um die Hälfte verringern, da die nötigen Wasserreserven fehlen. Maisfelder, die nicht bewässert werden, sind bereits vertrocknet. In Ligurien ist die Landwirtschaft um San Remo auf Blumen spezialisiert. Dort hat die große Hitze bei den auf den Feldern angebauten Pflanzen zu vorzeitiger Blüte und damit zum Preisverfall für Blumen geführt. In anderen Regionen hat die Dürre Pflanzen aller Art, darunter auch Wein und Oliven geschädigt.

          Sieben Meter unter Normalpegel

          Besondere Probleme entstehen dadurch, daß der Wasserstand der Flüsse so weit gesunken ist, daß an manchen Orten die Pumpanlagen gar kein Wasser mehr ansaugen können. Der Wasserspiegel des Po liegt stellenweise mehr als sieben Meter unter dem Normalpegel. Die Folge ist auch, daß an der Flußmündung Meerwasser ungewöhnlich weit in den Flußlauf dringt. Das für Boden und Pflanzen schädliche Salz gelangt damit bis in Bewässerungsanlagen und auf die Felder. Schon haben die Präsidenten der Regionen Norditaliens von der Zentralregierung in Rom verlangt, den Norden des Landes offiziell zum Katastrophengebiet zu erklären und damit finanzielle Reserven für die Entschädigung von Landwirten freizugeben. Bisher zögert die Regierung allerdings noch.

          Weitere Schwierigkeiten drohen Italien dadurch, daß viele Kraftwerke zur Kühlung Flußwasser benutzen und nun wegen der niedrigen Wasserstände nicht mehr mit voller Kraft laufen können. Dabei liegt die Nachfrage nach Strom ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze der Stromwirtschaft. Zahlreiche Kraftwerke haben während der vergangenen beiden Jahre wegen der Liberalisierung des Strommarktes den Besitzer gewechselt und werden gerade umgebaut.

          Klimaanlagen treiben Stromverbrauch in die Höhe

          Währenddessen haben die Hitze und die wachsende Zahl von Klimageräten in Büros und Haushalten den Stromverbrauch in die Höhe schnellen lassen. Nachdem es bereits an zwei Tagen in ganz Italien zu stundenweisen Stromabschaltungen für einzelne Städte und Stadtviertel gekommen ist, um einen Zusammenbruch des Stromnetzes zu verhindern, droht nun auch bei der Stromversorgung ein neuer Engpaß.

          Durch die Wasserknappheit treten zudem langfristige Versäumnisse beim Ausbau und der Wartung des Wasserversorgungsnetzes zutage. Nach einem aktuellen Bericht des italienischen Statistikamtes gehen in Italien 29 Prozent des ins Versorgungssystem eingeleiteten Wassers verloren, vor allem wegen löchriger Leitungen verursacht. Daneben gibt es aber auch das Phänomen des illegalen Abzapfens.

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